Beiträge: 3.913
Themen: 89
Registriert seit: Sep 2003
Zitat:Mhm na ich weiß nicht. Zum einen ist es unwahrscheinlich, dass der Bürger mit einer "kosmopolitischen" Identität überfordert wäre. Das hängt eben nur vom Bürger ab.
Aber es geht doch darum, wie der normale Durchschnittsbürger in der Regel mit der ganzen Sache umgehen. Einzelfälle oder Abweichungen gibt es sowieso immer.
Zitat:Überall wird aber deutlich, dass sich die Menschen auf ihre unmittelbare Umwelt einlassen, und der Rest relativ egal ist.
Dass sich ein Bürger unter 400 Millionen unwichtiger oder marginalisierter fühlt als unter 80 Millionen, wage ich indes zu bezweifeln. Man muss sich nur mal Deutschland im Vergleich zu den USA o.ä. anschauen. Sind dort die Minderwertigkeitskomplexe größer? Das hängt nicht mit der Bevölkerungszahl zusammen, sondern eher mit der staatlichen Struktur und der Identifikation des Bürgers mit dem Staat, Stichwort Patriotismus.
Genau, man bezieht sich auf seine nähere Umwelt. Nur wie sieht die denn aus?
Gibt es noch die klare Verläßlichkeit im Leben, gibt es den ewig gehalteten Arbeitsplatz, die lebenslang gehende Ehe noch, den Schutz der Großfamilie`?
All solche Sachen erodieren und lassen den Einzelnen zunehmend als Individuum allein dastehen. Das ist das eine, die Individualisierung. Andererseits wird die Bezugnahme auf Umwelt immer diffuser, da imme rmehr Sachen zu bewältigen sind und zu bedenken sind im Leben.
Da wird immer Komplexität reduziert, immer mehr wird zur diffusen Umwelt. Überlede dir mal, mit welch Problemen sich noch unsere Eltern "nur" rumärgern mussten. Wir dagegen haben immer mehr die Qual der Wahl. Das ist die direkte gesellschaftliche soziale Überforderung (Wobei; Überforderung sollte man jetzt nicht zu wörtlich nehmen: Man muss damit umgehen, also tut man es auch, nur wie iszt die Frage)
Und kommen wir nun zu den politischen Strukturen und Überforderungen: Noch vor gut 40 Jahren war doch beispielsweise die politische Landschaft der BRD unheimlich überschaubar: Klare, einfache Entscheidungen in einer klaren einfachen industriellen Gesellschaft.
Und heute: Heute spricht man noch viel abschätziger von den "da oben". Früher sagte man sowas auch, nur damals war es noch der Unterschied von Beherrschtem und Beherrscher, der sowas vorgab. Solch autoritäre Sichtweise gibt es ja nun nicht mehr so, gerade im Westen. Da ber die Entscheidungen in einer Gesellschaft mit multiplen Interessengruppen und Lobbygrupen immer undurchsichtiger, immer schwieriger auch allein inhaltlich nachvollziehen, so steht der Bürger da und versteht meistens nicht, worum es wirklich geht.
Der Bürger steht vor einer politischen Landschaft, die er in ihrer Komplexität nicht mehr verstehen kann. Frühert reichte da noch ein einfaches Verständnis (anderer gesellschaftlicher Rahmen). Nun sieht es aber anders. Das wäre eben für mich auch ein Haupztgrund für Politikverdrossenheit.
Und nun übertrage das mal auf die europäische Ebene. da sieht es dann ganz düster aus, denn wie kann man schon die Verflechtung von 3, in Deutschland sind es ja sogar 4 Politikebenen erkennen. Da kapituliert fast jeder Bürger und hat eben keine Sympathie dafür.
Es ist eben nur teilweise ein Problem von demokratischer Legitimation und Transparenz. Die Sache ist eben so kompliziert, dass man kaum dirkete demokratische Legitimation aufbauen kann. Auch institutionell sehe ich da Legitimation und "gewisse" Funktionalität als Zeilkonflikt an.
Der Vergleich mit den USA finde ich dabei nicht so sehr gelungen. Die USA haben ein ziemlich anderes Politikverständnis und deren Gliedstaaten haben ne viel geringe Heterogenität als die Mitglieder der EU.
Auch schau dir mal das Politikverständnis der Amis genau an: Die haben eben die Einstellungsprobleme, die wir jetzt in Europa haben, schon länger udn daher schon "Lösungen": Für viele ist der Staat doch nur ein fast nicht notwendiges Übel, das in deren leben eingreift. Man schau sich nur Teile des rechten Spektrums an: Die sind eindeutig antietatistisch. da gibt es völlig andere Traditionen.
Zitat:Letzteres gedeiht nur, wenn der Bürger in Deutschland das Gefühl bekommt, sein Schicksal ist an das des Franzosen, Italieners etc. gebunden. Solange das nicht vermittelt werden kann, ist die Liebesmüh um den Staat Europa umsonst. Wenn es aber erst einmal gegeben ist, dann wird das öffentliche Interesse zunehmen, auch die europäischen Strukturen zu stärken. Wie es um die momentane Meinung bestellt ist, hat man ja an der Verfassungsgeschichte gemerkt.
Ja und warum ist es denn so schwierig das zu erreichen??
Eben weil der Einzelne im Dickicht des modernen Staates ziemlich allein dasteht und auch nie das Gefühl hat, bei allem Einfluß von Interessengruppen da irgendwie mitberücksichtigt zu werden und weil man sich angesichts der Komplexität lieber in sich selbst zurückzieht ( siehe meien Ausführen weiter oben).
