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(Allgemein) Deutscher Verteidigungshaushalt - Druckversion

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Deutscher Verteidigungshaushalt - Schneemann - 30.06.2015

In diesem Strang soll es vorbehaltlich und zur Gänze um die deutschen Rüstungsausgaben gehen - im politischen wie finanziellen Sinne -, wobei auch jahresübergreifend die Entwicklungen betrachtet und diskutiert werden können und sollen (wir haben auch schon einige sehr alte Threads, in welchen es um den deutschen Rüstungsetat geht, indessen beziehen sich diese nur auf einzelne Jahre zu Beginn des Jahrtausends, deshalb dieser umfassendere Thread hier).

Inhaltlich soll es bspw. um Aspekte der Finanzierbarkeit, Ausgabenstatistiken, Planungen, "Stimmungen" in der Politik, internationale Vergleiche oder Aussagen von maßgebenden deutschen Politikern oder auch Militärs oder Politikern aus anderen NATO-Staaten (oder auch nicht NATO-Staaten) zum deutschen Verteidigungshaushalt gehen.

Abgrenzen möchte ich den Thread gerne deutlich gegenüber der Thematik geplanter Neuanschaffungen oder welches Waffensystem X nun doch abgeschafft oder nicht angeschafft wird (dies wäre dann wiederum zu speziell und würde andere Threads über bestimmte Waffensysteme oder auch z. B. über geplante Kürzungen oder "Wunschkonzerte" berühren).

Insofern:
Zitat:"Sicherheit braucht Investitionen"

Deutschland will Militärausgaben erhöhen

Die weltweiten Krisenherde wachsen, die Bedrohungen nehmen auch für Deutschland zu. Aus Regierungskreisen verlautet deshalb, man wolle die Ausgaben für die Verteidigung deutlich erhöhen. Doch die Latte liegt hoch.

Angesichts neuer Bedrohungen will die Bundesregierung die deutschen Militärausgaben weiter erhöhen. Bei einem Festakt zum 60. Jahrestag des Eintritts Deutschlands in die Nato bekannte sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zum Ziel des Bündnisses, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Verteidigung auszugeben. "Diesem Anspruch stellen wir uns", sagte sie. "Sicherheit braucht Investitionen."

Derzeit gibt Deutschland 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte seine Bereitschaft zu höheren Verteidigungsausgaben. "Von uns Europäern wird mehr erwartet", sagte er. Allerdings seien die Mittel in Zeiten der Haushaltskonsolidierung begrenzt.

Bis 2019 sollen die Verteidigungsausgaben zwar von 33 auf 35 Milliarden Euro im Jahr erhöht werden. Von den zwei Prozent bleibt Deutschland damit aber weit entfernt. Legt man das BIP des vergangenen Jahres zugrunde, müsste Deutschland 58 Milliarden Euro ausgeben, um das Nato-Ziel zu erreichen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg begründet die Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen mit dem Verhalten Russlands in der Ukraine-Krise und der Bedrohung durch die Terrororganisation Islamischer Staat. [...]

In diesem Jahr erreichen nur 5 der 28 Nato-Staaten das Zwei-Prozent-Ziel: die USA, Großbritannien, Griechenland, Polen und Estland. Steinmeier und von der Leyen betonten, dass es nicht nur um die Erhöhung der Verteidigungsausgaben gehen dürfe, sondern auch Effizienz gefragt sei. [...]
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.n-tv.de/politik/Deutschland-will-Militaerausgaben-erhoehen-article15407846.html">http://www.n-tv.de/politik/Deutschland- ... 07846.html</a><!-- m -->

Schneemann.


Re: Deutscher Verteidigungshaushalt - Mondgesicht - 30.06.2015

Ich hielte jedes Jahr eine Steigerung von 0,05% des BIP für möglich. Also 2017 dann 1,25%, 2018 1,3% usw...
Sollten existierende Bedrohungen stärker werden, muss allerdings früher mehr Geld kommen.


