06.12.2025, 01:31
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Krieg im 21. Jahrhundert
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06.12.2025, 12:57
Meiner Meinung nach nicht nur für die Briten. Auch etliche andere europäische Nationen könnten solche Divisionen aufstellen und wären damit deutlich besser aufgestellt als mit dem was sie haben.
Das könnte beispielsweise eine Art standardisierte Europäische Norm-Division sein, während andere Divisions-Strukturen als spezialisierte Divisionen dann an die Seite derselben treten.
10.12.2025, 15:55
Urban Warfare in Gaza: Alles wie erwartet? Militärische Lehren aus einem hochintensiven urbanen Konflikt
https://www.unibw.de/ciss/working-paper-...20Gaza.pdf
10.12.2025, 17:32
Zitat:Für Hamas-Kämpfer bieten Trümmerlandschaf-Entscheidend waren die Tunnel als Rückzugsraum, weniger die Trümmerlandschaften. Die Hamas war selbst dann zu Angriffe fähig als die IDF das fragliche Gebiet effektiv plattgewalzt hatte. Zitat: Selbst mit massiver Trup-Umgekehrt wird ein Schuh draus, es war genau die fehlende Truppenstärke die es Verunmöglichte genommene Gebiete dauerhaft zu halten. Die aktiven Truppenteile setzen noch Schwerpunkte (bzw verlegten an die Nordfront) und Reserveverbände wurde nicht über Monate/Jahre mobilisiert gehalten. Zitat:Die Zerstörung der Tunnel war mit hohen Risi-Tatsächlich war es im Falle Sinwars die Aktivität der IDF und die bevorstehende Entdeckung seines Tunnelverstecks (das auch ausgehoben wurde), dass ihn an die Oberfläche zwang und sein Schicksal besiegelte. Die Geiseln waren weniger unauffindbar als nicht rettbar, die IDF vermied es tunlichst in Gebieten zu operieren in denen man Geiseln vermutete oder wusste um ihre Tötung zu vermeiden. Die Operation in den Tunneln lief unter technischen Gesichtspunkten eigentlich sehr gut. Die spezialisierten und technologisch hochgerüsteten Einheiten zur Tunnelkriegsführung hatten wenig Probleme zu operieren. Es gab nur viel zu wenige um die gewaltige Zahl an Hamas-Tunnelsystemen abzuarbeiten. Wobei der Großteil der Tunnel bestenfalls taktische militärische Relevanz hat. Die Lehren die die Nato daraus ziehen kann sicht limitiert, Gaza ist ein sehr spezieller Fall. Zitat:Besonders im urbanenIm bemühten Artikel steht, das 18 von 170 KIA aufgrund fehlerhafter Identifizierung durch eigene Kräfte getötet wurden, 2 Soldaten fielen nachdem sie versehentlich vom eigenen Feuer erfasst wurden. Mit etwas über zehn Prozent liegt man im statistischen Mittelfeld, was für das Einsatzszenario eigentlich recht gut ist. Das ist auch kein Zufall, die IDF unternahm einiges um eigene Kräfte zu entkonfliktieren. Kernstück war die rigorose Zuweisung enger Operationsräume für einzelne Einheiten, was wiederrum eigene taktische Herausforderungen mit sich brachte. Zitat:Die Lehren für westliche Streitkräfte sind deut-Ein gefährlicher Trugschluss. Die IDF durchlief in Gaza eine ganz ähnliche Evolution wie wir sie in der Ukraine sehen und brachte eine Vielahl neuer Drohnensysteme für den Kampf aus der Luft, am Boden und unter Tage zum Einsatz. Technikgläubigkeit wurde dabei stets großgeschrieben, trotz oder gerade im Verbund mit massivem Konventionellen Feuer. Ja, die Drohnen übernahmen sicherlich nicht die Kriegsführung in dem Ausmaß wie wir es in der Ukraine sehen. Schlicht weil die Hamas nicht Russland und die IDF nicht die AUF sind