Es gibt sicher bessere, komplexere Erklärungsansätze dafür, aber wenigstens ist das mal ein Versuch dafür
Und wie gesagt, hier geht es um den durchschnittlichen EU-Bürger...
Beiträge: 1.386
Themen: 7
Registriert seit: Mar 2004
Zitat:Thomas Wach posteteDer Bürger steht vor einer politischen Landschaft, die er in ihrer Komplexität nicht mehr verstehen kann. Frühert reichte da noch ein einfaches Verständnis (anderer gesellschaftlicher Rahmen). Nun sieht es aber anders. Das wäre eben für mich auch ein Haupztgrund für Politikverdrossenheit.
Und nun übertrage das mal auf die europäische Ebene. da sieht es dann ganz düster aus, denn wie kann man schon die Verflechtung von 3, in Deutschland sind es ja sogar 4 Politikebenen erkennen. Da kapituliert fast jeder Bürger und hat eben keine Sympathie dafür.
Es ist eben nur teilweise ein Problem von demokratischer Legitimation und Transparenz. Die Sache ist eben so kompliziert, dass man kaum dirkete demokratische Legitimation aufbauen kann. Auch institutionell sehe ich da Legitimation und "gewisse" Funktionalität als Zeilkonflikt an.
Ich finde dich hier doch recht anmassend. Vielleicht liegts auch nur an der späten Stunde, dass dein post nach "Kapitulation" klingt - "Zu kompliziert - aber was soll man machen?" Es ist doch nicht deshalb kompliziert weil das nicht anders ginge. Es ist deshalb kompliziert weil wir noch zuviel alten Balast mit uns herumschleppen. Institutionen und Regelungen, die einstmals sinnvoll waren, haben ihre nun sinnlose Existenz mittels Lobbyarbeit in die EU gerettet. In ihrer Summe sorgen diese Altlasten nun dafür, dass Entscheidungsprozesse verlängert, verzerrt und teils vollkommen verschleppt werden. Das hat aber nichts mit den "dummen" Bürgern zu tun, sondern mit den Entscheidungsträgern, die sich trotz ihrer Bildung und trotz ihres guten Überblicks nicht von ihren liebgewonnen Länderkammern, Bundesbanken und dem ganzen anderen funktionslosen Schrott trennen konnten.
Es gibt keine tiefgründige Weisheit, die es hinter dieser Entwicklung zu verstehen gibt. Es ist einfach der hausgemachte Irrsinn, der für die EU- / Bundesbürokratie nur Unverständniss erzeugt. Dieser Problemkomplex liesse sich aber sehr wohl lösen.
Anders bei der EU-Politik. Hier ist der Konflikt offenkundig. Hier glauben z.B. viele Menschen die Aufnahme zusätzlicher Mitglieder wäre zu teuer - aber z.B. in Polen und in der alt - Tschechoslowakei hätte man, wie ich das sehe, gern noch die jeweils östlichen Nachbarn in der Union, weil das ebenfalls ein wirtschaftlicher Vorteil für das eigene Land sein könnte. Und wie im sonstigen demokratischen Prozess auch, versuchen alle den Rest der Union mit mehr oder minder sinnigen Argumenten davon zu überzeugen, dass dieses oder jenes im Interesse aller wäre. Das wird aber immer so sein und man braucht auch zum Verständniss dieser Dinge nicht besonders schlau zu sein.
Beiträge: 3.913
Themen: 89
Registriert seit: Sep 2003
Zitat:Ich finde dich hier doch recht anmassend. Vielleicht liegts auch nur an der späten Stunde, dass dein post nach "Kapitulation" klingt - "Zu kompliziert - aber was soll man machen?" Es ist doch nicht deshalb kompliziert weil das nicht anders ginge. Es ist deshalb kompliziert weil wir noch zuviel alten Balast mit uns herumschleppen. Institutionen und Regelungen, die einstmals sinnvoll waren, haben ihre nun sinnlose Existenz mittels Lobbyarbeit in die EU gerettet. In ihrer Summe sorgen diese Altlasten nun dafür, dass Entscheidungsprozesse verlängert, verzerrt und teils vollkommen verschleppt werden. Das hat aber nichts mit den "dummen" Bürgern zu tun, sondern mit den Entscheidungsträgern, die sich trotz ihrer Bildung und trotz ihres guten Überblicks nicht von ihren liebgewonnen Länderkammern, Bundesbanken und dem ganzen anderen funktionslosen Schrott trennen konnten.
Es gibt keine tiefgründige Weisheit, die es hinter dieser Entwicklung zu verstehen gibt. Es ist einfach der hausgemachte Irrsinn, der für die EU- / Bundesbürokratie nur Unverständniss erzeugt. Dieser Problemkomplex liesse sich aber sehr wohl lösen.
Mhm. Die klassische Kritik am Institutionengeflecht und der Verflechtungsfalle (Fritz Scharpf).
Ich glaube eben nicht, dass das alles so funktionsloser Schrott ist. Natürlich kann und sollte man an der Verflechtung Bundesrat/Bundestag etwas ändern und dies wurde getan in der Förderalismusreform. Ein erster Schritt. Trotzdem befördert die gesellschaftliche Differenzierung eher die Bildung solcher Extrainstitutionen und Verflechtungen, einfach deshalb, weil nun gesellschaftliche Einflußgruppen aus ihrer gesellschaftlichen Position heraus Einfluß auf das politische System nehmen können und daher auch müssen. Das zu balancieren, das ist die Aufgabe. Diese Einflußgrößen so einfach auszuschalten siehe ich dagegen aber eher als schwierig an.
Man wird das kaum so einfah nicht machen lassen, zu sehr ist die Politik einfach schon auf die Mitarbeitr gesellschaftlicher Akteure angewiesen. Auch weil eben die Reichweiteund die Wirksamkeit nationaler Politik nicht mehr so groß ist wie früher.