Re: Deutscher Verteidigungshaushalt - WideMasta - 19.08.2015

Berlin To Spend Billions of Euros Upgrading Military Hardware

<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.defensenews.com/story/defense/2015/08/07/berlin-spend-billions-euros-upgrading-military-hardware/31302981/">http://www.defensenews.com/story/defens ... /31302981/</a><!-- m -->


Re: Deutscher Verteidigungshaushalt - Nightwatch - 19.08.2015

Die Zahlen sind grob irreführend. Nur ein winziger Bruchteil dieser Mittel fließt tatsächlich ins Material.

Zitat:Welt: Die Bundesregierung will bis 2019 acht Milliarden Euro mehr für Verteidigung ausgeben. Reicht das, wenn allein das Heer nach Auskunft seines Inspekteurs bis 2025 rund 20 Milliarden Euro an Investitionen benötigt?

Wolfgang Hellmich (Vorsitzender des Verteidigungsauschusses): Von dem beschlossenen Zuwachs bleiben für die verteidigungsinvestiven Ausgaben – also Gelder für Materialbeschaffung – gerade einmal 300 Millionen Euro übrig. Der überwiegende Teil wird in die steigenden Personalkosten fließen. Selbst wenn der Heeresinspekteur eine vielleicht etwas zu hohe Hausnummer benannt hat, bleibt festzustellen: Wir werden zweifellos mehr Geld benötigen.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article145299294/Soldaten-die-Wahrheit-ueber-die-Maengel-sagen.html#">http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... agen.html#</a><!-- m -->


Re: Deutscher Verteidigungshaushalt - ObiBiber - 19.08.2015

vom Verständnis her würde ich diese Blöcke als unabhängig voneinander sehen.
die oben genannten 6 Mrd € sollen wohl zusätzlich für Materialerhalt und die Beschaffung von Ersatzteilen und die Qualifizierung von Wartungspersonal verwendet werden.
Dies soll die Einsatzbereitschaft vor allem bei der fliegenden Ausrüstung (NH90, Tiger, Eurofighter, SeaLynx,...) steigern

die 8 Mrd der zweiten Quelle sind schon seit Monaten bekannt und sollen wohl zu 90% für Gehaltssteigerung, Attraktivitätsoffensive und Infrastrukturmaßnahmen verwendet werden... hiervon stehen wiederum 300 Mio für sonstiges zur Verfügung.

generell müssten in den nächsten 5 Jahren aber ein Investitionsstau aus den letzten 20 Jahren aufgeholt werden... wozu wohl eher 20-30 Mrd € nur für neues/zusätzliches Material, oder Materialerhalt nötig wären


Re: Deutscher Verteidigungshaushalt - WideMasta - 19.08.2015

ObiBiber schrieb:vom Verständnis her würde ich diese Blöcke als unabhängig voneinander sehen.
die oben genannten 6 Mrd € sollen wohl zusätzlich für Materialerhalt und die Beschaffung von Ersatzteilen und die Qualifizierung von Wartungspersonal verwendet werden.
Dies soll die Einsatzbereitschaft vor allem bei der fliegenden Ausrüstung (NH90, Tiger, Eurofighter, SeaLynx,...) steigern

die 8 Mrd der zweiten Quelle sind schon seit Monaten bekannt und sollen wohl zu 90% für Gehaltssteigerung, Attraktivitätsoffensive und Infrastrukturmaßnahmen verwendet werden... hiervon stehen wiederum 300 Mio für sonstiges zur Verfügung.

generell müssten in den nächsten 5 Jahren aber ein Investitionsstau aus den letzten 20 Jahren aufgeholt werden... wozu wohl eher 20-30 Mrd € nur für neues/zusätzliches Material, oder Materialerhalt nötig wären

Genau so ist es! Das ist nur für das Flugmaterial. Die Klarstände und Ausrüstungsmängel sollen damit behoben werden.


Re: Deutscher Verteidigungshaushalt - Nightwatch - 20.08.2015

Das sind aber keine zusätzlichen Mittel. Der Verteidigungshaushalt steigt bis 2019 von 33 auf 35 Milliarden Euro. Das sind unterm Strich bis dahin 8 Milliarden mehr.