und weniger weil der urbane Kampf in Gaza so furchtbar viel anders ist als der Kampf in den urbanen Räumen in der Ostukraine. Man könnte sogar festhalten, dass die IDF in Sachen UGVs in wenigen Monaten weitere Wege gegangen ist als wir es in der Ukraine sehen. Zitat:Viele ReservistenEine Behauptung, die sich weder in der Performance der Reserveverbände noch in der Manöverkritik der Israelis wiederspiegelt. Die Belege dafür "standen zu nah an Panzern" und "töteten Geiseln" erscheinen mir da doch sehr bemüht. In einer oberflächlichen Betrachtung wie es dieser Bericht versucht wäre zunächst mal unterstreichenswert, dass die Verluste der IDF sehr gering waren und Reserveverbände nicht nur Seite an Seite mit den aktiven Verbänden gekämpft sondern Offensiven teilweise auch eigenständig getragen haben. Das Reserveverbände querschnittlich schlechter ausgebildet und ausgerüstet sind als reguläre Verbände ist eine Binsenweisheit. Trotzdem hat sich das israelische Konzept einer Reservearmee in taktischen Kontext durchaus bewährt. Das man die Wehrpflichtigen "eher für Polizeiaufgaben in der Westbank" eingesetzt aht ist Unfug; offensichtlich hat der Autor wenig Detailwissen dahingehend, welche IDF Bataillone in der West Bank aktiv sind und welchen Tätigkeiten sie jeweils nachgehen. Auch das es keine Auffrischungstrainings gegeben hat ist so nicht korrekt. Natürlich nicht unmittelbar nach dem 7. Oktober, aber 2024 und 2025 gab es das für wieder eingesetzte Verbände durchaus. Zitat:Die Beharrlichkeit der israelischen Regierung,Die Behauptung Nentanyahu habe keine Strategie gehabt wird mit den Ergebnissen des Krieges nicht überzeugender. Schade das sich der Autor des Berichts im Fortgang dafür hergeben, alte ausgetretene Pfade der politischen Agitation gegen Netanyahu zu beschreiten. Eine differenzierte Betrachtung anstatt der Wiederholung bekannter Schemata wäre interessanter gewesen. Zitat: Fazit: Überraschend oder erwartbar?Die IDF überraschend erfolgreich, die IDF Führung strategisch überraschen borniert und die Hamas überraschend zahnlos. Lehre Nummer Eins für die Nato: Der kompromisslose Einsatz von massiven Feuer löst viele Probleme. Es braucht vor allen Dingen mehr Munition und den Willen sie auch einzusetzen.
11.12.2025, 18:02
Allgemein (ich mische mal aus dem Beitrag meines Vorredners seine Ausführungen und die aus der Vernetzung):
Zitat:Entscheidend waren die Tunnel als Rückzugsraum, weniger die Trümmerlandschaften. Sehe ich ebenso. Städte sind für Verteidiger in Wahrheit gar nicht so vorteilhaft, wie man gemeinhin meint, denn sie bieten auch dem Angreifer erhebliche Vorteile. Dies ändert sich erst, wenn die Stadt sehr weitgehend für den Kampf vom Verteidiger vorbereitet wurde. Das geht aber gar nicht so ad hoc bzw. so schnell. Die Hamas aber hatte viele Jahre lang Zeit, eine entsprechende urbane Verteidigung einzurichten. Zitat:Selbst mit massiver Truppenstärke lassen sich Metropolen kaum vollständig kontrollieren. Das stimmt so definitiv nicht. Ein Grund warum die IDF hier in Gaza Probleme hatte war zum einen ein Mangel an Truppen, wie auch Nightwatch es schon benannt hat, zum anderen aber auch eine verfehlte Strategie, die schlussendlich gar keine Kontrolle anstrebte. Es wurde ja erst gar nicht versucht wirklich die Kontrolle zu erlangen. Im übrigen ist das der Grund (Kontrolle) warum der Kampf in Städten viele