Beiträge: 1.386
Themen: 7
Registriert seit: Mar 2004
Zitat:Thomas Wach posteteIch glaube eben nicht, dass das alles so funktionsloser Schrott ist. Natürlich kann und sollte man an der Verflechtung Bundesrat/Bundestag etwas ändern und dies wurde getan in der Förderalismusreform. Ein erster Schritt.
Es sind Strukturen die in und um ein System gewachsen sind, das so nicht mehr existiert. Die von ihnen erfüllten Aufgaben sind heute grossteils deligierbar und der Rest an Funktion würde nicht Apperate dieser Grösse erfordern. Zu sagen, dass sich das nur schwer ändern lässt, ist keine Entschuldigung. Man schaue sich nur die Ländervertretungen von Bremen und Hamburg an. Weg damit. Am besten gestern. Allein die Fixkosten solcher Einrichtungen zu sparen könnte eine messbare Entlastung bringen.
Zitat:Trotzdem befördert die gesellschaftliche Differenzierung eher die Bildung solcher Extrainstitutionen und Verflechtungen, einfach deshalb, weil nun gesellschaftliche Einflußgruppen aus ihrer gesellschaftlichen Position heraus Einfluß auf das politische System nehmen können und daher auch müssen.
Hm? Ich dachte die Länderaufteilung und ihr Gewicht wären eine Folge des Zweiten Weltkriegs und einer Hand voll Menschen, die mehr oder weniger zufällig zur falschen Zeit am richtigen Ort waren. Von "gesellschaftlichen Einflussgruppen" kann da nicht die Rede sein. Diejenigen, die eine Beschneidung der Länderrechte aufs schärfste bekämpfen, würde man Neudeutsch wohl eher als "Besitzstandswahrer" titulieren.
Zitat:zu sehr ist die Politik einfach schon auf die Mitarbeitr gesellschaftlicher Akteure angewiesen. Auch weil eben die Reichweiteund die Wirksamkeit nationaler Politik nicht mehr so groß ist wie früher.
Und? Ist das so gut? Soll ich mich damit abfinden, dass ganze Reden und Argumentationsketten die Politiker vortragen, von einem Industriekonzern für den entsprechenden Anlass geschrieben wurden? (s.h. z.B. Elmar Brok & die "Lex-Bertelsmann")
Natürlich ist es bequemer nichts zu tun und das auch noch elegant zu begründen, nur kann das nicht der Weg sein. Du knickst mir da einfach zu schnell ein.
Beiträge: 3.913
Themen: 89
Registriert seit: Sep 2003
Zitat:Es sind Strukturen die in und um ein System gewachsen sind, das so nicht mehr existiert. Die von ihnen erfüllten Aufgaben sind heute grossteils deligierbar und der Rest an Funktion würde nicht Apperate dieser Grösse erfordern. Zu sagen, dass sich das nur schwer ändern lässt, ist keine Entschuldigung. Man schaue sich nur die Ländervertretungen von Bremen und Hamburg an. Weg damit. Am besten gestern. Allein die Fixkosten solcher Einrichtungen zu sparen könnte eine messbare Entlastung bringen.
Mhm. Welches System meinst du jetzt? Das politische Subsystem oder das gesamtgesellschaftliche System?
Natürlich - und da würd ich kaum streiten - gibt es heute zig Optimierungsmöglichkeiten. Man könnte die Zahl der Bundesländer runter setzen, was sicher nicht mal so dumm wäre.
Du aber scheinst wohl die ganze Länderebene einsparen zu wollen??
Zitat:Hm? Ich dachte die Länderaufteilung und ihr Gewicht wären eine Folge des Zweiten Weltkriegs und einer Hand voll Menschen, die mehr oder weniger zufällig zur falschen Zeit am richtigen Ort waren. Von "gesellschaftlichen Einflussgruppen" kann da nicht die Rede sein. Diejenigen, die eine Beschneidung der Länderrechte aufs schärfste bekämpfen, würde man Neudeutsch wohl eher als "Besitzstandswahrer" titulieren.
Ich weiß nicht, ob man es sich einfach machen sollte. Das Vorhandensein von Ländern, diese föderale Ebene ist ne historische Konstante. Das gab es im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, im Deutschen Bund und auch im Deutschen Kaiserreich. Immer gab es mehr oder minder autonome Länder. Diese Grundeinteilung wurde dann nach dem Zweiten Weltkrieg eben einfach wieder aufgegriffen. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, dass ein föderaler Staat mit vertikaler Gewaltenteilung nicht so schnell zu nem autoritären Sytem kommen würde wir ne präsidiale Republik wie die Weimarer Republik mit ihren zahlölosen Konstruktionsfehlern und Geburtsfehlern.
Aber, wie gesagt, so sehr man die heutige Ausgestaltung des föderalen Systems nicht als optimal ansehen muss, so sehr muss man bedenken, dass sich trotzdem die Gesellschaft verändert hat. Ein Zentralstaat mit großen zetralistischen Befugnisse muss nicht zwangsläufig das beste sein, denn das Zentrum weiß sehr oft nicht, was genau in den Provinzen los ist bzw. wie die ortsspezifischen Lagen sind.
Zitat:Und? Ist das so gut? Soll ich mich damit abfinden, dass ganze Reden und Argumentationsketten die Politiker vortragen, von einem Industriekonzern für den entsprechenden Anlass geschrieben wurden? (s.h. z.B. Elmar Brok & die "Lex-Bertelsmann")
Natürlich ist es bequemer nichts zu tun und das auch noch elegant zu begründen, nur kann das nicht der Weg sein. Du knickst mir da einfach zu schnell ein.
