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(13.11.2022, 10:54)Schneemann schrieb: Verstehe ich das nun richtig, dass alleine nur zur Be- oder Neuauffüllung der Munitionsbestände 20 Milliarden Euro notwendig wären?
Oder bezieht sich dies nun auch auf die Beschaffung von z. B. Raketen für ein mögliches Raketenabwehrsystem etc.? Diese Summe erscheint mir irgendwie sehr hoch bzw. zu hoch gegriffen, wenn ich bedenke, dass etwa die PAC-2 für ca. 2 Millionen Euro, die IRIS-T für 400.000 Euro zu haben wäre und das gesamte PAC-3-Programm inkl. Entwicklung vermutlich an die 10 Milliarden Dollar gekostet hat. Ähnlich bei der Geschützmunition - die 155 mm-Standardmunition kostet gerade mal 600 Euro, selbst die DM-121 (155 mm) liegt bei etwa 3.000 Euro je Stück (grob also 1 Mrd. Euro für fiktive 300.000 Granaten). Oder plant man die massenhafte Anschaffung von Excalibur-Munition?
Schneemann
Die Nato will einen 30 Tage Vorrat. 300.000 Granaten sind dann 10.000 Granaten pro Tag. Bei 12 Geschützen pro Batterie, 3 Batterien / Battalion und 4 Battalione im Einsatz kommen wir 69 Granaten pro Tag. Das erscheint mir sehr wenig.
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Verstehe, aber dennoch wäre die Frage, wieviel denn dann eingelagert werden soll? Und warum es jetzt nicht mehr ausreicht? Ich habe (nur auf die Schnelle) gegoogelt und dabei fand ich dies:
Zitat:Munitionsreserven der Bundeswehr offenbar ausreichend [...]
Die Bundesregierung erklärte dazu am 7. Februar [2020, Anm. von mir]: „Die Berechnung nach ,Kampftagen‘ und das Anlegen eines, wie durch Ministerpräsident Dr. Söder geforderten 30-Tage-Vorrates wird bei der Berechnung von Bevorratungshöhen grundsätzlich nicht mehr angewandt.“ Die Berechnung der Bevorratungshöhe erfolge auf Ebene der Streitkräfte und im Wesentlichen nach NATO-Standards, so die Regierung weiter. Für jedes Waffensystem sei dabei eine generisch festgelegte Bevorratungshöhe ermittelt worden – zusätzlich der Munitionsmengen für Dauereinsatzaufgaben, Ausbildung und Übungen, Einsätze, Missionen und einsatzgleiche Verpflichtungen. [...]
Bevorratungsbedarfe Munition bis 2023 „im Wesentlichen“ sichergestellt
Die Bundesregierung machte in ihrer Antwort auch darauf aufmerksam, dass neben den waffensystembezogenen Vorgaben auch die Vorgaben zum stufenweisen Aufwuchs des Fähigkeitsprofils der Bundeswehr (ein Aufwuchs, der mit Zwischenzielen in den Jahren 2023 und 2027 schließlich im Jahr 2031 im Wesentlichen abgeschlossen sein soll) und die im Rahmen des NATO Defense Planning Process (NDDP) durch Deutschland akzeptierten Planungsziele zu berücksichtigen seien. Die sich daraus ergebenden Bevorratungsbedarfe Munition für den Zeitraum bis 2023 seien im Wesentlichen sichergestellt und der weitere Aufwuchs der erforderlichen Bevorratungshöhen bis 2031 planerisch festgehalten.
https://www.bundeswehr-journal.de/2020/m...sreichend/
Ich kann nicht sicher sagen, ob das alles so korrekt ist, aber wenn 2020 alles anscheinend bis 2023 in weitgehend bester Ordnung gewesen sein soll, so wirft das für mich die Frage auf, wie es sein kann, dass nun eine 20-Milliarden-Euro-Lücke beim Bedarf besteht? Das ganze Material wird ja nicht alles an die Ukraine geliefert worden sein. Und alleine - nun nur als Bsp. gerechnet - 5 Mrd. Euro entsprächen grob rund 1,5 Mio. Granaten 155 mm (je nach Modell). Also das verschwindet doch nicht über Nacht.
Schneemann
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Vielleicht wird die Bevorratung gemessen am LOA. Das war 2020 faktisch deutlich geringer als zukünftig geplant.