Die 6 Milliarden für Material können nur durch Umschichtungen im Haushalt entstehen, wobei ich davon ausgehe das es sich da einfach um den - bestenfalls leicht erhöhten - Gesamtbetrag handelt, der eh investiert wird und nicht um zusätzliche Mittel nochmal obendrauf.
So oder so sollte klar sein, selbst 6 Milliarden Netto mehr fürs Material würde den Verfall der Truppe nur verlangsamen und nicht aufhalten, geschweige denn umkehren.
Da Finazierungslücke beträgt Teilstreitkräfteübergreifend Minimum das Fünffache.


Re: Deutscher Verteidigungshaushalt - Mondgesicht - 25.08.2015

Nightwatch schrieb:Das sind aber keine zusätzlichen Mittel. Der Verteidigungshaushalt steigt bis 2019 von 33 auf 35 Milliarden Euro. Das sind unterm Strich bis dahin 8 Milliarden mehr.
...
Wobei ich auch hier ergänzen möchte, dass man nur nicht möchte, dass der prozentuale Anteil der Verteidigungsausgaben am BIP noch weiter sinkt. :wink:

Noch weniger als 1,3% möchte man wohl nicht, deswegen musste wohl oder übel um 2Mrd€ erhöht werden.


Re: Deutscher Verteidigungshaushalt - ObiBiber - 03.09.2015

<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw37_ak_verteidigung/385926">http://www.bundestag.de/dokumente/texta ... ung/385926</a><!-- m -->

Zitat:Deutschlands Wehretat soll im kommenden Jahr mit 34,37 Milliarden Euro um 1,39 Milliarden Euro höher ausfallen als im laufenden Jahr. Dies sieht der Entwurf der Bundesregierung für den Verteidigungshaushalt 2016 (18/5500, Einzelplan 14) vor, über den der Bundestag am Mittwoch, 9. September 2015, in erster Lesung ab 14.45 Uhr beraten wird. Mehr als ein Drittel der Mehrausgaben sollen nach den Planungen von Ministerin Dr. Ursula von der Leyen (CDU) in die Beschaffung neuer Waffensysteme und militärischer Ausrüstung fließen.
Die Sitzung wird live im Parlamentsfernsehen, Im Internet und auf mobilen Endgeräten übertragen.
Beschaffung neuer Technik
Im kommenden Jahr sollen hierfür 4,68 Milliarden Euro bereitgestellt werden, 594 Millionen Euro mehr als 2015. Zu den größten Ausgabenposten bei den Beschaffungen zählen das Kampfflugzeug Eurofighter, das Transportflugzeug Airbus A400M, der Unterstützungshubschrauber Tiger, der Hubschrauber NH90 und die Fregatte 125.
Insgesamt sollen den Streitkräften für Beschaffungen und den Erhalt von Material sowie von Anlagen 10,13 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Der Anstieg bei den Beschaffungskosten ist unter anderem der verspäteten Zulieferung von Material und Ausrüstung in den vergangenen Jahren geschuldet.

LOL... die 600 Mio mehr für Beschaffung gehen komplett für die ins straucheln geratenen Rüstungsvorhaben Eurofighter, NH90, Tiger, A400M drauf...und sind eigentlich Ausgaben die in den letzten Jahren nicht realisiert wurden...und somit Geld dass wieder zurück an den Finanzminister geflossen ist...
von neuen Investitionen oder Beschaffungen die dringend nötig wären ist hier keine Rede mehr und bleibt wohl auch nix mehr übrig...
der Materialerhalt erhöht sich auch nur um 100 Mio und geht komplett für die Mehrkosten der "neuen" fliegenden Geräte drauf...
nix da mit höherer Einsatzbereitschaft und Verfügbarkeit...
wo sind hier zusätzliche Boxer, Puma, Leopard abgebildet???
um bis 2020 alles einigermaßen wieder in Schuss zu bekommen sind mindestens 5 Mrd € po Jahr zusätzlich an Investitionen in Beschaffung und Materialerhalt nötig!!!