Du verstehst mich da definitiv falsch. Nichts tuen wäre tödlich, nur will ich nicht wie Don Quiote gegen Windmühlen ziehen um mal ne blöde Analogie zu benutzen.
Man muss eben schauen, was der gesellschaftliche und politische Zustand ist:
Funktionelle Differenzierung der Gesellschaft, Auflösen klassischer Schichten und mehr und mehr gesellschaftliche Gruppen, die reale Macht haben. Die haben eben nicht nur politischen Einfluß, sondern üben dank ihrer Ressourcen und ihrer struktureller Position eine reale Macht aus, die die Reichweite staatlicher Macht immer weiter untergräbt. Dank neuer Technologie usw. können auch gesellschaftliche Akteure nicht mehr so einfach nicht berücksichtigt werden, denn in einer solchermaßen differenzierten Gesellschaften werden sie immer wichtiger.Das war auch in Teilen früher schon der Fall, nur ist dies schlimmer geworden.
Und da wird es kaum helfen rein normativ orientiert zu sagen: Der Einfluß der Wirtschaft muss weg. Man muss schauen, weswegen sie nun so großen Einfluß erhalten haben, wer in der Wirtschaft das so hat oder sich so anmaßt und dann muss man abwägen, wie man dies entschärft. Und gerade die großen Unternehmen kann man nur auf europäischer Ebene wenigstens etwas anhaben. Der Nationalstaat steht da mehr ode rminder hilflos da, denn die Revolution in Kommunikation und Technologie hat eine Bewegungsfreiheit und ein Einwirkpotenzial gerade für die Wirtschaft geschaffen, der man sich nur schwer erwehren kann. Aber gerade weil die Sache so hart ist, muss man genau analysieren, denn gegen solch mächtige Gruppen kann man sich bloßes normatives Gerede nicht leisten.
Beiträge: 1.386
Themen: 7
Registriert seit: Mar 2004
Zitat:Thomas Wach postete
Du aber scheinst wohl die ganze Länderebene einsparen zu wollen??
Nicht ganz. Als Organisationsform, die die Interessen einer Gruppe von Menschen in einem bestimmtem Gebiet vertritt, machen die Länder (ausser die ganz kleinen) natürlich Sinn. Nur doch bitte nicht mit einem solchen bürokratischen Apperat. Kommunen und Landkreise haben wir ja schon, auf diese müssten wir (bildlich gesprochen) nur noch eine Mikro-Verwaltung des Bundeslandes draufsetzen. Alle Personalintensiven Aufgaben soll der Bund erledigen (Bildung z.B.). Es müssten einige Bundesverpflichtungen festgeschrieben werden, damit es gerecht zugeht - und nicht die Masse der Aufgaben in Prestigeländer fliesst, die viel Lobbyarbeit betreiben (s.h. Berlin).
Zitat:Das gab es im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, im Deutschen Bund und auch im Deutschen Kaiserreich. Immer gab es mehr oder minder autonome Länder.
Zu einer Zeit ohne Medien und Konzerne, in der man Querulanten und "Systemschädlinge" noch bequem auf Marktplatz verbrennen oder verbannen konnte, war das auch ne tolle Sache.
Zitat:Ein Zentralstaat mit großen zetralistischen Befugnisse muss nicht zwangsläufig das beste sein, denn das Zentrum weiß sehr oft nicht, was genau in den Provinzen los ist bzw. wie die ortsspezifischen Lagen sind.
Die hat er ja nicht mehr, sondern diese Befugnisse fallen peut á peut an Europa. Der einzelne Staat muss schneller reagieren können und dazu braucht man eine effizient gestaltete Verwaltung.
Zitat:...Und da wird es kaum helfen rein normativ orientiert zu sagen: Der Einfluß der Wirtschaft muss weg. Man muss schauen, weswegen sie nun so großen Einfluß erhalten haben, wer in der Wirtschaft das so hat oder sich so anmaßt und dann muss man abwägen, wie man dies entschärft.
Ich denke die Politiker aller coleur begreifen langsam, dass die Konzerne ihren Anspruch auf Wirtschaftsrepräsentation verloren haben. Man kann es ihnen sowieso nie recht machen und ihre Verlässlichkeit im Punkt Arbeitsplatzerhalt ist bestenfalls zweifelhaft. Wenn nun noch die "weichen" Einfluss-Faktoren, die den Konzernen zur Verfügung stehen (Vitamin-B, Lieferant für Politikeraltersruhepöstchen usw.), entschärft werden, könnte wohl auch in diesem Punkt ein befriedigender Zustand erreicht werden.
Bei Richtlinien der EU z.B., die ja z.T. eine lange Vorlaufzeit haben, könnte eine Art open-source Beraterprogramm auf Internetbasis, bei dem, ohne Bezahlung, Input aus allen Eu Ländern (und ggf. von allen Bürgern) zu anstehenden Themen gesammelt und von kleinen Expertengruppen aufbereitet wird, in Zukunft sicher dabei hilfreich sein unseren Politikern vor den Entscheidungsrunden in den EU-Ausschüssen den nötigen Überblick über den anstehenden Themenkomplex zu geben. So in der Art liesse sich die Kozernmacht schon effektiv bekämpfen...
Beiträge: 28.156
Themen: 539
Registriert seit: Jul 2003
Zitat:Thomas Wach postete
.....
Und nun übertrage das mal auf die europäische Ebene. da sieht es dann ganz düster aus, denn wie kann man schon die Verflechtung von 3, in Deutschland sind es ja sogar 4 Politikebenen erkennen. Da kapituliert fast jeder Bürger und hat eben keine Sympathie dafür.