Truppen bindet. Denn an der eigentlichen "Front", also den Feind bekämpfend, stehen gar nicht so viele Truppen, weil dort gar nicht so viele Truppen zugleich agieren können. Man benötigt also nicht viele Truppen für eine Stadt weil der Feind darin steht (per se), sondern 1. wegen der größeren / schnelleren Erschöpfung der Kämpfer, weshalb diese öfter rotiert werden müssen 2. weil Verluste Personal binden, weshalb hier öfter rotiert werden muss und 3. und vor allem anderen: weil man die Zivilbevölkerung und den Raum kontrollieren muss. Zitat:Die Zerstörung der Tunnel war mit hohen Risiken verbunden. Einerseits mussten mögliche Das Risiko bestand primär für die Geiseln und diese schränkten die Israelis extrem ein. Tatsächlich hat die IDF wie auch die israelische Politik sich durch die extreme politische Überhöhung der Geiseln massiv einschränken lassen, in einem Ausmaß, dass miltärisch hochgradig nachteilig war. Die Zerstörung ziviler Infrastruktur ist im weiteren auch kein Risiko. Die Gefährdung eigener Kräfte ist marginal. Es ist mir nicht verständlich, wie hier von einem hohen Risiko gesprochen werden kann. Armeen sind dazu da zu töten, zu morden und zu zerstören. Dass ist im Sinne von Clausewitz das eigentliche Ziel der Kriegsführung (den Gegner in einen Zustand der Wehrlosigkeit versetzen indem man ihn vernichtet (im weiteren Sinne des Wortes), welche anstelle des eigentlichen Zieles des Krieges treten. Das Ziel der Kriegsführung und die Ziele des Krieges sind daher nicht per se deckungsgleich. Dass ist eigentlich in Wahrheit die wirklich bedeutsame Erkenntnis von Clausewitz. Und das leitet gleich gut über zu einer der tatsächlich sehr relevanten Erkenntnisse aus Gaza (gleicher Sachzusammenhang): der Widerspruch zwischen der politisch-strategischen Ebene und der militärisch-strategischen Ebene. Je größer dieser ist, desto schwieriger wird der Krieg und desto schwieriger wird es zu siegen oder zeitnah zu siegen. Also muss dieser Widerspruch so gering wie möglich gehalten werden. Diesbezüglich wäre es notwendig, dass die politisch-strategische Ebene die Zielsetzungen der militärisch-strategischen Ebene weitergehender ermöglicht, bzw. sich diesen unterordnet. Das ist in Gaza meiner Ansicht nach so nicht geschehen und stellte durchgehend ein erhebliches militärisches Problem dar. Zitat:Die Lehren die die Nato daraus ziehen kann sicht limitiert, Gaza ist ein sehr spezieller Fall. Sehe ich nicht so. Man kann aus allem Lehren ziehen die man auch andernorten verwenden kann. Man stelle sich beispielsweise vor, russische Truppen besetzen im Handstreich eine grenznahe Stadt in EU Gebiet, und müssen dem folgend mühsam aus dieser heraus gekämpft werden. Zitat:Besonders im urbanen Gefecht stiegen die „Blue-on-Blue“-Vorfälle drastisch: ein beträchtlicher Anteil aller israelischen Verluste ging auf Eigenbeschuss zurück Wie Nightwatch es ja schon ausgeführt hat stimmt das nicht. Der Eigenbeschuss der Israelis war querschnittlich eher gering bzw. komplett im Rahmen des üblichen. Zitat:Die Lehren für westliche Streitkräfte sind deutlich: Drohnen spielen im Ukrainekrieg bei statischen Fronten eine Schlüsselrolle, stoßen jedoch im hochdynamischen urbanen Umfeld wie Gaza an Grenzen. Das ist Schwachsinn. Ganz im Gegenteil hat der vielfältige Einsatz von Drohnen durch die IDF aufgezeigt, wie absolut elementar Drohnen gerade im urbanen