Wehretat bei 2% des BIP - Pooly - 17.11.2016

Hallo,

wuerde mal gerne eure Meinugn lesen, wo das Geld eingesetzt werden sollte, wenn Deutschland tatsaechlich 2% seines BIP in den Wehretat stecken wuerde, wie von der NATO gefordert.

Momentan liegt der Wehretat bei ca. 34Mrd Euro, mit dem Ziel 2% des BIP wuerde er auf ca. 58Mrd Euro steigen, also mehr als 20Mrd Euro mehr.

Wie wuerde eurer Meinung nach eine Armee aussehen, die diese Summe zur Verfuegung haette?
Mehr Soldaten? Wenn ja, in welchen Bereichen?
Mehr Waffen, modernere Waffen? Neue Panzer, Flugzeuge, Schiffe?
Starke Cybertruppe oder doch eher konventionell?
Wie sieht es im Weltraum aus?
usw. usf. ...

Meiner Meinung nach sollte die Personaldecke gar nicht so extrem aufgestockt werden, es waere viel mehr erforderlich, dass die BW viel schlagkraeftiger wird. Dazu gehoert fuer mich die Ausstattung mit den modernsten Mitteln aber auch, dass es moeglich ist, mehr als ein paar tausend Soldate gleichzeitig im Einsatz zu halten.
Vielleicht waere eine Aufstellung einer Nationalgarde nach amerikanischem Vorbild hilfreich, um neben der schlagkraefitgen, kleinen Armee trotzdem noch etwas mehr Breite zu haben.

Hier geht es um ein idealisiertes Szenario, nicht um ein politisch machbares.

Ich danke schon im Voraus fuer eure Ideen.

Gruesse,
Pooly


RE: Wehretat bei 2% des BIP - Sapere Aude - 17.11.2016

Eine Luftwaffe, die zumindest mal den Kernaspekt von CAS, CAP, SEAD und Abfangen erfüllen könnte. Das Alarmrötchen, was man momentan in den Himmel bekommt ist sicher nicht genug.

Ein Heer das weitgehenst ausgetstattet ist und es wäre schön, wenn man zumindest mal eine Brigade geschlossen stellen könnte. Angefangen von Gebirgsjägern bis hin zur Panzertruppen. Durchhaltefähigkeit sicherstellen. Genug Wartung/Ersatzteile. Sinnvolle und ausreichend Ausrüstung. Angefangen bei Uniform, Westen, Feuerwaffen mit dem nötigen Zeugs dran, HMGs, GMGs, Mörser und Artillerie. Bis hin zur Panzertruppe, die sowohl alleine als auch im Verbund genutzt werden können sollte. Genug Ari, mobile FlaRak wie ehemals Roland und Gepard. Leo 2 aufrüstunden und vorallem weiterentwickeln, um Lücken zu schließen bis irgendwann mal was neues kommt. Motorisierte Fähigkeitslücke schließen. Helikopter, von Transport bis hin zu Kampfhelikoptern. Panzerabwehrfähigkeiten auf mobilen Platformen. Evtl. ein Boxer mit Panzerabwehrfähigkeiten (Spike?). Mobile Mörserplattformen. usw usw usw.
Sind ja alles keine Sachen, die man mit einer Fahrzeugplattform nicht lösen könnte. Es muss auch nicht immer das modernste vom Modernen sein. Lieber mal nicht das Rad neu erfinden und relativ kostengünstig eine Fähigkeitslücke schließen. Damit im Falle des Falles zumindest etwas da ist mit dem man arbeiten kann und man nicht bei Null wieder anfangen muss zu entwickeln/beschaffen.
Vorallem im Bereich der Luftabwehr sehe ich enorme Defizite beim Heer. Der Luftwaffe traue ich bei jetziger Ausstattung nicht zu, Bodentruppen ausreichend schützen und unterstützen zu können, wobei auch andere Luftwaffen Probleme in dieser Hinsicht haben, wenn die Dichte von Luftwabwehr groß genug ist auf der anderen Seite.
Ich hoffe ja nicht, dass jemals so ein Einsatz ansteht, aber sollten vorallem unsere "motorisierten", mechanisierten und gepanzerten Einheiten einem Gegner mit Luftwaffe gegenüberstehen und bodengestütze Luftabwehr nötig sein beim Vordringen in unbesetztes Gebiet, da die Luftüberlegenheit nicht sichergestellt ist. Na dann gute Nacht. Gilt auch für feindliche Raketen usw. Die Fähigkeiten irgendwas aus der Luft zu holen sind nahezu nicht existent.