Es ist eben nur teilweise ein Problem von demokratischer Legitimation und Transparenz. Die Sache ist eben so kompliziert, dass man kaum dirkete demokratische Legitimation aufbauen kann. Auch institutionell sehe ich da Legitimation und "gewisse" Funktionalität als Zeilkonflikt an.
Der Vergleich mit den USA finde ich dabei nicht so sehr gelungen. Die USA haben ein ziemlich anderes Politikverständnis und deren Gliedstaaten haben ne viel geringe Heterogenität als die Mitglieder der EU.
....
Ja und warum ist es denn so schwierig das zu erreichen??
Eben weil der Einzelne im Dickicht des modernen Staates ziemlich allein dasteht und auch nie das Gefühl hat, bei allem Einfluß von Interessengruppen da irgendwie mitberücksichtigt zu werden und weil man sich angesichts der Komplexität lieber in sich selbst zurückzieht ( siehe meien Ausführen weiter oben).
Es gibt sicher bessere, komplexere Erklärungsansätze dafür, aber wenigstens ist das mal ein Versuch dafür 
Und wie gesagt, hier geht es um den durchschnittlichen EU-Bürger...
bei all der berechtigten Diskussionen über die Struktur der EU darf man nicht übersehen, dass die Parlamentarier des Europaparlaments - und damit die Volksvertreter - immer deutlicher Konturen zeigen;
die Tage, in denen die Staats- und Regierungschefs alleine bestimmt (und dann alles auf die Bürokraten in Brüssel geschoben) haben, neigen sich langsam dem Ende zu - und mit dem schwindenden Alleinbestimmungsrecht der Staats- und Regierungschefs und dem zunehmendenEinfluss des Europaparlaments entwickelt sich die EU auch tatsächlich von einem Staatenbund zu einer wirklichen, demokratisch legitimierten Union;
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,395893,00.html">http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 93,00.html</a><!-- m -->
Zitat:18. Januar 2006
STREIT UM EU-FINANZEN
Europaparlament lehnt Haushaltskompromiss ab
Deutlicher hätte das Nein kaum ausfallen können: Mit einer Mehrheit von rund 80 Prozent haben die Abgeordneten des Europäischen Parlaments den mühsam erzielten Haushaltskompromiss der EU-Staats- und Regierungschefs abgelehnt. Jetzt soll nachgebessert werden.
...
es ist - bei allem Verständnis für berechtigte Kritik - auch kaum verständlich:
die USA (von Fläche, Bevölkerungszahl usw. durchaus mit der EU vergleichbar) funzen recht gut, warum soll das in der EU nicht auch gehen?
Zitat:Turin postete
Dass sich ein Bürger unter 400 Millionen unwichtiger oder marginalisierter fühlt als unter 80 Millionen, wage ich indes zu bezweifeln. ....
Das hängt nicht mit der Bevölkerungszahl zusammen, sondern eher mit der staatlichen Struktur und der Identifikation des Bürgers mit dem Staat, Stichwort Patriotismus.
Letzteres gedeiht nur, wenn der Bürger in Deutschland das Gefühl bekommt, sein Schicksal ist an das des Franzosen, Italieners etc. gebunden. Solange das nicht vermittelt werden kann, ist die Liebesmüh um den Staat Europa umsonst. Wenn es aber erst einmal gegeben ist, dann wird das öffentliche Interesse zunehmen, auch die europäischen Strukturen zu stärken. Wie es um die momentane Meinung bestellt ist, hat man ja an der Verfassungsgeschichte gemerkt.
Anstelle dieses ganzen Ladens voll Staatsführer, von denen irgendeiner grade immer im Wahlkrampf steckt, die jeweils nur ihre nationalen Ansprüche im Kopf haben und hier alle entscheiden wollen (und dann noch praktisch alles wichtige einstimmig entscheiden müssen....:pillepalle  brauchen wir eine Staatenvertretung wie den Bundesrat auf europäischer Ebene, und ein viel stärkeres europäisches Parlament.
Ein provokantes Schlagwort:
Entmachtung der nationalen Staats- und Regierungschefs und dafür eine Stärkung der unmittelbar gewählten Parlamentarier im Europaparlament - und zur Finanzierung eine Europäische Steuer, über die das Parlament entscheidet!
Da die Parlamentarier direkt gewählt werden und über ihre Stimmkreise recht nahe an den Bürgern drann sind, wird bei einem starken Parlament das Bewustsein gestärkt, dass diese gewählten Volksvertreter die Politik machen, und die Wahl der Bürger direkten Einfluss auf die Entscheidungen in Brüssel haben.
Und wenn die Parlamentarier "Sch...." bauen, dann werden die bei der nächsten Wahl nicht mehr gewählt - da ist mehr Einfluss der Bürger als auf einen unbekannten Bürokratenhaufen, der jetzt immer vorgeschoben wird, ("die in Brüssel...") wenn die Beschlüsse und Vorgaben der nationalen Regierungen auf europäischer Ebene umgesetzt werden.
Damit wissen dann auch die Bürger in Deutschland, England usw. (und sie haben nicht nur das Gefühl bekommen), dass ihr Schicksal an das der Franzosen, Italiener etc. gebunden ist, die selbst ebenfalls ihre Volksvertreter wählen.
Beiträge: 891
Themen: 27
Registriert seit: Jan 2005
Zitat:Ein provokantes Schlagwort:
Entmachtung der nationalen Staats- und Regierungschefs und dafür eine Stärkung der unmittelbar gewählten Parlamentarier im Europaparlament - und zur Finanzierung eine Europäische Steuer, über die das Parlament entscheidet!
Eine einheitliche eropäische Steuer würde ich begrüßen. Dann gehts auch gerechter zu.
Aber mit der Entmachtung würde ich nicht zu weit gehen. Die Nationalen Interessen den europäischen völlig unterzuordnen macht mir Angst. Halte ich auch nicht für effizient.
Aber außenpolitisch sollte man noch was machen. Ein EU Außenminister wäre für den Anfang eine Lösung.
Beiträge: 28.156
Themen: 539
Registriert seit: Jul 2003
Zitat:fieserfettsack postete
.... mit der Entmachtung würde ich nicht zu weit gehen. Die Nationalen Interessen den europäischen völlig unterzuordnen macht mir Angst. Halte ich auch nicht für effizient.
Aber außenpolitisch sollte man noch was machen. Ein EU Außenminister wäre für den Anfang eine Lösung.
im Grunde sind wir mehr dacore als es scheint.
Ich bin ein Anhänger des Subsidiaritätsprinzips - d.h., dass die Regelungen so nahe am Bürger getroffen werden müssen wie es möglich ist.
Erst wo die niedrigere Ebene überfordert ist, wäre die nächste Ebene "drann".
Damit ergibt sich auch, dass die Nationalstaaten die eigenen nationalen Angelegenheiten alleine für sich selbst regeln sollen.
Auf die europäische Ebene kommen dann nur die Fragen, die mehrere Nationalstaaten gemeinsam betreffen.
Das mag eine gemeinsame EU-Aussenpolitik sein,
das dürfte genauso oder noch mehr bei länderübergreifenden Fragen des Umweltschutzes gelten, bei einer einheitlichen Wirtschafts- und Sozialordnung (die ist schon aus Wettbewerbsgründen zur Sicherung der eigenen Arbeitsplätze im Lande notwendig), bei europäischen Verkehrswegen (Belastungen zur Bewältigung der Handelsströme von Nord nach Süd dürfen nicht nur den Österreichern aufs Auge gedrückt werden, entsprechende Lösungen kosten Geld), von der Koordination im Verteidigungsbereich haben wir bereits gesprochen .....
noch ein Nachsatz zum Veto des Europaparlaments:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.faz.net/s/Rub99C3EECA60D84C08AD6B3E60C4EA807F/Doc~EEE29413D4E3B47A69910BF061C77CE98~ATpl~Ecommon~Scontent.html">http://www.faz.net/s/Rub99C3EECA60D84C0 ... ntent.html</a><!-- m -->
Zitat:Budgetplanung
EU-Parlament verwirft Haushaltskompromiß
...
Außerdem wollen die Abgeordneten mehr Flexibilität in den einzelnen Ausgabenkategorien, etwa für die EU-Außenpolitik, sowie mehr haushaltspolitische Mitspracherechte erreichen.
...
Neue Einnahmequellen
Der zuständige Berichterstatter Reimer Böge (CDU) begrüßte, daß Schüssel zuvor seine umstrittene Forderung wiederholt hatte, die EU-Finanzierung auf eine neue Grundlage zu stellen. Schüssel hatte einen Ausbau der „EU-Eigenfinanzierung” vorgeschlagen. Es sei nicht möglich, „daß wir aus den nationalen Budgets alles herausschneiden, was wir für Europa brauchen”, sagte Schüssel. Der Kanzler sprach sich zwar nicht ausdrücklich für eine eigene EU-Steuer aus. Er hob aber hervor, es gehe nicht an, daß „kurzfristige Finanzspekulationen” oder der „Verkehr in der Luft oder per Schiff” überhaupt nicht besteuert werden. Die Einführung einer Spekulationssteuer oder eine Besteuerung von Flugscheinen werden immer wieder als mögliche neue Einnahmequellen der EU genannt.
.....
das scheint mir auf dem richtigen Weg zu sein, auch die darin angesprochenen weiteren Überlegungen von Schüssel kann ich nachvollziehen:
Zitat:....„Am Ende des Vorsitzes soll das Vertrauen der Bürger zur EU, das Vertrauen der Mitgliedstaaten zueinander und zur Union und das Vertrauen zwischen den Institutionen wieder wachsen”, sagte Schüssel. Dabei seien auch „die Grenzen Europas” und „die Kriterien für die Aufnahmefähigkeit der Union” zu klären. Schüssel lobte die Vorschläge des Verfassungsausschusses des Parlaments für den EU-Verfassungsvertrag. Er plädiert für eine „behutsame Neuverhandlung” des Vertrags. ....
Beiträge: 4.402
Themen: 99
Registriert seit: Nov 2003
Die Slowakei scheint für ein EU-Land einige Defizite im Berreich der Menschenrechte aufzuweisen. Es wurde des öfteren in den Medien berichtet das Sinti und Roma in der Slowakei zu den benachteiligten Minderheiten gehören. Wenn sich die EU tatsächlich als eine "Wertegemeinschaft" versteht, warum macht man nichts gegen die Menschenrechtsverletzungen in der Slowakei ?
Warum schaltet sich nicht der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein ?:wall:
Zitat:Flüchtlingen auf Kopf uriniert
Schwere Vorwürfe gegen slowakische Beamte, UNHCR prüft den Fall
Nachlese
"Asyl in Not" wirft Slowakei Folter an Asylwerbern vor
Wien - Das slowakische Flüchtlingslager sei so schmutzig gewesen, "dass 80 Prozent der Insassen erkrankt waren", erzählt ein Mann aus der Türkei. Als er, um freizukommen, zu hungern begonnen habe, sei er "von Beamten geschlagen und von deren Hunden gebissen" worden.
