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Zitat:Merowig postete
Hast du zufaellig naehere Informationen dazu ?
:merci:
Nun zum einen fällt die Ausbildung zum Uffz. d.R. weg, die bisher immer Voraussetzung war um RO zu werden. Darüber hinaus wird die ganze Ausbildung extrem gestrafft:
- 2 Wochen ROL (Reserveoffizierslehrgang, -> Sicherungsoffizier)
- 1 Woche Menschenführung im Einsatz -> Beförderung zum Fahnenjunker
- Nach 24 weiteren Wehrübungstage -> Fähnrich
- Nach weiteren 24 WÜ Tagen -> Lt. d.R.
Soweit ich das überblickt habe, wird man nur noch zum Sicherungsoffizier ausgebildet:
-Gefechtsdienst aller Truppen
-Formaldienst
-Schießen mit Handwaffen
-Innere Führung mit Wehrrecht
-Führung im Gefecht
-Methodik und Didaktik der Ausbildung
-Gefechtsdienst der Artillerie,HFlgTr,Pioniertruppe,ABC-Tr und Logistische Kräfte
-Gefechtsdienst der Infanterie
-Verbund der Panzertruppe/gepanzerten Kampftruppe
Was fehlt, früher aber dabei war ist die Gruppenfüher-ATN sowie ZgFhr Offz ATB (ZgFhrLehrgang in Hammelburg / 4 Wochen)
Genaueres steht aber auch in der neuen Richtlinie des Herrn Strucks 
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.bundeswehr.de/pic/forces/konzeption_reservisten.pdf">http://www.bundeswehr.de/pic/forces/kon ... visten.pdf</a><!-- m -->
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Zitat:Berlin/MZ. Die Bundeswehr wird wegen des Geburtenrückgangs in Ostdeutschland Ende dieses Jahrzehnts erhebliche Personalprobleme bekommen. Darauf machte der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, in einem MZ-Gespräch aufmerksam. Dies habe Konsequenzen für die Wehrpflicht-Debatte.(...)
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Na sowas, dabei steht der Russe dort zuerst ! Macht die betroffenen Läden dort einfach dicht und Feierabend. Das kommt auch günstiger als die Kalkulation mit den Berufssoldaten. Zack und wieder mind. 1,2 Mrd Euro gespart !
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https://www.zeit.de/politik/deutschland/...n-personalZitat:Pistorius prüft schwedisches Wehrpflichtmodell
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) lässt aufgrund des Personalmangels bei der Bundeswehr Modelle für eine Dienstpflicht prüfen. Darunter sei das in Schweden praktizierte Modell. "Dort werden alle jungen Frauen und Männer gemustert, und nur ein ausgewählter Teil von ihnen leistet am Ende den Grundwehrdienst. Ob so etwas auch bei uns denkbar wäre, ist Teil dieser Überlegungen", sagte Pistorius der Welt am Sonntag. Er prüfe alle Optionen. "Aber jedes Modell, egal welches, braucht auch politische Mehrheiten", sagte er.
...
Schweden hatte die Wehrpflicht ähnlich wie Deutschland im Jahr 2010 abgeschafft, sie 2017 aber wieder eingeführt. Seitdem gilt sie grundsätzlich für zwölf Monate. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hatte das schwedische Modell 2018 in einem Papier (PDF) näher untersucht. Darin heißt es: "Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl von Rekruten und Rekrutinnen ist – selbst in diesem obligatorischen System – der Grad ihrer Bereitschaft, ihrem Land zu dienen." Vor diesem Hintergrund und angesichts der geringen Zahl der einberufenen Rekrutinnen und Rekruten werde der Wehrdienst mehr oder weniger auf freiwilliger Basis geleistet. Wer nicht zum Militär will, muss stattdessen einen Zivildienst ableisten. Die Pflicht gilt für Frauen und Männer gleichermaßen.
Ja, ich weiß: Wehrpflicht-Debatte, die Ölfendrölfzigste....
Was mich dabei mal interessieren würde: Wo seht Ihr - unabhängig von Eurer grundsätzlichen Meinung über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht - die sinnvollen Optionen, Wehrdienstleistende in die heute existierende Bundeswehr zu integrieren?
Ich denke, man kann da vorerst von einer kleineren bis mittleren fünfstelligen Größenordnung ausgehen. Denn es wird ja bisher so kommuniziert, dass es nicht um den Aufbau eines Territorialheeres geht, sondern darum, die vorhandene Personalnot zu beseitigen. Die liegt planerisch derzeit bei gut 20.000 Soldaten. Davon ausgehend, dass natürlich eine Wehrpflicht auch wieder Berufssoldaten zusätzlich binden würde, kann man vielleicht mit 25-30.000 Wehrpflichtigen/Jahr rechnen, um die Lücken stopfen zu können.