Niemand weis wie es in 10 Jahren aussieht. Es kann durch aus möglich sein, dass Europa mal ohne die Amerikaner in einen Einsatz muss. Welcher Art auch immer. Und zumindest europäisch sollte man fähig sein autonom zu agieren. Und dazu braucht es eben gerade eine Bundeswehr die das kann. Mit der größten Mitsprache in Europa gehen auch Pflichten einher. Gerade da sehe ich Deutschland in der Pflicht. Denn das wird immer wieder gerne vergessen bei uns.

Zu Sache Marine überlasse ich lieber anderen das Wort.


RE: Wehretat bei 2% des BIP - Helios - 17.11.2016

Das ist eine sehr interessante Fragestellung, bei der jede Antwort auch viel über die Person hinter der Antwort aussagt. Wink

Ich für meinen Teil sehe vor allem drei große Bereiche, die durch mehr Finanzmittel deutlich anders gestaltet werden könnten. Zum einen ist das der Beschaffungsbereich, bei dem eine bessere Vorratshaltung von Ersatz- und Verbrauchsgütern inklusive Munition erfolgen könnte. Zudem könnte gerade bei Großprojekten weniger Wert auf "Design to Cost" und stattdessen größere Aufmerksamkeit den tatsächlichen Fähigkeiten gewidmet werden. Zum anderen ist das für mich der Bereich der Entwicklung und Forschung. Durchaus interessante Projekte zur Vereinheitlichung und Erweiterung der Fähigkeiten mussten aus Kostengründen in oder nach der Entwicklung gestoppt werden, bspw. MONARC oder Polyphem. Der dritte Bereich wäre für mich eine deutliche Ausweitung der Aufklärungsmittel zu Land, See, Luft und Weltraum. Hier ist es vor allem der hohe Investitionsaufwand, der momentan die Grenzen setzt.

Allerdings halte ich es für realistischer, dass es auf eine Ausweitung des internationalen Engagements hinaus läuft gerade um der Verantwortung innerhalb der NATO gerecht zu werden. Und damit würde vor allem ein Anwachsen unter den bisherigen Rahmenbedingungen einher gehen, was primär eine Aufstockung von Personal und Material bedeutet, ohne große grundsätzliche Änderungen umzusetzen. Die würden erst im Laufe der Zeit als zweiter Schritt kommen.


RE: Wehretat bei 2% des BIP - Leuco - 19.11.2016

Hallo Zusammen,

angesichts der immer unsicherer wirkenden Welt habe ich mich in den letzten Wochen mit dem Thema Verteidigung beschäftigt. Ich bin jedoch ein Laie - dies vorweg.

Unabhängig davon ob es zu einer so massiven Etaterhöhung kommt, stelle ich das Prinzip "Breite vor Tiefe" in Frage. Alles ein bisserl kônnen, aber nichts richtig kann aus meiner Sicht nicht der richtige Weg sein.

Die Ausrichtung sollte klar auf der Landes und EU Verteidigung liegen. Stabilisierungs Missionen sollten aber weiter eine Nebenaufgabe darstellen.

Ich würde die Truppenstärke nicht bzw. nur wenig erhöhen und überlegen auf welche Fähigkeiten ggf. verzichtet bzw. mit Partnern gemeinsam gelöst werden kann. Mit dem zusätzlichen Etat sollten die Holen Struckturen gefüllt werden. Es müssen z.B. ausreichend Ersatzteile und Munition vorhanden sein. Auch die persönliche Ausrüstung der Soldaten und deren Kleingerätschaften sind eine Selbstverständlichkeit. Die Aufklärung sollte in allen Teilstreitkräften eine große Rolle einnhemen. Zudem sollte eine schlagkräftige Cyber Einheit aufgebaut werden. Nun zum Großgerät...