Umfeld sind. Darüber hinaus ist der Kampf in Städten vom Charakter her auch eher statisch. Es ist schon abstrus ihn als hochdynamisch zu bezeichnen. Zitat:Bebauung, Untergrund und gegnerische Gegenaufklärung machen das Schlachtfeld alles andere als „transparent“. Und genau deshalb sind Drohnen aller Art noch wesentlicher als sonst. In diesem Kontext ist es übrigens bemerkenswert, wie gut die Israelis die Drohnen der Hamas abwehren bzw. unter Kontrolle bringen konnten so dass diese kaum eine Rolle spielten. Zitat:Für die Bundeswehr folgt daraus: UAVs sind wertvolle Ergänzungen, aber kein Allheilmittel. Einsatz und Nutzen hängen vom Gelände und vom Gegner ab – dogmatische Technikgläubigkeit ist fehl am Platz. Allgemeinblabla was nichts aber auch rein gar nichts mit Gaza zu tun hat. Zitat:die IDF unternahm einiges um eigene Kräfte zu entkonfliktieren. Kernstück war die rigorose Zuweisung enger Operationsräume für einzelne Einheiten, was wiederrum eigene taktische Herausforderungen mit sich brachte. Das rigide zuweisen von Räumen und die Kontrolle dieser Zuweisung senken zwar das Risiko, stellen aber zugleich militärisch manchmal eine erhebliche Behinderung dar. Insgesamt ist ein zu enges zuweisen von Räumen für bestimmte Einheiten meiner Meinung nach eher kritisch zu sehen und wäre das höhere Risiko es wert eingegangen zu werden. Das gilt aber ganz allgemein. Zitat:Unerfahrene Soldaten suchten Deckung in unmittelbarer Nähe von Merkava-Panzern, was Unfug. Und völlig fernab jedweden tatsächlichen Kriegshandwerks. Die Bundeswehr wäre nicht mal ansatzweise in der Lage gewesen das gleiche zu leisten. Und dass nur so wenige Geiseln umgekommen sind, grenzt an ein Wunder und war vermutlich teilweise auch einfach nur viel Glück. Zitat:Zwischen dem Massaker vom 7. Oktober und Beginn der Bodenoffensive lagen nur wenige Wochen – zu Auch recht fragwürdig. Man kann in mehreren Wochen erstaunlich viel für den urbanen Raum lernen und trainieren, wenn man es kann. Man kann dann die Truppen auch im Echteinsatz erstmal stückweise mit immer anspruchsvolleren Aufgaben betrauen. Dass die Bundeswehr es nicht hinkriegt, Infanterie schnell, effektiv und effizient auszubilden ist da nochmal eine komplett andere Geschichte und das Problem der Bundeswehr und nicht der eigentlich notwendigen Ausbildung an sich. Darüber hinaus ist der Kampf im urbanen Raum für Infanterie in Wahrheit gar nicht so viel anspruchsvoller. Denn Infanterie kann sich im urbanen Raum offensiv nicht allein durchsetzen. Sie dient daher stattdessen dazu Fühlung mit dem Gegner zu erlangen und dann Feuerkraft anderer Systeme abzugreifen. Zitat:Lehre Nummer Eins für die Nato: Der kompromisslose Einsatz von massiven Feuer löst viele Probleme. Es braucht vor allen Dingen mehr Munition und den Willen sie auch einzusetzen. Nichts hinzuzufügen.
12.12.2025, 17:41
Die wichtigste Erkenntnis aus Gaza - vor allem anderen - ist die, welche in Wahrheit auch seit jeher die eigentlich wichtigste Erkenntnis von Clausewitz war:
Zitat:Gewalt, d. h. die physische Gewalt (......), ist also das Mittel, dem Feinde unseren Willen aufzudringen, der Zweck. Um diesen Zweck sicher zu erreichen, müssen wir den Feind wehrlos machen, und dies ist dem Begriff nach das eigentliche Ziel der kriegerischen Handlung. Es vertritt den Zweck und verdrängt ihn gewissermaßen als etwas nicht zum Kriege selbst Gehöriges.
