(See) Indische konventionelle U-Boote
#1
Mit gleich zwei Artikeln befasst sich ESuT mit dem aktuellen konvntionellen U-Boot Programm der Inder, die ja bisher - teilweise unter Lizenzvereinbarung - solche Tauchboote aus Deutschland, Frankreich und Russland bezogen haben.
Anlass ist der bevorstehende Besuch vom Bundeskanzler in Indien - und das sollte auch für das Forum ein Anlass sein, sich diesen Programmen zu widmen. Da ich trotz mehrfachem Durchblättern (bin ich wirklich schon so blind?) nichts gefunden habe, mach ich nun den entsprechenden Strang auf.

1. Strategische U-Boot-Kooperation Deutschlands – U-Boot-Technologie im Indischen Ozean

Zitat: Während die geopolitischen Spannungen im Indischen Ozean zunehmen, steht ein entscheidendes Ereignis bevor. Die deutsch-indischen Regierungskonsultationen am 24. Oktober in Neu-Delhi könnten das P-75I-Projekt der indischen Marine maßgeblich voranbringen. Unter dem Motto „Growing Together with Innovation, Mobility and Sustainability“ wird Bundeskanzler Olaf Scholz an den Gesprächen teilnehmen, um die bilaterale Zusammenarbeit zu stärken. Das U-Boot-Projekt ist durchaus bedeutsam für die deutsche Industrie, da es innovative Technologien fördert und neue Märkte erschließt.

...
Die Modernisierung und Erweiterung der indischen Marineflotte ist ein entscheidender Schritt, um den maritimen Herausforderungen, insbesondere der wachsenden Präsenz der chinesischen Marine, effektiv zu begegnen. Das P-75I-Projekt, das die Beschaffung von sechs neuen U-Booten vorsieht, ist ein zentraler Bestandteil dieser Strategie. Diese U-Boote sollen nicht nur die bestehende Flotte ergänzen, sondern auch den Weg für die Entwicklung und Produktion einheimischer U-Boot-Modelle ebnen.
...
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass Indien seine U-Boot-Flotte nicht nur durch Neubauten, sondern auch durch die Modernisierung bestehender Einheiten stärkt. So wurde kürzlich ein Vertrag mit thyssenkrupp Marine Systems (tkMS) zur Überholung und Modernisierung des U-Bootes INS „Shankush“ unterzeichnet, welches Teil der in den 1980-er Jahren gebauten HDW-Klasse 209 Typ 1500 ist. Dies deutet auf eine langfristige Strategie hin, die sowohl die Erneuerung als auch die Erweiterung der U-Boot-Flotte umfasst.

Die Entscheidung Indiens, weitere „Scorpène“-U-Boote zu bestellen, steht noch aus und wird durch den hohen Preis beeinflusst.
...

Strategische Meeresverteidigung: Indiens Weg zur maritimen Selbstständigkeit

Das ambitionierte P-75I-Projekt markiert einen Wendepunkt in Indiens Streben nach maritimer Selbstständigkeit durch die Beschaffung von sechs konventionellen U-Booten, die auf heimischem Boden gefertigt werden sollen. Dieses Vorhaben unterstreicht die Bedeutung der „Indigenization“, indem es vorschreibt, dass mindestens 60 Prozent der U-Boot-Komponenten aus indischer Produktion stammen müssen. Trotz der Herausforderungen, die sich aus langwierigen Beschaffungsprozessen, geringen Gewinnmargen und rechtlichen Streitigkeiten ergeben, die in der Vergangenheit zu erheblichen Verzögerungen führten, zeigt das Projekt nun Fortschritte. Die Abkehr einiger Bieter, darunter tkMS, aufgrund dieser Schwierigkeiten wurde durch eine Neubewertung der Ausschreibung im Jahr 2023 umgekehrt, was zu einer erneuten Beteiligung von tkMS führte. In der Folge kam es zur Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen tkMS und MDL (Mazagon Dock Shipbuilding Limited), die eine gemeinsame Vermarktung und Produktion der U-Boote anstrebt. Mit dem Typ-214IN (India) bietet tkMS ein hochmodernes U-Boot an, das den neuesten Stand der T-214-Serie repräsentiert.
...

Das P-75I-Projekt könnte nicht nur die deutsch-indische Partnerschaft weiter vertiefen, sondern auch dazu beitragen, Indiens Abhängigkeit von russischer Militärtechnologie zu reduzieren. Diese Ausschreibung sollte daher nicht nur aufgrund ihrer wirtschaftlichen, sondern auch ihrer politischen Vorteile bewertet werden.