Marine

Hier würde ich den Fokus auf die Uboote richten, da diese für Verteidigungszwecke besonders geeignet sind und wir hier in D auch über die Technologie verfügen. Die Überwassereinheiten würden bei mir etwas in den Hintergrund rücken. Auf eine Anschaffung zur Verlegemöglichkeit würde ich weiter verzichten.


Luftwaffe

Den Schwerpunkt würde ich hier in die bodengestützte Flugabwehr legen und die Zahl der Luftüberlegenheitsjäger nicht erhöhen oder ggf. senken. Da ohne eine funktionierende Logistik wenig geht, würde ich die Zahl der zu beschaffenden Helis (NH90, CH53k) erhöhen. Als Tornado Nachfolge würde ich auf ein günstiges am Markt verfügbares Modell setzen, wenn möglich schon unbemannt.


Heer

Für das Heer spielt die schnelle Verlegung eine entscheidende Rolle. Investieren würde ich hier in Versionen des GTK Boxers. Mit der Anschaffung von Radkampf- und Radschützen Panzer, sowie Flak und Haubitze welche sich praktisch selbst verlegen können, würde man einen großen Schritt nach vorne machen. Zudem würde ich die Zahl der Kampfhubschrauber erhöhen.

Überblick der Schwerpunkte:

- Uboote
- Flugabwehr
- Transport Helis
- Kampfhubschrauber
- Radpanzer
- Aufklärung
- Cyber

Ich bin gespannt auf weitere Meinungen.

Grüße Leuco


RE: Wehretat bei 2% des BIP - Helios - 23.11.2016

(19.11.2016, 23:14)Leuco schrieb: Die Ausrichtung sollte klar auf der Landes und EU Verteidigung liegen. Stabilisierungs Missionen sollten aber weiter eine Nebenaufgabe darstellen.

Hallo und Herzlich Willkommen im Forum. Das große Problem bei deinen Vorschlägen ist in meinen Augen, dass es neben den nationalen Verpflichtungen eben auch Bündnisvorgaben gibt, die eingehalten werden müssen. Zudem ist Landes-/Bündnisverteidigung ein weit gefasstes Feld. Gehört etwa der Schutz der strategischen Seeverbindungen (der wohl älteste Auftrag der militärischen Seefahrt) nicht auch dazu? Wo liegen genau die Grenzen dessen?

Deine allgemeinen Punkte sehe ich ähnlich, wie ich zuvor ja bereits ausgeführt habe und daher nicht noch einmal wiederhole.

Zitat:Marine

Hier würde ich den Fokus auf die Uboote richten, da diese für Verteidigungszwecke besonders geeignet sind und wir hier in D auch über die Technologie verfügen. Die Überwassereinheiten würden bei mir etwas in den Hintergrund rücken. Auf eine Anschaffung zur Verlegemöglichkeit würde ich weiter verzichten.

Ich stimme dir zu, dass etwa die Marinekomponente zur strategischen Verlegung von Truppen idealerweise als multinationales Projekt unter Führung einer anderen Nation (mit größerem Marineerbe, wenn man so will) aufgebaut werden sollte. Und ich bin grundsätzlich ebenso dafür, eine stärkere U-Boot-Komponente aufzubauen, unter Umständen auch als multinationales Projekt unter deutscher Führung mit entsprechenden Partnern. Allerdings sehe ich weder eine Möglichkeit noch einen Sinn darin, die bestehenden Überwasserfähigkeiten in den Hintergrund treten zu lassen. Wir brauchen auch Überwassereinheiten für den Küsten- und Bündnisschutz genauso wie für weltweite Operationen zum Zwecke der Verteidigung und Sicherung von Werten. Das schafft man nur mit einer Mischung aus modernen Einheiten verschiedener Größenordnungen, und hier wäre ein Anstieg des Wehretats sicher gut investiertes Geld.