13.12.2025, 18:49
https://mwi.westpoint.edu/the-death-of-t...trol-base/
Über die Bedeutung der Thermalsicht, die mMn immer noch zu viele nicht in dem Ausmaß umreißen dass eigentlich notwendig wäre: Zitat:Traditional concealment depended on terrain, discipline, and camouflage. Each of these foundations is now eroded. Terrain, which once masked movement and protected bases, now often creates contrast that enhances detection. A soldier dug into the cold earth of a forest stands out not because of his shape, but because of his temperature relative to his surroundings. A triangular patrol base, with three predictable nodes of human heat, is not a clever geometric solution; it is a thermally obvious cluster recognizable from hundreds of meters. Noise and light discipline, long the bedrock of infantry professionalism, no longer compensates for thermal visibility. A silent unit still radiates: Warm weapons, the residual heat of recently fired brass, sweat evaporating off clothing, and boot prints in recently disturbed soil all glow to even modestly capable thermal devices. Visual camouflage, from face paint to ghillie suits, works primarily against the human eye rather than thermal sensors. Thin brush, nylon fabric, and wet vegetation offer little protection. In an age of omnipresent thermal surveillance, the disciplined soldier may still be tactically proficient, but no longer invisible even when attempting to employ thermal mitigating equipment.
30.12.2025, 12:42
https://www.youtube.com/watch?v=GF7yEihDEUI
Zitat:Schwere Panzer gelten im Zeitalter von Drohnen, Präzisionsraketen und transparenten Schlachtfeldern oft als überholt. Dennoch investiert die NATO weiterhin massiv in Kampfpanzer und Panzerverbände. Meine Anmerkung dazu: Das Problem mit Panzern (im weitesten Sinne) und das gilt auch für andere Systeme, insbesondere für Helis - ist nicht dass sie zerstört werden. Dass Drohnen, Minen und Artillerie die Panzer abnutzen. Oder dass Fliegerfäuste, Drohnen und FlaRak die Helis herunter holen. Den Fakt ist, dass früher Panzer genau so vernichtet wurden wie heute. Im 2WK wurden immens viel mehr Panzer zerstört als heute. Sowohl in absoluten Zahlen als auch prozentual zum Gesamtbestand. In Vietnam galt das gleiche für Helis. Es wurden unzählige Helis abgeschossen, prozentual zum Bestand mehr als heute in der Ukraine. Das ist etwas was die wenigsten verstehen - weil es so kontraintuitiv ist. Die Verluste der Panzer in der Ukraine sind nicht sonderlich hoch, sind nicht überraschend und sind trotz der Drohnen keineswegs zu hoch bzw. so hoch, dass der Panzer dadurch negiert würde. Das Problem ist ein ganz anderes: die Kosten, die Produktionszeit pro neuem Panzer und der logistische Gesamtaufwand. All dies ist pro Panzer immens viel größer als früher, und zwar auch wenn man es in Verhältnis setzt. Die Kosten pro Panzer und selbst für die Bezahlung der Panzerbesatzung sind weit überproportional gestiegen. Weit über die Inflationsrate. Und dies nicht nur im Vergleich zum 2WK oder Vietnamkrieg, sondern schlussendlich auch im Vergleich zu 1995. Der Anstieg in den letzten 20 Jahren war dramatisch. Die Produktionszeit ist viel größer. Der logistische Gesamtaufwand ist viel höher. Entsprechend verschlingen mechanisierte Großkampfverbände immense