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Ich kann beitragen: Der Marine fehlen jede Menge teure FKs im Depot, seit Jahrzehnten. Was hätte die Luftwaffe denn gerne?
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Es fehlen Munition und Wirkmittel für Schützenwaffen. Klingt banal, ist es aber nicht.
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Neue Aussage von Fr. Lambrecht zum 2%-Ziel der NATO und der Lieferfähigkeit der deutschen Industrie:
"In der anschließend vom Präsidenten der BAKS, Botschafter Ekkehard Brose, moderierten Diskussion verwies Lambrecht darauf, dass die Realisierung des Zwei-Prozent-Zieles der NATO unter anderem auch deshalb erschwert würde, weil die wehrtechnische Industrie hierzulande nicht genügend liefern könne. Auf die Nachfrage zu diesem Aspekt durch den britischen Verteidigungsattaché erwiderte die Ministerin, dass es ihr fernliege, Industrie-Bashing zu betreiben." (Link: https://esut.de/2022/11/meldungen/38167/...-der-baks/)
Schwierige Aussage, wenn man überlegt, dass dieses Jahr außer den Einsatzbooten des KSM und den 600 RAM-Lfk quasi nichts bestellt wurde ...
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(24.11.2022, 11:23)iRUMO schrieb: Schwierige Aussage, wenn man überlegt, dass dieses Jahr außer den Einsatzbooten des KSM und den 600 RAM-Lfk quasi nichts bestellt wurde ...
Ja, da bin ich voll dabei. Ich habe eher den Eindruck, dass deutlich weniger als die Jahre davor tatsächlich bestellt wurde. Ich glaube noch ein bisschen Munition. War der größte Teil nicht die persönliche Ausrüstung?
Vor allem sollte man das auch vor dem Hintergrund betrachten, dass das erste Jahr, d.h. 25% der aktuellen Legislaturperiode schon vorbei sind. Vom dem Sondervermögen mal ganz zu schweigen.
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(24.11.2022, 11:23)iRUMO schrieb: Schwierige Aussage, wenn man überlegt, dass dieses Jahr außer den Einsatzbooten des KSM und den 600 RAM-Lfk quasi nichts bestellt wurde ... Dass dem Parlament durch die Bundeswehr nur endverhandelte Verträge vorgelegt werden ist aber bekannt?
D.h. wenn sich die Vertragsverhandlung "hin zieht" weil bspw. die Industrie nicht lieferfähig oder anderweitig nicht "bereit" ist, dann kann da auch nichts verabschiedet und damit hinterher unterzeichnet werden.
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In der zweiten Dezemberwoche steht ein ordentlicher Batzen an Bestellungen im Parlament an, unter anderem der G36 Nachfolger (siehe Wiegold auf Twitter).
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Könntest du das bitte vernetzten? Insbesondere alles zum G36 Nachfolger interessiert mich und sicher viele andere auch brennend.
Hab aktuell nur das dazu:
https://twitter.com/Bjoern__M/status/159...7162730497
Wie soll das übrigens gehen, wenn der ganze Patentstreit eigentlich immer noch nicht gelöst ist? Den Haenel klagt ja gerade eben zur Zeit gegen das Patent an sich. Wenn dieses aberkannt wird, kann Haenel auch keine Patentverletzung begangen haben usw
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Da gibt's nicht viel Infos zu verlinken: @thomas_wiegold (Nitter-Link)
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Danke. Das ist zudem die gleiche Infor die ich auch schon hatte. Wiegold hat die also nur weiter vernetzt.
Kann schon sein dass die Bundeswehr weitere HK416 kauft, sind dort ja in abweichender Version bereits eingeführt. Entsprechend geht das eventuell eher um den Bedarf für Sondereinheiten, Feldjäger usw. als um einen G36 Nachfolger bei diesem (Nach?)kauf.
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Aber war das Verfahren nicht eigentlich so weit durch, dass die Beschaffung jetzt getätigt werden darf? Hatte das zuletzt so verstanden.
Natürlich kann der offene Patentstreit im Nachhinein dann wieder dazu führen, dass das nachträglich gekippt wird, aber Andi Scheuer wusste auch vorher, dass ihm die Maut um die Ohren fliegen wird. Und wenn jetzt das BMVg die Sache endlich vom Tisch haben will, kann ich mir gut vorstellen, dass man das Risiko ignoriert, solange man dabei trotzdem nach Vorschrift handelt.