Zitat:Luftwaffe

Den Schwerpunkt würde ich hier in die bodengestützte Flugabwehr legen und die Zahl der Luftüberlegenheitsjäger nicht erhöhen oder ggf. senken. Da ohne eine funktionierende Logistik wenig geht, würde ich die Zahl der zu beschaffenden Helis (NH90, CH53k) erhöhen. Als Tornado Nachfolge würde ich auf ein günstiges am Markt verfügbares Modell setzen, wenn möglich schon unbemannt.

Es gibt am Markt kein unbemanntes System, das den Tornado adäquat ersetzen könnte. Und alles was in diesem Segment entwickelt wird, ist weder kostengünstig als solches, noch als komplett autonome Einheit geplant, sondern geht in den Bereich der vernetzten Kriegsführung. Du kannst dir mal den Strang zum Tornado-Ersatz anschauen, da siehst du in welchen Dimensionen hier gedacht wird. Jetzt irgendetwas kostengünstiges zu beschaffen ist jedenfalls unnötig, weil die tatsächliche Verbesserung gering ausfällt, während die Möglichkeiten des Systems Tornado noch auf Jahre gegeben sind.
Die weiteren fliegenden Einheiten, speziell die Jagdflugzeuge, weiter zu reduzieren wäre ebenso ein fataler Schritt. Nicht nur, dass Deutschland aufgrund seiner Ausstattung auch im Bündnisschutz aktiv ist (man denke etwa an die doch sehr überschaubaren QRAs im Baltikum und deren Einfluss auf die Strukturen bei uns), auch für die Landesverteidigung ist ein fliegendes System in ausreichender Stückzahl zwingend notwendig. Wenn das Geld zur Verfügung steht, wäre nach einem Ausbau der Wartungsinfrastruktur (inkl. Ersatzteilbeschaffung) eine Aufwertung bestehender Muster und eine Ausweitung der Beschaffung dringend angeraten. Der Eurofighter bietet soviel Potenzial, das mit höheren Mitteln deutlich besser genutzt werden könnte.

Zitat:Heer

Für das Heer spielt die schnelle Verlegung eine entscheidende Rolle. Investieren würde ich hier in Versionen des GTK Boxers. Mit der Anschaffung von Radkampf- und Radschützen Panzer, sowie Flak und Haubitze welche sich praktisch selbst verlegen können, würde man einen großen Schritt nach vorne machen. Zudem würde ich die Zahl der Kampfhubschrauber erhöhen.

Das wäre dann aber genau das Gegenteil von Landes- und Bündnisverteidigung auf heimatlichem Boden. Ich stimme dir zu, dass ein Ausbau der Strukturen zur schnellen Verlegung und vor allem eine Beschaffung der passenden Ausrüstung dringend notwendig ist. Gleichzeitig sollte aber die Konzentration nicht allein darauf liegen. Es geht eben, wie in den Punkten zuvor auch um den richtigen Mix.

Tiefe statt Breite ist zwar grundsätzlich richtig, aber eindimensional darf die Ausrichtung auch nicht werden. Denn ansonsten rennt die Bundeswehr immer wieder in ähnliche Probleme, mit den bekannten Folgen bei der notwendigen Nachbeschaffung.


RE: Wehretat bei 2% des BIP - Leuco - 26.11.2016

Hallo Helios,

danke für deine Analyse meines Beitrags. Darüber dass Breite vor Tiefe kein guter Ansatz ist scheint wohl unstrittig zu sein. Es wird viel darüber geschrieben in welche Bereiche investiert werden müsste. Über die Bereiche welche man ggf. vernachlässigen könnte, habe ich jedoch noch nicht viel gehört.

Gibt es hierzu Meinungen eurerseits? Welche Bereiche könnten aufgegeben, verschlankt oder mit Partnern bewältigt werden um die Finanzmittel in anderen Bereichen sinnvoller einzusetzen?

Eine Spezialisierung ermöglicht wesentlich geringere Stückkosten und die zu definierenden Schwerpunkte könnten Kostenefizient ausgebaut werden. Mir ist aber auch bewusst dass es immer um das zusammenwirken aller Einheiten geht.

Grüße Leuco