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Wenn man die Breite der Bundeswehr in Relation zu den wirtschaftlichen Kenndaten des Landes sieht gibt es meiner Meinung nach wenig Gründe, da weitere Einschränkungen vornehmen zu wollen. Wir haben eine kompakte Marine ohne große Projektionsmöglichkeiten, eine Luftwaffe ohne strategische Qualitäten und ein Heer, dass mit Müh und Not Strukturen für szenarisch kleinere Auslandseinsätze (in Relation zur Gesamtgröße) aufbringen kann. Die Schritte, die andere Militärs notgedrungen gehen müssen (bspw. Großbritannien) haben wir bereits hinter uns. Insofern wäre es nicht nur fahrlässig, sondern gegenüber den Bündnispartnern auch kaum vermittelbar, dass weitere Reduktionen in der Breite stattfinden sollen. Schon gar nicht, und darum geht es ja hier, wenn die Finanzmittel die vereinbarten Vorgaben erreichen und damit deutlich ansteigen.
Auf der anderen Seite ist es meiner Meinung nach eben durchaus sehr wichtig, in diesem fiktiven Szenario nicht weiter in die Breite (auf nationaler Ebene) zu investieren, sondern stattdessen bei vorhandener Breite in die Tiefe zu gehen. Es gibt beispielsweise keinen Grund, warum wir etwa eine eigene amphibische Komponente aufbauen sollten. Gerade das Thema Docklandungsschiffe zieht sich wie ein roter Faden seit Jahren durch dieses Forum, rational betrachtet ergeben diese in meinen Augen als nationaler Alleingang genausowenig Sinn wie in Kooperation mit ausgewählten Partnern, sondern vielmehr nur als Beteiligung mit einer großen Zahl an Partnernationen (EU-Armee).
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Man könnte ja auch mal einen Blick ins Gesetz werfen. Da steht so schön, dass der Bund Streitkräfte zur Verteidigung aufstellt.
Das impliziert, dass die aufgestellten Streitkräfte zur Verteidigung befähigt sein müssen. Dementsprechend könnte man eigentlich argumentieren, dass schon die letzten Bundeswehrreformen verfassungswidrig waren.
Spannend auch die Frage, ob man darüber einen Prozentbetrag für den Wehretat festschreiben könnte.
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Dazu passend der alljährliche Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr
Ausführlich bei Augengeradeaus
http://augengeradeaus.net/2016/11/materi...ht-schoen/
GTK Boxer: 102 von 201 Fahrzeugen jahresquerschnittlich einsatzbereit
SPz Marder: 222 von 388 Panzern
KPz Leopard 2: 132 von 244 Panzern
TPz Fuchs: 532 von 898 Fahrzeugen
U-Boote: 1 von 6 Booten
UHS Tiger: 12 von 42 Hubschraubern
THS NH90: 9 von 48 Hubschraubern
Sea Lynx: 5 von 22 Hubschraubern
Sea King: 4 von 21 Hubschraubern
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Wenn man bedenkt wie hoch der Etat der Bundeswehr ist, dann ist dies ein totales Armutszeugnis.
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Hallo zusammen,
Ich würde die Wehrpflicht bzw. ein soziales Jahr für Männlein und Weiblein einführen.
Dies würde die Sozialsysteme massiv entlasten, mit den Wehrpflichtigen würde ich eine reine Verteidigungs Arme zur Landesverteidigung aufstellen. Eine Heimatflotte zur Verteidigung von Nord und Ostsee sowie die entsprechende Luftverteidigung dazu.
Die Waffensysteme würden speziell für die entsprechende Aufgabe entwickelt/verwendet.
Zusätzlich würde ich eine sogenannte Interventionsarme aus freiwilligen, ähnlich der Amerikanischen Marines für Auslandseinsätze aufstellen. Wichtig hierbei ist die Selbständigkeit dieser Speziellen Truppengattung also Heer, Marine, Luftwaffe unter einem Hut.