Aber können Wehrpflichtige überhaupt diese Lücken so einfach stopfen? Oder müssten sie nicht viel eher gezielt für ausgewählte Verwendungen eingeplant werden, wodurch die dort bisher eingesetzten BS und SaZ frei gesetzt und an anderer Stelle verwendet werden können?
Mein erster Gedanke wäre eigentlich, dass Wehrpflichtige am ehesten in separaten Infanterieverbänden sinnvoll einzusetzen sein könnten. Also bspw. könnten jeder Heeresbrigade und -division je ein WDL-Füsilierregiment unterstellt werden. Aber wie würde das helfen, die Personalnot zu lösen? Was könnte man dann dafür an "Berufs-Kamptruppen" einsparen? Gut - mMn natürlich die mKr-Brigaden, aber das würde ja sicher im Heer anders gesehen werden.
Was gibt es denn innerhalb der vorhandenen Verbände und Einheiten an Aufgaben, die von WDL erbracht werden könnten, außer eben als nicht-spezialisierte Infanterie eingesetzt zu werden? Sicherungstruppen werden im Zweifelsfall von der Reserve gestellt, da ist dann nichts zu gewinnen durch WDL.
Kann es denn in der heute existierenden BW überhaupt sinnvoll funktionieren, Wehrdienstleistende überall in der Struktur für einfache Aufgaben einzubeziehen?
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(17.12.2023, 22:43)Broensen schrieb: ... Also bspw. könnten jeder Heeresbrigade und -division je ein WDL-Füsilierregiment unterstellt werden.
... Sicherungstruppen werden im Zweifelsfall von der Reserve gestellt, da ist dann nichts zu gewinnen durch WDL. ...
Du meinst sicher Jägerregiment, den die sind im klassischen Verständnis deutlich Reserve Freundlicher aufgestellt, speziell was die Menge an Großgerät betrifft. Füsiliere = Feldhaubitzen + Mörser, Jäger = Mörser.
Außerdem muss du berücksichtigen das die WDLer von heute, die Reserve von morgen sind.
Ansonsten ist im Text folgendes hervor zu heben:
1. "... der Grad ihrer Bereitschaft, ihrem Land zu dienen." Das wird auch gerne als Nationalstolz kurz zusammen gefasst, die BRD hat da als Ansporn folgendes zu bieten "Feste feiern wie sie fallen", "Soldaten sind Mörder!", "Ich konnte mit Deutschland noch nie etwas anfangen".
2. "... nicht zum Militär will, muss stattdessen einen Zivildienst ableisten." man also wieder auf günstige Zivis schilt für Altersheime und Krankenhäuser. Leicht aus den Augen verliert man dabei, Zivis haben ihren Teil erfüllt sie werde niemals zum Kriegsdienst eingezogen, dieses Recht haben sie sich mit ihrem Dienst verdient.
Heißt für die BRD, um Kriegstüchtig zu werden, sollte der Herr Verteidigungsminister lieber politische Mehrheiten sammeln und die Demokratie durch eine feudale Ständeordnung ersetzen. Dann kann man schön autokratisch alle des unteren Standes in den Dienst an der Waffe pressen
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Der Zug für eine Wehrpflicht Alter Art ist meines Erachtens aus diversen Gründen abgefahren. Ich bin aber der Ansicht - wie Pistorius - dass man sich etwa an Schweden orientieren könnte. Dabei sollte man aber dann auch eine andere Bezahlung vorsehen, wie bei den FWDL.
Generell sollte man auf Freiwilligkeit setzen und hier könnte man noch viel machen, Hineinschnuppern wie bei den Polen etwa, Einbindung des Reservistenverbands. Oberschülern sollte man nach der Hochschulreife entsprechende Angebote machen, und auch Studenten sollten in den Semesterferien hineinschnuppern können.
Ansonsten muss man meines Erachtens auch wieder darüber nachdenken, die Polizei in die Verteidigung zu integrieren, dementsprechend auszubinden und die alte Streitfrage Kombattantenstatus für die Polizei stellt sich hier auch wieder. Bei Kommandos ist die Frage zwar nicht besonders relevant, Spetsnaz tragen keine Abzweichen und sind daher für die Polizei ganz normale Störer - dabei sind sie freilich ans Polizei und Strafprozessrecht gebunden.
Die Vorstellung, dass sich die Polizei zurückziehen muss, wenn reguläre Truppen auftauchen. war schon vor 40 Jahren absurd. Gerade Spezialeinheiten und spezialisierte Einheiten sind hier sinnvoll einzusetzen, nebst der Bereitschaftspolizei.