Quelle: <!-- m --><a class="postlink" href="http://derstandard.at/?url=/?id=2379596">http://derstandard.at/?url=/?id=2379596</a><!-- m -->
Beiträge: 4.829
Themen: 43
Registriert seit: Apr 2004
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,407262,00.html">http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1 ... 62,00.html</a><!-- m -->
Zitat:SICHERHEITSMÄNGEL
EU verbannt fast 100 Airlines
Gegen eine überraschend hohe Zahl an Fluggesellschaften hat die Europäische Union ein totales Start- und Landeverbot verhängt. Mehr als die Hälfte der gesperrten Airlines auf der heute veröffentlichten Schwarzen Liste sind im Kongo registriert. ...
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,15...19,00.html
Zitat:AIRLINE-BANN DER EU
Risiko-Liste mit minimaler Wirkung
Von Antje Blinda und Matthias Streitz
Die EU hat eine Liste mit 92 Fluglinien vorgelegt, die sie als unsicher einstuft und deswegen von allen Flughäfen der Union verbannt. Das feiert sie als Sieg für den Verbraucher. Tatsächlich ist das Papier gut gemeint - aber praktisch bedeutungslos. ...
Beiträge: 28.156
Themen: 539
Registriert seit: Jul 2003
noch ein Punkt, der sich auf gemeinsamer Basis in Konkurrenz mit anderen Nachfragern leichter lösen lässt als auf nationalstaatlicher "klein-klein-Ebene"
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20060210&marker=">http://www.eurasischesmagazin.de/artike ... 10&marker=</a><!-- m -->
Zitat:EUROPAS ENERGIEABHÄNGIGKEIT
Die EU braucht endlich ein Konzept zur Versorgungssicherheit
In der Europäischen Union sind fast ausschließlich die Ministerien für Wirtschaft und Umwelt mit der Energieversorgung befaßt. Außenpolitische und strategische Überlegungen spielen eine viel zu geringe Rolle. Deutschland ist besonders marktgläubig. Im Frühjahr soll nun erstmals seit Jahrzehnten ein politischer „Energiegipfel“ der Berliner Regierung stattfinden.
....
Von Frank Umbach in EM 02-06 · 28.02.2006
ich denke, wir sollten in diesem Zusammenhang wieder einmal darüber nachdenken, was den substantiellen Kern von Europa ausmacht, wen wir also "mit ins Boot holen" können:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.spiegel.de/dossiers/ausland/0,1518,246112,00.html">http://www.spiegel.de/dossiers/ausland/ ... 12,00.html</a><!-- m -->
Zitat:04. März 2002
EUROPA
Woher kommt Europa?
Kann sich der Traum vom vereinten Europa auf eine gemeinsame europäische Identität berufen?
...
ist das mehr als Euro und Bürokratie - was meint Ihr:
wie würdet Ihr eine europäische Identität begründen????
edit
also, ich werf mal ein paar Schlagworte ein um Zündstoff zu geben:
a) Rechtssystem:
Europas Rechtssystem basiert zum einen auf alten, römischen Rechtsgedanken
- etwa zum Vertragsrecht;
Der alte Grundsatz "pacta sunt servanda" - Verträge sind einzuhalten - ist ein eherner Grundsatz des europäischen Rechtssystems. Den Unterschied zu China merkt man beim näheren Hinsehen: in chinesischer Vorstellung sind Verträge modifizierbar, es ist dort unehrenhaft, Anpassungswünsche des Partners unter Hinweis auf den einmal abgeschlossenen Vertrag abzulehnen, das macht den auf den Vertrag beharrenden Partner "unsozial" - während in Europa derjenige, der ganz selbstverständlich Nachverhandlungen möchte, als vertrauensunwürdig angesehen wird.
- dann ist das Recht in Europa weistestgehend "codifiziert", eine Ansicht, die auch auf die Antike und das frühe Mittelalter zurückgeht;
der europäische Richter (nehmen wir mal die Briten aus) geht vom Gesetz aus und findet ein gerechtes Urteil - Nordamerika hat ein anderes System, dort wird vom "Verfahren" ausgegangen - gib ein faires Verfahren und Du erreichts ein faires Urteil (und schau, wie frühere Entscheidungen in vergleichbarer Sache ausgingen, beruf Dich also primär auf gefestigte Rechtsprechung und nicht auf das Gesetz)
b) moralisch-ethische Grundwerte
- dann gibt es in Europa seit der französichen Revolution einen klaren Vorrang der individuellen Freiheit, der "Menschenrechte" und "Grundrechte", also eine Entwicklung, die dem Islam in dieser Form fremd ist; dort bildet die Scharia eine wichtige, einigende Rechtsgrundlage, also die Überlieferung
- und damit sind wir bei einem weiteren Punkt:
- während das Christentum - betont durch protestantisches Gedankengut - vom Vorrang der eigenen Gewissensfreiheit ausgeht, was letztendlich auch zur Trennung von Religion und Staat führen musste, sieht man in anderen Weltgegenden andere Prioritäten:
den Staat als untrennbares Vollzugsorgan der islamisch religiösen Werte, also quasi zur Erfüllung des im Koran niedergelegten religiösen Auftrags - der etwa eine Abkehr vom rechten Glauben nach der Überlieferung der Scharia mit der Todesstrafe zu ahnden hat (siehe Afghanistan <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.forum-sicherheitspolitik.org/showtopic.php?threadid=105&pagenum=21&time=1144420323">http://www.forum-sicherheitspolitik.org/show ... 1144420323</a><!-- m --> )......
noch weitere Gedanken oder Kritik???
