Somaliland
#1
Völkerrecht wird komplizierter - es gibt wohl bald ein neues Völkerrechtssubjekt; die Region "Somaliland" am Horn von Afrika, die defacto schon längst unabhängig von Somalia regiert wird (und dabei relativ stabil ist), wurde vor einigen Tagen von einem ersten Staat - von Israel und damit einer dominanten Macht im Nahen Osten - anerkannt.

Deshalb ein eigener Strang. Wir haben ja auch für "Palästina" einen Strang, obwohl Somaliland faktisch unabhängiger ist als das - von viel mehr Staaten anerkannte - Palästina:
[Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c...liland.png]
(Karte: Wikipedia)

Was ist die Republik Somaliland?
Zitat:Ein Staat, der mit der Waffe geboren wurde
Somaliland ist seit 1991 ein eigener Staat. Der Norden Somalias wehrte sich einst erfolgreich gegen seine Vernichtung und will seine Freiheit wahren.
...

Solidarität mit Somaliland schreibt die "Jüdische Allgemeine"
Zitat:Israel erkennt Somaliland an. Die Nation mit rund sechs Millionen Einwohnern am Horn von Afrika, gegenüber dem Jemen gelegen, ist bereits seit 1991 de facto unabhängig. Nahezu ohne ausländische Hilfe oder Einflussnahme hat das Land ein friedliches Modell von einer muslimischen Demokratie aufgebaut.
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und der Standard (Österreich) kommentiert
Zitat:Anerkennung von Somaliland: Ein Coup für Netanjahu, ein Problem für Trump
Israel erkennt Somaliland an und hofft dadurch, die Huthis im Jemen besser in Schach halten zu können. Aber es gibt Ärger unter Regionalstaaten
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Die USA verteidigen allerdings Israels Anerkennung von Somaliland - und dazu gibt es Aufgeheizte Stimmung in Somalia
Zitat:"Nach dieser Anerkennung ist es möglich, dass Somaliland Israel erlauben könnte, Militärbasen auf seinem Gebiet zu bauen. Für Somaliland wäre das eine Absicherung gegen mögliche Angriffe aus Mogadischu, dem Mittleren Osten und einigen Golfstaaten"

Rein geographisch betrachtet - eine heiße Region. Und auch politisch geht es heiß zu: eine wichtige geostrategische Lage - in der Nachbarschft dafür sehr unruhige Gebiete:
im Norden das Bürgerkriegsland Jemen, im Osten das ebenfalls die Unabhängigkeit beanspruchende Puntland, dann die strategisch wichtige Insel Sokotra (2018 von emiratischen und saudischen Soldaten besetzt), im Süden Somalia und im Westen Djibouti mit diversen Stützpunkten von Großmächten, und dann auch der große Nachbar Äthiopien im Südwesten, der in den Vergangenheit mehrfach in kriegerische Auseinandersetzungen mit Somalia verwickelt war.
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#2
Es gibt dort das Berbera Airfield, ein Flugfeld das derzeit von einem unbekannten Akteur (wahrscheinlich UAE) für wen auch immer zu einer modernen Luftwaffenbasis ausgebaut wird.
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#3
Unabhängig davon, dass Somaliland strategisch durchaus gewichtig liegt am Ausgang des Roten Meeres und dass beide Seiten - Israel wie die Somalis - die Annäherung begrüßen, in Somaliland hofft man auch auf eine wirtschaftliche Belebung, hatte ich darüber mit einem Kollegen, er ist Jude, ein recht interessantes Gespräch.

Er brachte eine biblische Reminiszenz ins Spiel: Er meinte, man erinnere sich in Jerusalem durchaus an die uralten Handelsbeziehungen zu salomonischen Zeiten ins Reich von Punt. Dieses historische Gebiet ist nur schwer geographisch eingrenzbar und weicht von der heutigen somalischen Region Puntland ab, es umfasste vermutlich in biblischer Zeit sogar Teile des heutigen Jemen, von Dschibuti und von Eritrea. Und es war eine Quelle von großem Reichtum (Gold, Elfenbein, Myrrhe, Harze). Der Kollege meinte, dass diese jetzige israelische Annäherung an Somaliland auch durch diese historische Verbindung mitbeeinflusst worden sei. Ich fand diesen Gedanken sehr interessant, habe aber in israelischen Medien nun beim Stöbern auf die Schnelle nichts direkt finden können.

Schneemann
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#4
Dass sich Länderbezeichnungen über Jahrtausende erhalten - möglicherweise mit leichten geographischen Verschiebungen - kennen wir auch von uns aus der Geschichte.

Einige Beispiele:
Viele Flußnamen gehen auf vorrömische Bezeichnungen (z.B. Donau, Isar, Isere) zurück.
Die Kelten haben als "Gallier" ihren Namen in fast ganz Europa aufgedrückt - von Galicien (Nordwest-Spanien) bis zu den Galatern (Türkei).
Die Bezeichnung "Bayern" hat sich wohl über die keltischen Boier und Böhmen (Boiaham) bis ins heutige Bundesland tradiert bzw. gehalten.
Angeln und Sachsen finden sich nicht nur in Norddeutschland, sondern auch in Südengland.

Insofern bin ich davon überzeugt, dass auch der jetzige Name der Region "Puntland" in historisch-regionalem Kontext zum altägyptischen Punt (möglicheweise dem alttestamentarischen Land Ophir oder auch Ofir (hebräisch אוֹפִיר ʾōfīr) steht.

Und man darf nicht vergessen:
Schon Salomon ist der Überlieferung nach mit der "Königin von Saba" (das liegt wohl heute im Jemen) enger "verbandelt" gewesen. Auch die Tradition der Äthiopische Juden, auch als Beta Israel bekannt, sollen sich auf diese Verbindung zurück führen lassen. Die Beta Israel haben zumindest den weit über 2000 Jahre alten Talmud nicht in ihrer Tradition, sind somit also wohl eine frühere Abspaltung.
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#5
Die ganze Großregion hatte in den Jahrhunderten vor Christus bis letzlich zur Ausbreitung des Islams (und vorher des Christentums) eine enorm reiche hebräisch/jüdische Präsenz. Die Region des heutigen Somalilandes sticht da nicht besonders hervor, im Gegenteil.

Aus heutiger Sicht kurios: Ausgerechnet im heutigen Jemen (praktisch tatsächlich in den heutigen Staatsgrenzen) gab es von 380 bis 525 nach Christus mit dem Himyarischen Königreich ein jüdischen Königreich, dessen (zumindest) Oberschicht den Gott Israels verehrte. Die wurden dann später vom mittlerweile christlichen Königreich Aksum aus Nordäthiopien erobert und assimiliert.
Aksum selbst soll um die Jahrtausendwende dann durch die legendenumwobene Figur der (möglicherweise) jüdiuschen Gudit gestürzt worden sein. Je nach Legende ist Gudit eine Prinzesin des nicht wirklich belegten jüdischen Königreichs von Simien, dass seit dem vierten Jahrhundert tiefer in Äthiopien existiert haben soll.

Hat aber alles nichts im spezifisch Somaliland zu tun, die Quellenlage was da in den Jahrunderten vor und nach Christus ablief ist dürftig und geht kaum über "irgendwer hat dort gelebt, hat nichts erobert und wurde nicht erobert" hinaus. Belege für eine hebräische Präsenz dort gibt es nicht, ist aber angesichts der Geschichte der Großregion ziemlich wahrscheinlich.
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