Mittel, die Leistung aber ist im Prinzip immer noch die gleiche (Verluste mit einberechnet). Das heißt die Kosten pro Leistungseinheit steigen und steigen. Was aber ist nun die Leistung von Kampfpanzern? Schlussendlich sind Kampfpanzer nichts anderes als Feldartillerie. Kanonen. Wortwörtlich. Früher hatte man einfach Kanonen auf dem Schlachtfeld, die im direkten Feuer auf feindliche Truppen wirkten. Dann baute man schwere Frontschilde an um die Soldaten der Besatzung vor Beschuss zu schützen. Und schlussendlich bewegt man heute die Kanone in einem rundum geschützten Fahrzeug. Dies ist primär deshalb notwendig, weil die Kanone, welche feindliche Einheiten, Systeme usw. im direkten Feuer zerstört ansonsten feindlichem Feuer - insbesondere von indirektem Feuer. Die Wirkung / Leistung von indirektem Feuer ist analog zur negativen Entwicklung des Verhältnis von Kosten und Leistung beim Kampfpanzer fortwährend gestiegen. Dazu kommt noch das immer leistungsfähigere Feuer der Infanterie. Damit die Kanone / die Feldartillerie also im direkten Schuss wirken kann, muss sie gegen Infanteriewaffen und Splitter etc. geschützt werden. Nun hat man Kampfpanzer im Laufe der Jahrzehnte des Kalten Krieges aus spezifischen Umständen immer mehr und mehr darauf spezialisiert, feindliche Kampfpanzer als primäres Ziel zu zerstören. Entsprechend wurden die Panzer darauf spezialisiert. Nun stehen wir heute einer weiteren Steigerung des indirekten Feuers gegenüber, bei einer absinkenden Leistung pro ausgegebenem Euro bei den Kampfpanzern. Man merke auf, dass ich explizit nichts über Drohnen schreibe, Verzögerungsmunition usw. Es geht stattdessen um das indirekte Feuer insgesamt. Beide Kurven laufen sozusagen gegeneinander, und man kommt dann an den Punkt, wo schlussendlich das indirekte Feuer von der Leistung her das direkte Feuer einer Kanone vollständig und tatsächlich ersetzen kann. Dem folgend würde die Feldkanone, die Feldartillerie in der Form eines Kampfpanzers keinen Sinn mehr machen, weil man das gleiche Geld besser in das indirekte Feuer investieren sollte. Dem folgend würde dieses noch massiver ausfallen und Durchbrüche etc. würden nicht mit Kampfpanzern im direkten Feuer, sondern einfach durch indirektes Feuer erzeugt werden. Die entscheidende Frage ist also, ob indirektes Feuer von der Wirkung im Verhältnis zu den Kosten tatsächlich das gleiche Verhältnis bei Kampfpanzern übertrifft. Und das ist fragwürdig. Denn die angeführte Überspezialisierung könnte leicht mit einer neuen, völlig anders konzipierten Generation von Kampfpanzern überwunden werden, der Schutz gegen indirektes Feuer könnte wieder in den Mittelpunkt der Ausrichtung der Panzerung rücken und gibt man die Idee auf, dass feindliche Kampfpanzer durch eigene Kampfpanzer bekämpft werden, kann man jede Menge Vorteile für die Kampfpanzer generieren, und demzufolge die Leistung der Kampfpanzer deutlich erhöhen. Womit das Verhältnis von Leistung zu Kosten sich ebenfalls wieder verschiebt. Schlussendlich ist also nicht der Kampfpanzer überholt, veraltet, nicht mehr sinnvoll, sondern der Kampfpanzer des Kalten Krieges, der Kalter Krieg MBT, die Feldartillerie mit einer Überspezialisierung auf die Vernichtung eben dieser MBT. Die Schlußfolgerung ist also, dass wir ANDERE Kampfpanzer benötigen.