Auch hier wieder entsprechende Waffensysteme, mit 2% müsste das gehen.
Gruß
Franz
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Hallo Franz,
ich bin kein Experte, halte es aber für unrealistisch die Landesverteidigung durch Wehrpflichtige abbilden zu können. Der Schulungsbedarf ist insgesamt relativ hoch, bei einigen Waffenplattformen mit Sicherheit nicht in einem Jahr zu vermitteln. Ich bezweifle auch dass es möglich ist die Koplexität durch Neuentwicklungen dermaßen zu senken.
Im Verteidigungsfall obligt es dann einem Haufen Grünschnäbel das Land zu schützen. Ich denke eine Berufsarmee ist hier zielführender.
Die Aufteilung zwischen Verteidigung und Intervention \ Stabilisierung finde ich gut, wobei die Bundeswehr bereits aufgeteilt ist. So gibt es die Stabilisierungs-, Eingreif- und Unterstützungskräfte.
Eine strikte Trennung ist sicher auch schwierig, da sich die einzelnen Großgeräte ggf. für Landesverteidigung und Auslandseinsätze eignet. Eine doppelte Bevorratung wäre sehr teuer.
Es geht in Thema ja um die Möglichkeit mehr für den Verteidigungshaushalt auszugeben, wo siehst du denn den Investitionsbedarf?
Grüße Andy
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Hallo Andy,
bin Ende der 80er bei den Pionieren gewesen, Minenkampf ( Tag der langen Arme )  und hab gesehen das hier mit sehr "einfachen Mitteln" eine relativ gute Abwehr in kürzester Zeit entstehen kann. Solche Minensperren, wenn sie auch noch verteidigt werden, können einen überlegenen Feind sehr lange aufhalten. Bei einer reinen Verteidigungsarme gehr es darum den Feind über Tage zu binden, zu verlangsamen und unseren Verbündeten die Zeit zu verschaffen um Verstärkung heran zu bringen. Der typische Ost/West Konflikt halt. Hier reichen aus meiner Sicht Wehrpflichtige mit einem Jahr Ausbildung. Pioniere, Sanitäter, Lkw Fahrer, Kampfunterstützingseinheiten...
Bei komplexeren Waffensystemen geb ich dir Recht, hier ist 1 Jahr zu wenig.
Ich sehe den Fehler im Moment darin das wir wenige Waffensysteme in die Rolle der " Alleskönner" pressen.
Beispiel den EF als Jagdbomber umzubauen, oder
unsere Schnellboote durch die K130 ersetzen usw.
Ein deutsches Schnellboot gehört in die Nord oder Ostsee hier ist es eine tödliche Waffe, ans Horn von Afrika, zum Piraten fangen gehört es nicht.
Ich denke du weist was ich meine.
Ob diese "Hans Dampf" in allen Gassen wirklich günstiger sind weis ich nicht.
Wo würde ich investieren: In eine Europäische Raketenabwehr, einem Tornado Nachfolger, sowie die Erhaltung der Kernkompetenz konventioneller U-Boote.
Gruß
Franz
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Ich würde eine verpflichtende Dinstzeit von ~ 1/2 - 1 Jahr einführen, die für jeden Deutschen Staatsbürger bis zum 30. Lebensjahr abgeleistet werden muss. Dabei kann jeder frei entscheiden, wo er seinen Dienst leistet (Bundeswehr, THW, Soziales usw.). Dabei kann man sich natürlich auch für eine längere Zeit verpflichten (z.B. höheres Gehalt), muss dann allerdings auch bereit sein, an Auslandseinsätzen teilzunehmen. Und in bestimmten Einheiten kann nur gedient werden, wenn man such bereit ist, in den Einsatz zu gehen (z.B. auf Schiffen oder als Besatzung von Transportflugzeugen)
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Zur aktuellen Diskussion um eine Steigerung der deutschen Wehrausgaben auf 2% des BIP:
Zitat:Wie die Nato erwachsen wird
Der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis ist ein harter, kantiger Mann. Pathos ist dem Ex-Elitesoldaten fremd. Als er aber im Nato-Hauptquartier in Brüssel die für Europa wichtigsten Sätze der Ära Trump sprach, griff er zu einem großen, fast poetischen Satz: „Amerika kann sich nicht stärker um die Sicherheit der Zukunft Ihrer Kinder kümmern als Sie selbst.“ Das saß. [...]
Deutschland gibt bisher nur 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus. Die USA verlangen also fast eine Verdopplung des Verteidigungsbudgets von der Bundesrepublik, von 45 Milliarden Dollar auf 75 Milliarden Dollar. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte sofort, die US-Forderung sei angemessen, aus der SPD kam heftige Kritik. [...]
Der Nato-Kenner Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) sagte: „Das Ziel macht an sich keinen Sinn.“ Es schere zu viele Länder über einen Kamm. Deutschland erreiche nicht nur deshalb 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, weil es wenig Geld ausgebe. Sondern auch, weil die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik so groß sei. In Griechenland, wo die Wirtschaft in der Krise geschrumpft ist, schnellte der Anteil der Verteidigungsausgaben deshalb in jüngster Zeit auf 2,4 Prozent nach oben. [...]
Trotzdem verändere eine massive deutsche Aufstockung das Gefüge in Europa. Denn schon im Moment liegt Deutschland bei den Militärausgaben nicht so weit hinter Frankreich und Großbritannien, wie es die Statistik glauben macht. Zwar liegt der Wert bei Großbritannien über zwei Prozent, bei den Franzosen liegt er nicht weit darunter. Aber die beiden Länder finanzieren eine Großmachtpolitik, die Deutschland nicht kennt. „Die Nuklearprogramme der beiden Länder sind nicht billig“, sagte Mölling. [...]
Der Umbau der Nato wird ein Prozess sein. Bis Jahresende soll ein Plan zur Erreichung des Zwei-Prozent-Ziels vorliegen. Bis wann dieser umgesetzt wird, ist offen. „Es ist auch ein Theaterspiel, das der US-Präsident zu Hause aufführen muss“, sagte Mölling. „Er hat sich weit aus dem Fenster gelehnt, jetzt muss er liefern.„Die USA stehen felsenfest zu Artikel 5 und zu unserem gegenseitigen Beistand“, sagte Mattis.
https://www.welt.de/print/welt_kompakt/p...-wird.html
Schneemann.
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Wenn die BW für die Nato Aktionen, aus dem Stand ihre Batalione hätte schicken könne, die EF einen Klarstand von 70% und die Piloten jährlich 180 Flugstunden hätten usw. dann wäre es allen anderen egal ob wir 1,2 1,5 oder 2 % des BIP für die Verteidigung ausgeben würden.
Da die BW im Moment eher einer Milizarmee gleicht, wir die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Nato sind, macht man uns zurecht Vorwürfe. Noch besser ist, das man die 2% ja auch schon mehrfach zugesagt hat.
Und da kann sich auch keine SPD Vorsitzender rausreden, sein Außenminister saß da auch am Tisch und hat genickt.
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Zitat:Haushaltsausschuss zur Rüstung
Bundestag billigt Kauf von fünf Korvetten
Rüstungsgüter für rund elf Milliarden Euro hat der Haushaltsausschuss des Parlaments genehmigt - auch den wohl überteuerten Kauf von Kriegsschiffen. Um Kampfdrohnen für die Bundeswehr gibt es weiter Streit.
Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode hat der Bundestag Rüstungsprojekte in Höhe von elf Milliarden Euro freigegeben. Die Parlamentarier des Haushaltsausschusses beschlossenen darunter den umstrittenen Kauf von fünf Korvetten für die Marine für rund zwei Milliarden Euro, wie es aus Teilnehmerkreisen hieß. Ebenfalls beschlossen wurde demnach die Finanzierung der Beteiligung an einer Satellitenmission, gepanzerte Transportfahrzeuge, Kranfahrzeuge und die Umrüstung von Kampfhubschraubern. [...]
Ursprünglich sollten im Haushaltsausschuss über insgesamt 30 Beschaffungsprojekte mit einem Finanzvolumen von knapp 15 Milliarden Euro beraten werden. Sieben Projekte wurden von der Tagesordnung genommen - darunter ein Auftrag für Triebwerke für das pannenanfällige Transportflugzeug A400M.
http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...53429.html
Schneemann.
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Laut Augen Gerdeaus soll Deutschlands Anteil der Verteidigungsausgaben am BIP 2019 1,3% betragen. Das wäre ein Plus von 15% zu den 1,13% in 2017.
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(28.04.2018, 11:41)JSS schrieb: Laut Augen Gerdeaus soll Deutschlands Anteil der Verteidigungsausgaben am BIP 2019 1,3% betragen. Das wäre ein Plus von 15% zu den 1,13% in 2017. Eigentlich sogar noch viel mehr in absoluten Zahlen, denn das Wirtschaftswachstum war enorm.
Muss aber nichts heißen, denn eine Menge mehr an Geld geht in die Besoldung der Soldaten.
Die Gelder für die Akquise neuen Materials sind nicht wirklich gestiegen, was auch daran liegt, dass das Beschaffungswesen so unfassbar schlecht war / immer noch ist. Suder tut was sie kann / tat was sie konnte, ist / war aber nicht genug.
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(28.04.2018, 12:29)Mondgesicht schrieb: (28.04.2018, 11:41)JSS schrieb: Laut Augen Gerdeaus soll Deutschlands Anteil der Verteidigungsausgaben am BIP 2019 1,3% betragen. Das wäre ein Plus von 15% zu den 1,13% in 2017. Eigentlich sogar noch viel mehr in absoluten Zahlen, denn das Wirtschaftswachstum war enorm.
Wenn man wie Statista von einem Wachstum des BIP bis 2019 um etwa 4,3% auf 3405,16 Mrd € ausgeht, hätten wir dann einen Wehretat von 44 Mrd €. Eine Steigerung um 18,9% im Vergleich zu den jetzigen 37 Mrd €
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Zitat:Haushalt: Von der Leyen will zwölf Milliarden Euro mehr für Bundeswehr
Die Verteidigungsministerin fordert laut einem Bericht bis 2021 deutlich mehr Geld für die Truppe, als im Haushalt geplant. Der Modernisierungsbedarf sei gewaltig. [...] Diese Summe habe die Ministerin in den vertraulichen Haushaltsverhandlungen mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) angemeldet, berichtete die Bild am Sonntag. Scholz' Finanzplan sehe dagegen bis 2021 eine Erhöhung des Wehretats um 5,5 Milliarden Euro vor. [...]
Dem Bericht zufolge will von der Leyen bei den anstehenden Haushaltsberatungen mit dem Stopp eines internationalen Rüstungsprojekts drohen, falls die Verteidigungsausgaben nicht deutlich aufgestockt werden. Ihr Ministerium habe bereits eine Streichliste von Rüstungsprojekten erarbeitet: Auf Platz eins stehe die Kooperation im U-Boot-Bereich, an zweiter Stelle stehe der Kauf von sechs Transportflugzeugen C-130 Hercules. [...]
Der Bundeswehrverband hatte zuvor eine Aufstockung des Wehretats um ganze 15 Milliarden Euro in der laufenden Legislaturperiode gefordert. Zuletzt war mehrfach Kritik an der Ausrüstung und Einsatzfähigkeit der Bundeswehr laut geworden.
https://www.zeit.de/politik/deutschland/...lz-bericht
Schneemann.
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