2. Bringen die indisch-deutschen Regierungskonsultationen den Durchbruch für U-Bootlieferungen an Indien?
Zitat:Am 21. Oktober gab das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) bekannt, dass Bundeskanzler Olaf Scholz am 24. Oktober zu den 7. Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen nach Neu-Delhi reisen wird. Sie stehen unter dem Motto “Growing Together with Innovation, Mobility and Sustainability”. Neben einem offiziellen Austausch mit dem indischen Premierminister Narendra Modi stehen am 25. Oktober eine gemeinsame Plenarsitzung aller Teilnehmenden der Regierungskonsultationen unter dem Vorsitz der beiden Regierungschefs auf dem Programm sowie ein gemeinsamer Auftritt auf der 18. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft, die vom 24. bis zum 26. Oktober in Neu-Delhi stattfindet.

...
Bei seinem Besuch in Indien im Sommer 2023 fuhr Verteidigungsminister Boris Pistorius die Absichtserklärung für ein U-Boot-Projekt ein. Der deutsche U-Bootbauer tkMS und die indische Mazagon Dock Shipbuilders, Mumbai, zeichneten im Juni 2023 ein Memorandum of Understanding über potentielle Entwicklung und möglichen Bau von bis zu sechs U-Booten mit außenluftunabhängigem Antrieb.
...
Im August 2024 berichtete Global Flow Control, dass sich die indische Marine für den Bau von sechs U-Booten in Zusammenarbeit mit Deutschland ausgesprochen hätte.
...

Aus deutscher Produktionslinie setzt die indische Marine bisher vier U-Boote des Typs 209 ein, die in den 1980er Jahren von HDW in einer deutsch-indischen Kooperation fertiggestellt wurden. Sie fahren in Indien unter der Klassenbezeichnung Shishumar. Die Baunummern eins und zwei wurden von HDW in Kiel gebaut, während Mazagon Dock Shipbuilders Limited in Mumbai die Boote drei und vier fertigte. Ab 2016 wurden Modernisierungsvorhaben an zwei der vier U-Boote vertraglich vereinbart und realisiert. Als weiteres Rüstungskooperationsvorhaben genehmigte die Bundesregierung im September 2023 den Export deutscher Motoren für indische Kampfpanzer.

Kann Berlin der ausländischen Konkurrenz trotzen?

Um das auf über mehr als fünf Milliarden Euro geschätzte U-Boot-Geschäft buhlen Madrid und Seoul ebenso wie Paris. Die französische Regierung kann auf eine erfolgreiche Rüstungszusammenarbeit mit Indien zurückblicken. Die 2005 unterzeichneten Verträge für U-Boote vom Typ Scorpène und die 2016 abgeschlossenen Verträge für Rafale-Flugzeuge haben Indien im Zeitraum 2012-2021 zum führenden Abnehmer französischer Rüstungsprodukte in Asien und zum zweitgrößten weltweit gemacht. Im Oktober 2023 wurden die zwischen Indien und Frankreich laufenden Verhandlungen über den Erwerb von 26 neuen Rafale für die Marine und drei neuen Scorpène-U-Booten fortgesetzt.
...

Die indische Marine betreibt derzeit 17 dieselgetriebene U-Boote und zwei mit ballistischen Flugkörpern bewaffnete U-Boote mit Nuklearantrieb. Während die beiden strategischen U-Booten Eigenbauten sind, besteht die restliche U-Boot-Flotte einem Mix aus sowjetischer bzw. russischer Produktion sowie französischer und deutscher Herkunft. Dabei wurden die Boote der beiden europäischen Hersteller teilweise in Indien produziert.
Zitieren
#2
Eine Zwischennachricht:
Größter Militärauftrag in der Geschichte der deutsch-indischen Beziehungen: U-Boot-Deal kurz vor dem Abschluss
Zitat: ...
Nach jahrelangen Verhandlungen steht ein bedeutender Rüstungsauftrag unmittelbar bevor: Der deutsche Schiffbauer Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) soll sechs U-Boote an die indische Marine liefern. Das berichtet das „Handelsblatt“.
Zitat:Die sechs U-Boote sollen auf der Klasse 214 basieren – hochmoderne konventionelle Jagd-U-Boote – und teilweise in Indien gebaut werden. Mit einem Auftragswert von etwa sieben Milliarden Euro wäre es der größte Militärauftrag in der Geschichte der deutsch-indischen Beziehungen.
Insider erklärten der Zeitung, die Aussichten seien vielversprechend, der Abschluss aber noch nicht besiegelt.