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Es handelt sich zwar um keinen Verteidigungshaushalt, aber es ist ein interessanter, durchaus realistischer Fingerzeig. Zugleich ist es aber auch ein Eingeständnis dahingehend, wie unterfinanziert und zerspart die Regierungsparteien die Truppe bislang und über Jahrzehnte hinweg gelassen hatten.
Und es ist auch interessant, dass dieser Vorschlag von der SPD kommt (und von den Grünen unterstützt wird) und nicht von der Unions-Opposition, die ja gerne in Anspruch nimmt, in wehrtechnischen Themen besser aufgestellt und befähigter zu sein - aber vermutlich wollte man dies bewusst nicht sagen, um dem politischen Gegner keine Vorlagen zu geben, weil man ja genau weiß, wie man selbst die Truppe früher geschröpft hatte und dass man für die Misere mit verantwortlich zeichnet. Bei der AfD will man davon wohl nichts wissen, wohl weil man ja mit Russland eher liebäugelt, und die FDP gibt sich lieber haushälterisch-knausrig...
Zitat:Verteidigung
Högl: 100-Milliarden-Topf für Truppe verdreifachen
Berlin (dpa) - Angesichts des unerbittlichen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hält die die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl, das Sondervermögen für die Bundeswehr von 100 Milliarden für zu gering. "Wir erheben keine eigenen Zahlen, aber von Expertinnen und Experten sowie aus der Truppe höre ich: Man bräuchte 300 Milliarden Euro, um in der Bundeswehr signifikant etwas zu verändern. Das scheint mir nicht aus der Luft gegriffen zu sein", sagte die SPD-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". [...]
"Neue Fregatten, Panzer oder F-35-Kampfflugzeuge kosten ebenfalls Milliarden, und da haben wir noch nicht über Personalkosten, die energetische Gebäudesanierung, die notwendigen 50 Milliarden Euro Investitionen in Infrastruktur und auch nicht über die Inflation gesprochen." Weiter sagte Högl, die weitere Unterstützung der Ukraine mit Waffen und Munition gehe "nicht ohne neue Fertigungskapazitäten". Ähnlich äußerte sich Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. [...]
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell pflichtete bei: "Unsere Mitgliedstaaten müssen mehr ausgeben, aber das auch besser machen. Und wir müssen es zusammen tun." [...] Sara Nanni, die Obfrau der Grünen im Verteidigungsausschuss, sagte der "FAS", wer Frieden wolle, müsse auch in Sicherheit investieren. "In den nächsten Jahren müssen wir die Produktion hochfahren."
https://www.sueddeutsche.de/politik/vert...-99-216927
Schneemann
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(15.01.2023, 11:40)Schneemann schrieb: Es handelt sich zwar um keinen Verteidigungshaushalt, aber es ist ein interessanter, durchaus realistischer Fingerzeig. Zugleich ist es aber auch ein Eingeständnis dahingehend, wie unterfinanziert und zerspart die Regierungsparteien die Truppe bislang und über Jahrzehnte hinweg gelassen hatten.
Und es ist auch interessant, dass dieser Vorschlag von der SPD kommt (und von den Grünen unterstützt wird) und nicht von der Unions-Opposition, die ja gerne in Anspruch nimmt, in wehrtechnischen Themen besser aufgestellt und befähigter zu sein - aber vermutlich wollte man dies bewusst nicht sagen, um dem politischen Gegner keine Vorlagen zu geben, weil man ja genau weiß, wie man selbst die Truppe früher geschröpft hatte und dass man für die Misere mit verantwortlich zeichnet. Bei der AfD will man davon wohl nichts wissen, wohl weil man ja mit Russland eher liebäugelt, und die FDP gibt sich lieber haushälterisch-knausrig...
https://www.sueddeutsche.de/politik/vert...-99-216927
Schneemann
Ich denke Högl will sich damit medial in Stellung bringen. Sollte es wirklich so kommen wäre es natürlich nochmal ein ordentlicher Boost für die Bundeswehr. Was ich allerdings vermisse ist der personelle Aufwuchs. Bis 370.000 hätten wir ja nach dem 2+4 Vertrag noch Spielraum.
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