Beiträge: 28.156
Themen: 539
Registriert seit: Jul 2003
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5438006_REF1_NAV_BAB,00.html">http://www.tagesschau.de/aktuell/meldun ... AB,00.html</a><!-- m -->
Zitat:Prodi-Vorschlag zur EU
Gruppe von Kernstaaten soll Reformen voranbringen
Der Sieger der Parlamentswahlen in Italien, Romano Prodi, hat sich für die Beschleunigung der EU-Reformen durch eine Kerngruppe von Ländern ausgesprochen.
....
Stand: 16.04.2006 12:18 Uhr
:daumen:
Beiträge: 3.300
Themen: 143
Registriert seit: Nov 2009
Europa war zur Zeit der Römer zu großen Teilen in einem Reich integriert. Viele Sprachen, die heute als romanische Sprachen bezeichnet werden, sind direkt dadurch beeinflusst. So war auch das romische Rechtssystem in allen Provinzen vorhanden und beeinflusst Europa bis heute.
Im Mittelalter entwickelten sich die Vorgänger der späteren Nationalstaaten Europas. Das vereinende Element war zu dieser Zeit die lateinische Sprache der Priesterschaft, welche sich mit der Bewahrung von Wissen ebenso befasste, wie mit dem Seelenheil ihrer Schäfchen. Allerdings ist der römisch katholische Glaube auch für einige sehr dunkle Episoden dieser Zeit verantwortlich. Da wären die Inquisition zu nennen und die Kreuzzüge. Beides menschenmordende Ereignisse und man kann es auch als Beginn der Verfolgungen und Pogrome der Juden.
Ansonsten ist die Geschichte Europas seit dem Untergang des römischen Reiches durch 1500 Jahre ununterbrochener Kriegshandlungen gekennzeichnet.
Weitere beeinflussende Ereignisse, wie die Reformation, die Aufklärung, die französische Revolution usw. wurden schon genannt.
Einen Wiederaufstieg zur politischen Macht ist für keinen Nationalstaat Europas möglich. Dies kann nur als Einheit erfolgen. Die Zukunft wird zeigen ob unsere unterschiedlichen Völker sich vereinen können und werden. Sollte dies gelingen wird Europa ein Machtblock innerhalb der Welt sein.
Der Weg und das Ziel sind klar. Es bleibt nur zu fragen ob sich die vielen kleinstaaterisch veranlagten Bewegungen durchsetzen können oder ob der weltoffenere Geist siegt.
Beiträge: 3.913
Themen: 89
Registriert seit: Sep 2003
Zitat:Im Mittelalter entwickelten sich die Vorgänger der späteren Nationalstaaten Europas. Das vereinende Element war zu dieser Zeit die lateinische Sprache der Priesterschaft, welche sich mit der Bewahrung von Wissen ebenso befasste, wie mit dem Seelenheil ihrer Schäfchen. Allerdings ist der römisch katholische Glaube auch für einige sehr dunkle Episoden dieser Zeit verantwortlich. Da wären die Inquisition zu nennen und die Kreuzzüge. Beides menschenmordende Ereignisse und man kann es auch als Beginn der Verfolgungen und Pogrome der Juden.
Im Mittelater begannen sich Staaten zu entwickeln, sehr sehr langsam aber erst. So wirklich begann die Staatswerdung erst mit dem Beginn der Neuzeit.
Der Nationalismus, das pushende, aber bösartige Geschwulst Europas, kam ja erst ab Ende des 18. jahrhunderts und wurde dann ab Mitte des 19. jahrhunderts richtig zu einem bösen Tumor für Europa.
Die lateinische Sprache an sich war kein vereinigendes Element für Europa. Das wäre etwas zu weit. Vereinigende Momente waren die von dir schon genannte römische Rechtstradtion, der christl. Glaube und der Bezug auf ein gemeinsames Erbe (Antike, Rom, da kann man auch den Universalitätsansprich von Papst und Kaiser reinstecken). Latein sprechen konnten damals wohl wirklich nur wenige Prozent der Bevölkerungen. Eher war latein wichtig, um Kommunikation zwischen den Ländern zu ermöglichen.
Zitat:Einen Wiederaufstieg zur politischen Macht ist für keinen Nationalstaat Europas möglich. Dies kann nur als Einheit erfolgen. Die Zukunft wird zeigen ob unsere unterschiedlichen Völker sich vereinen können und werden. Sollte dies gelingen wird Europa ein Machtblock innerhalb der Welt sein.
:misstrauisch:
Also vereinen, wirklich vereinen werden sich die Völker definitiv nicht. Es geht viel eher darum, wie die Einheit der Unterscheidung, wie die Einheit immer unterschiedlicherer Teile effektiv hergestellt wird. In der Selbstwahrnehmung, in den Institutionen, bei den politischen Akteuiren und der Gesellschaft: es geht um erfolgreiche Integration und enge Verbindung höchst unterschiedlicher Teile.
Zitat:Der Weg und das Ziel sind klar. Es bleibt nur zu fragen ob sich die vielen kleinstaaterisch veranlagten Bewegungen durchsetzen können oder ob der weltoffenere Geist siegt.
Da mußte aber schlauer sein als wir alle. Ich sehe momentan weder einen klaren Weg noch ein klares, finales Ziel für die Europäische Integration. Die zu meisternde Aufgabenstellung, die Probleme, die bewältigt werden müssen, sind sehr wohl uns allen klar. Aber wie letztlich das gemacht wird, wie das letztliche institutionelle Ergebnis sein wird, weiß einfach nunmal keiner. Ist viel zu komplex und kompliziert die politischen Entwicklungen derart einschätzen zu können. Diverse Kereuropas je nach Politikfeld, enge Föderation, lose Konföderation/Staatenbündnis, die Eus der unterschiedlichen Geschwindigkeiten, enge Zusammenarbeit vs. nationale Alleinverantwortung je nach Politikfeld, all diese Dinge sind offen.
|