Mit einem Volumen von rund sieben Milliarden Euro würde es sich um den umfangreichsten Militärauftrag aller Zeiten zwischen den beiden Ländern handeln. Die hochmodernen Jagd-U-Boote sollen zum Teil in Indien gefertigt werden. Sie basieren auf der Klasse 214, sind 71 Meter lang und ihr Antrieb funktioniert ohne Zufuhr von Außenluft.

Deutsch-indische Kooperation: Rüstung und Energie im Fokus
Laut Handelsblatt-Informationen aus Regierungskreisen soll das Geschäft durch eine Regierungsvereinbarung beider Länder abgesichert werden. Indien wolle damit unter anderem eine reibungslose Ersatzteilversorgung gewährleisten. Details sollen während Friedrich Merz' (CDU) Antrittsbesuch in Indien nächste Woche besprochen werden.
...
Zitieren
#3
Mit deutschen U-Booten nähert sich Indien der EU - meint die FAZ und widmet sich dem politischen Hintergrund der Verhandlungen:
Zitat:
Der Kanzler-Besuch in Indien nächste Woche bringt den Werft-Konzern TKMS einem Milliardenauftrag näher – ein wichtiger Schritt in der geopolitischen Neuordnung.


...
Friedrich Merz (CDU) bringt zu seinem ersten Indien-Besuch im Amt die Aussicht auf schweres Kriegsgerät mit, womit Indien den wachsenden Einfluss des chinesischen Nachbarn im Indo-Pazifik zurückzudrängen könnte. Genau gesagt handelt es sich um sechs U-Boote der Klasse U214, die der deutsche TKMS -Konzern für die Inder bauen soll. Angebliches Auftragsvolumen: Acht Milliarden Dollar. Zwar dürfte der seit vielen Jahren verhandelte Deal beim Kanzlerbesuch noch nicht unterschrieben werden. Doch auf der Zielgerade sei er sehr wohl, heißt es von allen Beteiligten. Der größte Auftrag in der indischen Rüstungsgeschichte habe Symbolwert, sagen Fachleute: Dass Indien eine Allianz mit China und Russland bilden werde, sei wenig wahrscheinlich. Vielmehr nähere sich der Subkontinent an Europa an.
...

„Wir haben den Wettbewerb gewonnen, weil wir als einziger Anbieter einen Außenluft-unabhängigen Antrieb mit Brennstoffzelle liefern, der es ermöglicht, sehr lange zu tauchen. Damit bleibt man sehr lange unsichtbar, insbesondere im Zusammenspiel mit einem sehr leisen Betrieb und einer speziellen Außenform“, erklärte TKMS-Chef Burkhard jüngst im Interview mit der F.A.Z. zu dem Angebot für Indien.

Der technische Vorsprung mag ausschlaggebend gewesen sein für die Auswahl von TKMS. Doch: Es habe für den Zuschlag an die Deutschen sicher nicht geschadet, dass „die EU und Indien in Bezug auf strategische Autonomie immer stärker dieselbe Sprache sprechen“, sagt Harsh V. Pant, Professor für Internationale Beziehungen vom King’s College in London, der F.A.Z. Im Gegensatz zu den USA, deren Präsident Donald Trump Indien mit weiteren Sanktionszöllen von 500 Prozent droht, die das indische Exportgeschäft in die USA praktisch beenden könnten, seien Europa und Indien „natürliche Partner“. Die militärische Zusammenarbeit mit Deutschland bilde eine „neue Dimension“. Der U-Boot-Deal zeige, dass sich Neu Delhi „aus der Konfrontation der USA mit Russland und China wegbewegen“ wolle.
...

Den U-Boot-Auftrag hat der Kanzler so gut wie in der Tasche, wenn er weiter vom Bundesstaat Gujarat im Luftwaffen-Airbus weiter nach Bengaluru reist. Im früheren Bangalore, dem indischen Silicon Valley, trifft Friedrich Merz auf weitere deutsche Unternehmen mit großen Hoffnungen für gute Geschäfte im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Die makroökonomischen Daten sehen gut aus. Im laufenden Fiskaljahr soll Indiens Wirtschaft um deutlich mehr als sechs Prozent wachsen. Und dann wird auch noch erwartet, dass bis Ende des Monats ein anderes Vertragswerk abgeschlossen wird, dessen Verhandlung noch länger gedauert hat als der U-Boot-Deal: Das europäisch-indische Freihandelsabkommen.
Kopie hier
Zitieren


Gehe zu: