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(20.12.2025, 06:48)muck schrieb: Im Falle Deutschlands nicht, weil sich das gesellschaftliche und politische Klima in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Du willst mir doch nicht erzählen, dass Boris Pistorius mit markigen Reden über Kriegstüchtigkeit und Opferbereitschaft zum beliebtesten Politiker des Landes werden kann, aber den Begriff des "Zerstörers" meiden muss?
Ja, du hast recht, dass sich das gesellschaftliche Klima im Mittel mehr in Richtung Akzeptanz von Militär und der Logik von Aufrüstung zur Verhinderung von Kriegen verschoben hat. Allerdings heißt das nicht, dass die linke Ablehnung von all dem verschwunden ist. Auch in der SPD ist diese noch sehr stark vertreten. Wenn Herr Pistorius also keinen parteiinternen Shitstorm wegen der Frage, ob am Bug eines Schiffes ein "D" oder ein "F" steht, riskieren will und sich stattdessen auf Wichtigeres konzentriert, dann ist das ein legitimer Weg.
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Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwen in den SPD groß interessiert ob das jetzt Fregatten oder Zerstörer sind.
Der Grund für die idotische Bezeichnung ist einfach administratives Inertia. 'Die Bezeichnung steht.' 'Das haben wir schon immer so gemacht.' 'Eine Änderung ist nicht vorgesehen.' usw usf
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Ich denke, dass die Unterscheidung Fregatte/Zerstörer in der politisch-medialen Darstellung sich insofern gewandelt haben dürfte, dass (außerhalb der SPD-Kader) die Denke der Vergangenheit nicht mehr funktioniert, in der die Fregatte mit der Friedenssicherung und der Zerstörer mit der Kriegsführung verknüpft wurde. Heute gibt es da einerseits die Position der Linken, für die Fregatten als gefühltes Mittel der globalen Interventionskriegsführung die gleiche Ablehnung erfahren wie Zerstörer auch (vgl. van Aken). Bei den Radikalpazifisten ist das alles irrelevant, da haben ohnehin seltenst die Argumente einen Bezug zur Realität. Beim Otto-Normalverbraucher andereseits dürfte sich das Bild inzwischen derart geändert haben, dass diejenigen, die das Militär nicht grundlegend ablehnen, sich auch der Notwendigkeit bewusst sind, dass man für den Krieg auch Kriegsgerät braucht. Und die werden auch nicht mehr vom Begriff Zerstörer abgeschreckt.
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(20.12.2025, 14:23)Broensen schrieb: die Denke der Vergangenheit nicht mehr funktioniert, in der die Fregatte mit der Friedenssicherung und der Zerstörer mit der Kriegsführung verknüpft wurde.
Gibt es irgendeinen Beleg, dass es diese Denkweise tatsächlich an den relevanten Stellen gab?
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(20.12.2025, 17:39)Helios schrieb: Gibt es irgendeinen Beleg, dass es diese Denkweise tatsächlich an den relevanten Stellen gab? Ich hoffe doch sehr, dass an wirklich relevanten Stellen nie so gedacht wurde. Nun zähle ich aber die SPD-Funktionärsebene auch nicht zu relevanten Stellen.
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Also gibt es keinen Beleg dafür, dass diese Denkweise ein Kriterium für die Klassifizierung war oder ist. Damit erübrigt sich die Diskussion darüber an dieser Stelle.
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Wird denn heute noch was größeres gebaut außer Fregatten ? Das nächste war Kreuzer eigentlich ?
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(21.12.2025, 17:32)alphall31 schrieb: Wird denn heute noch was größeres gebaut außer Fregatten ? Das nächste war Kreuzer eigentlich ? Nein, zumindest in der jüngeren Geschichte waren das Zerstörer. Und die werden noch von diversen Marinen gebaut.
Bei z.B. den aktuellen Arleigh-Burke-Zerstörern könnte man auch eigentlich schon von Kreuzern sprechen, dafür fehlen ihnen nur ausreichende Führungskapazitäten, die sie aufgrund des CSG-Konzeptes nicht benötigen.
Die Japaner werden mit den ASEV auch wieder neue Kreuzer bauen, die koreanischen KDX-III könnten auch schon als solche durchgehen.
Ich habe mich in einer WHQ-Diskussion gerade nochmal mit der Unterscheidung zwischen Fregatte, Zerstörer und Kreuzer auseinandergesetzt und bin für mich zu folgender Erkenntnis gekommen:
Die Klassifizierung anhand der Anzahl beherrschter Warfare Areas (ASW, AAW, ASuW) funktioniert nicht mehr in einer Zeit, in der sich die ASuW-Fähigkeiten der drei Klassen eigentlich nur durch die Anzahl der Starter unterscheiden und in der EloKa als eine neue Art von "warfare area" hinzugekommen ist, ohne dass es dafür eigene Schwerpunkte oder klare Fähigkeitsabstufungen geben würde.
Daher würde ich zur Unterscheidung von Fregatte>Zerstörer>Kreuzer immer unabhängig von Aufgabe, Schiffsgröße und reiner VLS-Zellen/Kaliber-Diskussion betrachten, zu welcher Form von eigenständiger Operationsführung ein Schiff befähigt ist.
Fregatte: geringe Intensität bei eingeschränktem Bedrohungs- und Aufgabenspektrum
Fregatten können auch alleine operieren, allerdings nur in eingeschränkten Bedrohungsszenarien. Das sind dann meist Mehrzweckfregatten, die Geleitschutz- oder OPV-Aufgaben wahrnehmen. Das funktioniert halt nur dort, wo eigentlich gar keine der warfare areas "vollständig", also über eine Grundbefähigung hinaus, beherrscht werden muss. Fehlt eine Grundbefähigung in Teilbereichen ganz, muss man eigentlich von einer Korvette ausgehen.
Zerstörer: hohe Intensität bei eingeschränktem Bedrohungs- und Aufgabenspektrum
Zerstörer sind grundsätzlich in der Lage, eigenständig auch in Konfrontationen hoher Intensität zu operieren, allerdings ohne dabei das volle Leistungsspektrum in allen Dimensionen abdecken zu können. Also bspw. kann ein U-Jagd-Zerstörer auch ohne ihn unterstützenden Verband operieren, ist dabei allerdings auf eben die U-Jagd als Aufgabe beschränkt und kann nicht parallel auch noch maritime strike o.ä. übernehmen.
Sie können auch Führungsaufgaben im Verband übernehmen, jedoch nicht allein über alle warfare areas hinweg, also bspw. können sie als Verbandsflugabwehr-Führungsschiff innerhalb einer Kampfgruppe zum Einsatz kommen.
Kreuzer: hohe Intensität bei vollumfänglichem Einsatzspektrum (z.B. Machtprojektion, Verbandsführung)
Kreuzer können hingegen grundsätzlich in jeder Umgebung eigenständig operieren und auch grundsätzlich andere Schiffe im Verband führen, wobei es da auch zu Einschränkungen kommen kann insofern, dass Zerstörer in Teilbereichen stärker ausgerüstet sein können als die breiter aufgestellten Kreuzer, insbesondere wenn es sich um Sonderfälle davon handelt wie z.B. Flugdeckkreuzer.
Für die Klassifizierung ist auch egal, ob die Schiffe im Regelfall in Verbänden operieren und welche Funktionen sie dort konkret übernehmen. Das ist dann immer eine Frage der Schwerpunktauslegung innerhalb dieser grundlegenden Klassifizierung.
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(25.12.2025, 19:22)Broensen schrieb: und bin für mich zu folgender Erkenntnis gekommen
Ich kenne das Phänomen, aufgrund zu vieler Informationen fällt hinten etwas runter, dass dann Wochen, Monate oder Jahre später vorn wieder auftaucht und als neue Erkenntnis verbucht wird. Ich zitiere mal eine Aussage von mir dazu aus einer Konversation, die wir vor ziemlich genau zwei Jahren hatten (offenbar treibt dich das Thema besonders um die Weihnachtsfeiertage um  ):
Eine Zeitlang war im Westen die Anschauung verbreitet, dass Kreuzer Zerstörer mit zusätzlichen Führungseinrichtungen sind, Zerstörer in allen Dimensionen (ASW, ASuW/LA und AAW) wirken können, Fregatten nur in einer oder zwei (eine Zweiteilung der Klasse ist nach NATO-Standards immer noch gegeben). Heute ergibt dies in der Form nur noch wenig Sinn, zum einen sind mit EW und BMD neue Dimensionen hinzu gekommen, zum anderen hat sich die Qualität verändert, und Führungsfähigkeiten sind einfacher zu integrieren. Es wurde auch immer wieder eine Klassifizierung nach Reichweite und Zahl der FK vorgeschlagen, durchgesetzt hat sich auch das nicht. Die US Navy zieht die Grenze zwischen Zerstörern und Fregatten heute etwa bei der Durchhaltefähigkeit in verschiedenen Intensitätsstufen.
Vielleicht muss etwas ja manchmal auch einfach sacken, bis es durchdringt.
Aber mal ernsthaft, zu meiner Aussage von damals und deiner neuen Betrachtung seien ein paar Dinge angemerkt. So darf beispielsweise die Fähigkeit nicht auf ein einzelnes System reduziert werden, wie du das beispielsweise für den Bereich ASuW machst. Nur weil etwa auf zwei Einheiten der gleiche FK integriert ist, bedeutet dies nicht, dass die Befähigung zur Überwasserkriegsführung gleich ausgeprägt ist oder gleich durchgeführt werden könnte. Letzteres gilt insbesondere dann, wenn verschiedene Dimensionen gleichzeitig auf hoher Intensität abgedeckt werden sollen. Die ökonomisch und logistisch sinnvolle Vereinheitlichung an Systemen kann leicht zu dem Trugschluss führen, dass dadurch alles gleich wird - für eine sinnvolle Systematik muss das aber differenziert betrachtet werden.
Gleiches gilt auch für die Unterscheidung der einzelnen Dimensionen in den Bereichen, die sich tatsächlich überlagern. So erwähnte ich bereits EW als neue Dimension, gleichzeitig war aber EloKa schon "immer" Bestandteil anderer Dimensionen als ein Wirkmittel, insbesondere von AAW und INT. Gerade letzteres fällt ja generell gern hinten über. Demgegenüber steht die offensive Wirkmöglichkeit per EloKa, die sich immer auf die bekannten Dimensionen bezieht, aber außerhalb von diesen eigenständig betrachtet werden muss, weil ihr Wesen in gewisser Hinsicht unabhängig vom Ziel ist - eine Folge des digitalen Zeitalters, analog war das alles noch viel enger mit einander verwoben. Das führt dann zu dem nächsten Punkt, denn durch die heutigen Möglichkeiten verschwimmen die Grenzen nicht nur zwischen den einzelnen Dimensionen sowohl auf Wirk- wie auch auf Zielseite, sondern auch zwischen der Intensität, mit der sie bearbeitet werden können, sofern nicht der Gesamtverbund Beachtung findet. Dies gilt Schiffsintern, aber insbesondere natürlich auch im Zusammenwirken mit anderen Einheiten, denn das ist ja auch auf der Systemebene eine Zukunftsvision.
Um also eine externe Klassifikation nach Dimensionen aufzustellen, müssten sowohl die theoretischen und praktischen Fähigkeiten wie auch die konkreten Auslegungen und die Anforderungen betrachtet werden. Ersteres und letzteres mag noch funktionieren, aber die praktischen Fähigkeiten und die damit verbundenen konkreten Auslegungen sind da wesentlich schwieriger realistisch einschätzbar. Da liegt die Schwierigkeit, wenn es um die Dimensionen geht.
Das wird aber auch nicht besser, wenn du diese nicht mehr singulär betrachtest, sondern unter einem Begriff wie die "eigenständige Operationsführung" zusammenfasst. Das liegt daran, dass diese nun mal aus den Dimensionen besteht und eben jene damit weiterhin in der notwendigen Tiefe betrachtet werden müssen, zusätzlich aber noch die Bewertung von Intensität und Bedrohung hinzu nimmt.
Von daher bleibe ich bei meiner Ansicht von damals, das darf man alles nicht so eng sehen, das ist alles nicht relevant.
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(26.12.2025, 10:18)Helios schrieb: offenbar treibt dich das Thema besonders um die Weihnachtsfeiertage um  Da finde ich dann halt immer Zeit für sowas.
Zitat:Eine Zeitlang war im Westen die Anschauung verbreitet, dass Kreuzer Zerstörer mit zusätzlichen Führungseinrichtungen sind, Zerstörer in allen Dimensionen (ASW, ASuW/LA und AAW) wirken können, Fregatten nur in einer oder zwei (eine Zweiteilung der Klasse ist nach NATO-Standards immer noch gegeben). Heute ergibt dies in der Form nur noch wenig Sinn, zum einen sind mit EW und BMD neue Dimensionen hinzu gekommen, zum anderen hat sich die Qualität verändert, und Führungsfähigkeiten sind einfacher zu integrieren. Es wurde auch immer wieder eine Klassifizierung nach Reichweite und Zahl der FK vorgeschlagen, durchgesetzt hat sich auch das nicht. Die US Navy zieht die Grenze zwischen Zerstörern und Fregatten heute etwa bei der Durchhaltefähigkeit in verschiedenen Intensitätsstufen.
Vielleicht muss etwas ja manchmal auch einfach sacken, bis es durchdringt. 
Das ist halt nur der Hintergrund für die Klassifizierung, so wie ich sie jetzt aufgeschrieben habe. Im Endeffekt habe ich die genannten Verfahren zusammengefasst und das rausgeschmissen, was mMn nicht eindeutig genug ist und das ist das Zählen von vermeintlich klar voneinander abgrenzbaren warfare ares als abgedeckt oder eben nicht.
Zitat:So darf beispielsweise die Fähigkeit nicht auf ein einzelnes System reduziert werden, wie du das beispielsweise für den Bereich ASuW machst.
Das stimmt natürlich. Das sollte auch nur zum Ausdruck bringen, dass eben heute die warfare area (ich finde, irgendwie trifft es "Dimension" nicht richtig) ASuW quasi fließend zwischen Grundbefähigung und Maximalbefähigung skaliert werden kann, so dass es schwer ist, diesbezüglich eine Klassifizierung vorzunehmen. Das fällt z.B. bei ASW leichter, weil es da bestimmte Komponenten (BHS, TAS) und Auslegungen gibt, über die nicht jedes Schiff verfügt und die einen klaren Unterschied diesbezüglich machen. Ebenso lässt sich bei AAW anhand der unterstützten FK eine abgestufte Klassifizierung vornehmen, zumindest sofern diese mit der verbauten Sensorik halbwegs harmonieren.
Zitat:Gleiches gilt auch für die Unterscheidung der einzelnen Dimensionen in den Bereichen, die sich tatsächlich überlagern.
Meiner Ansicht nach sind ohnehin nur noch ASW und AAW überhaupt einigermaßen abgrenzbare Fähigkeiten. ASuW und ECM/EW/ELoKa sind Fähigkeiten, die jede Einheit aufweist, ohne dass es dafür echte Spezialisten gibt, bzw. fallen diese Spezialisten, sofern es sie gibt, aus dem üblichen Schema von Fregatte/Zerstörer/Kreuzer heraus. BMD ist für mein Verständnis eine Erweiterung des AAW, zumindest wenn es um die Klassifizierung von Schiffen geht. Mir sind keine Schiffe bekannt, die BMD beherrschen, aber keinen AAW-Schwerpunkt besitzen.
Zitat:Um also eine externe Klassifikation nach Dimensionen aufzustellen, müssten sowohl die theoretischen und praktischen Fähigkeiten wie auch die konkreten Auslegungen und die Anforderungen betrachtet werden. Ersteres und letzteres mag noch funktionieren, aber die praktischen Fähigkeiten und die damit verbundenen konkreten Auslegungen sind da wesentlich schwieriger realistisch einschätzbar. Da liegt die Schwierigkeit, wenn es um die Dimensionen geht.
Das ist ja im Prinzip eins meiner Argumente: Die Einteilung in Warefare Areas ist kaum noch möglich, kann also nicht mehr Grundlage der Klassifizierung sein.
Zitat:Das wird aber auch nicht besser, wenn du diese nicht mehr singulär betrachtest, sondern unter einem Begriff wie die "eigenständige Operationsführung" zusammenfasst. Das liegt daran, dass diese nun mal aus den Dimensionen besteht und eben jene damit weiterhin in der notwendigen Tiefe betrachtet werden müssen, zusätzlich aber noch die Bewertung von Intensität und Bedrohung hinzu nimmt.
Aber das ist doch gerade der Punkt. Dadurch, dass diese Bewertungstiefe erforderlich wird, kann ja überhaupt erst wieder eine Klassifizierung stattfinden. Eben weil man alle Dimensionen in der erforderlichen Tiefe beurteilen muss, um zu einer Einordnung zu kommen. Im Gegensatz zu den von dir genannten früheren Definitionsversuchen, die eben zu sehr vereinfachten.
Zitat:Von daher bleibe ich bei meiner Ansicht von damals, das darf man alles nicht so eng sehen, das ist alles nicht relevant. 
Dass das Relevanz hätte, hat auch niemand behauptet. 
Es soll auch nur ein Diskussionsvorschlag sein, daher bin ich offen für Argumente, die gegen diese Einteilung sprechen.
Helios schrieb: Ich persönlich ... ziehe eine Bewertung nach der Qualität in den verschiedenen Dimensionen vor. Je mehr Fähigkeiten also ein Schiff parallel, dauerhaft und offensiv darstellen kann, umso eher wäre es für mich ein Zerstörer. Das ist der Schritt, der erforderlich ist, um eben einordnen zu können, ob die "eigenständige Operationsführung" in Abhängigkeit vom Operationsumfeld möglich ist oder eben nicht. Meine Klassifizierung baut darauf auf, indem sie versucht, virtuelle Grenzen einzuziehen. Was natürlich immer schwierig ist, bei quasi fließenden Übergängen, sowohl auf der Fähigkeits-, als auch auf der Anforderungsseite.
Helios schrieb: ein Zerstörer kann in mehreren Dimensionen (insbesondere AAW und ASW, was ich für die deutsche Marine als offensiven Schwerpunkte sehe) gleichzeitig offensiv wirken, eine AD-Fregatte primär nur in ihrer Hauptdimension (also AAW). Dem würde ich auch folgen, allerdings kann das mMn nicht die grundsätzliche Unterscheidung für jeden Beurteilungsfall sein, weil die Fähigkeiten abseits dieser beiden Dimensionen nicht mit betrachtet werden.
Aber sie widerspricht meiner Klassifizierung auch nicht.
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(26.12.2025, 17:34)Broensen schrieb: Das sollte auch nur zum Ausdruck bringen, dass eben heute die warfare area (ich finde, irgendwie trifft es "Dimension" nicht richtig) ASuW quasi fließend zwischen Grundbefähigung und Maximalbefähigung skaliert werden kann, so dass es schwer ist, diesbezüglich eine Klassifizierung vorzunehmen. Das fällt z.B. bei ASW leichter, weil es da bestimmte Komponenten (BHS, TAS) und Auslegungen gibt, über die nicht jedes Schiff verfügt und die einen klaren Unterschied diesbezüglich machen.
Grundbefähigung und Maximalbefähigung sind doch nur Begriffe, die eine Quantifizierung vorgaukeln ohne irgendetwas wirklich zu definieren. Die Aussage, dass sie fließend skaliert werden können unterstützt das, denn dies ist nicht der Fall. Und genauso wie ASW auch gibt es bei ASuW Komponenten (wie beispielsweise integrierte, abgesetzte und verbundene Aufklärungsmittel), die theoretisch eine Klassifizierung erlauben. Genauso wie bei ASW und AAW ist das aber mit öffentlichen Informationen nur bedingt nachvollziehbar, weswegen eine öffentliche Klassifizierung auf Basis der Tiefe der Fähigkeiten in bestimmten oder allen Bereichen seriös nur so oberflächlich möglich ist, dass es unerheblich wird.
Und das zeigt auch deine Argumentation, die sich letztlich selbst widerspricht:
Zitat:Das ist ja im Prinzip eins meiner Argumente: Die Einteilung in Warefare Areas ist kaum noch möglich, kann also nicht mehr Grundlage der Klassifizierung sein. (...)
Aber das ist doch gerade der Punkt. Dadurch, dass diese Bewertungstiefe erforderlich wird, kann ja überhaupt erst wieder eine Klassifizierung stattfinden. Eben weil man alle Dimensionen in der erforderlichen Tiefe beurteilen muss, um zu einer Einordnung zu kommen. Im Gegensatz zu den von dir genannten früheren Definitionsversuchen, die eben zu sehr vereinfachten.
Wenn schon die differenzierte Betrachtung verschiedener Dimensionen mit öffentlichen Informationen kaum sinnvoll möglich ist, wie sollte dann die Bewertung der Fähigkeitstiefe in verschiedenen Dimensionen mit öffentlichen Informationen möglich sein? Selbst wenn wir die Existenz unterschiedlicher Dimensionen völlig ignorieren ist das nicht möglich. Deine Einteilung ist letztlich so gut oder schlecht wie andere auch, mein Problem damit offenbart eher dein letzter Satz des zitierten Blocks: dich stört eine Einfachheit (die in gewisser Hinsicht zur Beliebigkeit führt), was du meiner Ansicht aber nicht ändern kannst, und deshalb kaschieren willst.
Zitat:Dass das Relevanz hätte, hat auch niemand behauptet. 
(...)
Es soll auch nur ein Diskussionsvorschlag sein, daher bin ich offen für Argumente, die gegen diese Einteilung sprechen.
Eine Klassifikation sollte aber Relevanz haben, egal wie diese konkret aussieht. Eine Diskussion kann nur dann sinnvoll erfolgen, falls du die Frage, warum du überhaupt klassifizieren willst, beantworten kannst. Kannst du es, dann ist das die Relevanz, kannst du es nicht, nenne die Schiffe einfach wie du willst, dann ist es völlig egal. So einfach ist das.
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(27.12.2025, 10:42)Helios schrieb: Deine Einteilung ist letztlich so gut oder schlecht wie andere auch, mein Problem damit offenbart eher dein letzter Satz des zitierten Blocks: dich stört eine Einfachheit (die in gewisser Hinsicht zur Beliebigkeit führt), was du meiner Ansicht aber nicht ändern kannst, und deshalb kaschieren willst. Ich würde eher sagen, dass ich versuche, die unvermeidbare Beliebigkeit so weit wie möglich zu reduzieren.
Zitat:Eine Klassifikation sollte aber Relevanz haben, egal wie diese konkret aussieht. Eine Diskussion kann nur dann sinnvoll erfolgen, falls du die Frage, warum du überhaupt klassifizieren willst, beantworten kannst. Kannst du es, dann ist das die Relevanz, kannst du es nicht, nenne die Schiffe einfach wie du willst, dann ist es völlig egal.
Der Grund für mich ist im Prinzip, dass diese Klassifizierung ja defacto vorgenommen wird, nur halt ohne festgelegte Definition, jeder wie er mag. Wir können auch alle einfach Kriegsschiff oder konkreter: Major Surface Combatant nennen, ist auch auch okay. Ober WENN wir zwischen Klassen unterscheiden, DANN doch bitte auch auf einer halbwegs nachvollziehbaren Grundlage, die es ermöglicht, anhand der Benennung auch eine gewisse Einordnung der Leistungsfähigkeit vorzunehmen.
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(27.12.2025, 16:53)Broensen schrieb: Ich würde eher sagen, dass ich versuche, die unvermeidbare Beliebigkeit so weit wie möglich zu reduzieren.
Ich glaube dir, dass du das glaubst, in meinen Augen machst du es halt einfach nur komplizierter, ohne dass die Beliebigkeit verloren geht. Nichts von dem, was du als Kriterien nennst, ist irgendwie allgemeingültig quantifiziert; es ist also alles Auslegungssache, was schwer fällt, weil einiges schwer auf Basis öffentlicher Informationen zu bewerten ist. Darüber hinaus sind deine Beispiele, wie etwa der ASW-Zerstörer, der kein LA parallel kann, oder auch die eingeschränkte Führungsfähigkeit über nur einige oder eine Dimension, operativ nur sehr schwer nachvollziehbar. Darüber hinaus verkennt die völlige Reduzierung auf vermeintliche Kampfkraft und Führungsfähigkeit die Vielfalt anderer Faktoren, die ebenfalls eine Auswirkung haben sollten - je nach Zielsetzung.
Zitat:Der Grund für mich ist im Prinzip, dass diese Klassifizierung ja defacto vorgenommen wird, nur halt ohne festgelegte Definition, jeder wie er mag. Wir können auch alle einfach Kriegsschiff oder konkreter: Major Surface Combatant nennen, ist auch auch okay. Ober WENN wir zwischen Klassen unterscheiden, DANN doch bitte auch auf einer halbwegs nachvollziehbaren Grundlage, die es ermöglicht, anhand der Benennung auch eine gewisse Einordnung der Leistungsfähigkeit vorzunehmen.
Mal abgesehen davon, dass die "gewisse Einordnung" schon direkt die erste Beliebigkeit darstellt, kannst du die Leistungsfähigkeit einzelner Klassen im direkten Vergleich über eine solche Klassifikation sowieso nicht abbilden. Dafür spielen bei den jeweiligen Fähigkeitsanforderungen zu viele Aspekte eine Rolle, die alle Einfluss auf die Fähigkeiten der Schiffe haben. Schon innerhalb der NATO gibt es so viele Unterschiede, trotz vergleichsweise ähnlicher Einsatzdoktrinen und definierter Standards, global betrachtet ist das so vielfältig, das funktioniert schlicht nicht auf einer sinnvollen Ebene. Und hier im Forum einen eigenen Standard zu etablieren dürfte auch kaum möglich sein, egal wie du den definierst.
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