31.12.2025, 09:45
Über Motorräder:
https://www.hartpunkt.de/das-krad-im-ukr...-angriffs/ Eine interessante Anmerkung am Ende des Artikels ist, dass Motorräder auf dem Land in Russland sehr verbreitet sind und sehr viele Russen Motorrad fahren können. Das kann ich so aus eigener Anschauung bestätigen. Und die fahren damit in abgelegenen Gebieten halt auch viel querfeldein, während es in Deutschland nicht so üblich ist mit Motorrädern im Gelände zu fahren. Ich könnte nun anmerken, dass ich schon vor vielen Jahren immer davon geschrieben habe, dass Motorräder für leichte Infanterie elementar werden, aber viel wesentlicher ist, warum ich dies schrieb: denn damals gab es die heutige Drohnen-Situation ja noch gar nicht. Der primäre Grund war der, welcher im Artikel auch betont wird: Die Möglichkeit sehr schnell große Distanzen zurücklegen zu können und dies mit zusätzlicher Ausrüstung. Mir ging es damals (vor den aktuellen Umständen) primär darum, dass leichte Infanterie so bei maximaler Querfeldeinbeweglichkeit mit zusätzlicher Ausrüstung durch fast jedes Gelände mit erheblicher Geschwindigkeit verlegen kann. Ich bin ja allgemein immer besessen von Geschwindigkeit. Größere und insbesonderer gepanzerte Fahrzeuge aber lehne ich für leichte Infanterie ab, und so kam ich auf Motorräder. Es ist für mich mehr als amüsant zu sehen, dass jetzt, in einem großen konventionellen Krieg erneut eine meiner Annahmen eingetroffen ist. Zitat:Den Autoren des Dokumentes zufolge ist ein Motorrad gegenüber einem leichten Geländewagen wegen der geringeren Signatur und kompakten Größe im Vorteil. So sei ein Krad leichter zu verbergen und bei einem Angriff in bebautem oder bewaldetem Gelände die Möglichkeit gegeben, so unterziehen zu können, dass eine Verfolgung durch die FPV-Drohne zumindest erschwert werde. Auch sei das Situationsbewusstsein auf dem Motorrad deutlich besser. Gleichzeitig können Jammer mitgeführt werden, welche für den abgesessenen Einzelschützen eine beträchtliche Last darstellen würden. Dieser Umstand wird zudem dadurch begünstigt, dass FPV-Drohnen eine vergleichsweise „träge“ Wirkmittelkategorie sind. Je nach Abstand zwischen Ziel und Startpunkt der Drohne, können selbst bei vergleichsweise kurzen Einsatzdistanzen von wenigen Kilometern wichtige Minuten zwischen Zielaufklärung und möglicher Bekämpfung vergehen. Zeitabstände in denen das mittels Krad motorisierte Ziel sich bereits außerhalb der Reichweite – Entfernung oder Deckung – bringen kann. Bei mir war damals / ursprünglich noch die Idee sich schlagartig Artillerie entziehen zu können. Und heute eben Drohnen, aber das grundsätzliche Prinzip ist das gleiche. Und insbesondere kann man so eine schwere Körperpanzerung mitführen (mehr SK4 Platten) und Jammer und mehr Munition / Wirkmittel usw. und dies querfeldein, ohne dass man dadurch körperlich erschöpft wird. Und die Signatur ist trotzdem geringer. Zitat:Krafträder mit elektrischem Antrieb sind zudem bereits seit Anfang des Krieges auf ukrainischer Seite dokumentiert worden. So etwa E-Bikes des einheimischen Herstellers Delfast. Die bei Panzervernichtungstrupps oder auch zur Infiltration von Scharfschützen oder zur Aufklärung eingesetzt werden. Drohnentrupps sind übrigens auch immer mehr mit Krädern unterwegs. Man kann die Drohnen und die für den Einsatz derselben benötigte Ausrüstung sehr gut per Krad transportieren, aber zur Fuß nicht so gut, während größere Fahrzeuge wieder ein Problem darstellen. Insbesondere kann man die Kräder viel leichter verbergen wenn man dann irgendwo "frontnäher" Stellung bezieht. |