Bei der Bundespolizei war der Höhepunkt der Verpolizeilichung mit Schily und Schäuble überschritten, die beiden hätten ja die GSG9 zu gerne zu einem BundesSEK gemacht. Hier sollte man die Bundespolizei wieder zu einer robusten Grenzschutztruppe machen.
Die Deutschen haben da leider eine echte Militärneurose, die allerdings vor dem Hintergrund zweier in die Binsen gegangener Weltkriege und eines Terrorregimes gut erklärbar ist. Immerhin hat man irgendwie die 57mm Kanone bei der BPol See durch den Haushalt gebracht und andere Dinge. Und bis nach ganz links hat niemand die Carabinieri auf dem Oktoberfest mitbekommen oder andere Sachen wie Gendarmen aus FR/NL in Deutschland.
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(18.12.2023, 09:53)Schaddedanz schrieb: Du meinst sicher Jägerregiment, den die sind im klassischen Verständnis deutlich Reserve Freundlicher aufgestellt, speziell was die Menge an Großgerät betrifft. Füsiliere = Feldhaubitzen + Mörser, Jäger = Mörser. Feldhaubitzen sind ja nicht soviel schwieriger zu bedienen als Mörser, außerdem lassen sie sich auch gut schnell nachproduzieren. Insofern käme das schon in Betracht für solche Verbände, deren Hauptaufgabe ja wohl auch nicht der Jagdkampf im Wald, sondern der Kampf in Stellungen wäre und an die man vermutlich auch entsprechende Reserveverbände anhängen würde, die mit den ehemaligen WDL besetzt werden.
Ich weiß, dass man Verpflichtete und Reservisten klassischerweise meist als Jäger eingesetzt hat, aber ich würde innerhalb unserer heutigen Bundeswehr die Jäger eher als eine besonders qualifizierte, leichte Infanterie betrachten, deren Ausbildungsniveau deutlich über dem von WDL liegt. Daher halte ich eine namentliche Unterscheidung von diesen für sinnvoll. Statt Füsilieren könnte man natürlich auch Schützen verwenden.
Zitat:Außerdem muss du berücksichtigen das die WDLer von heute, die Reserve von morgen sind.
Nun, als Reservisten hätten sie dann ja die gleiche Ausbildung und wären somit für die gleichen Verwendungen qualifiziert, während die Reservisten aus SaZ und BS eher als Ersatz auf ihren ehemaligen Verwendungen mit höherem Ausbildungsniveau benötigt werden würden.
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(18.12.2023, 17:49)Broensen schrieb: Feldhaubitzen sind ja nicht soviel schwieriger zu bedienen als Mörser, ...
... klassischerweise meist als Jäger eingesetzt hat, aber ich würde innerhalb unserer heutigen Bundeswehr die Jäger eher als eine besonders qualifizierte, leichte Infanterie betrachten, ...
Es geht nicht ums bedienen, die eingelagerte Ausrüstung kostet einfach viel mehr wen sie Feldhaubitzen und Mörser enthält anstatt nur Mörser.
Ansonsten schlagen die Jäger nur mit ihrer besonders guten Ortskenntnis zu Buche, die ist aber bei BV mit Frontgebiet Litauen eh nicht vorhanden.
Also nenn lieber die Aktiven Füsiliere, gib ihnen die Feldhaubitzen direkt mit und organisiere die Reserve als Jäger in Zg mit Ortsbezug (Schützenvereine), dann sind die Feldgeschütze den Aktiven schon eine Hilfe bevor die ersten Reservisten nachgeführt werden (kurzer Namenswechsel Jäger -> Füsilier inklusive) und wen es doch zur LV kommt hast du bei den Reserve Jägern Leute die ihre Gegend in und auswendig kennen durch Jahrzehnte des Wohnens vor Ort.
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(18.12.2023, 18:18)Schaddedanz schrieb: Es geht nicht ums bedienen, die eingelagerte Ausrüstung kostet einfach viel mehr wen sie Feldhaubitzen und Mörser enthält anstatt nur Mörser. WDL-Ausrüstung wird aber nicht eingelagert, sondern steht im aktiven Dienst.
Zitat:Ansonsten schlagen die Jäger nur mit ihrer besonders guten Ortskenntnis zu Buche, die ist aber bei BV mit Frontgebiet Litauen eh nicht vorhanden.
Weshalb ich den klassischen Jägeransatz, der eben auf diesem Aspekt basiert, auch nicht mehr für sinnvoll halte in der BW, die eben keine Landesverteidigung betreiben wird. Daher steht Jäger mMn nur noch für die Kampfweise des Jagdkampfes und entsprechende Truppen der BW sollten eben nur noch auf bestimmte Einsatz- und Geländeformen spezialisierte leichte Infanterie darstellen.
Zitat:Also nenn lieber die Aktiven Füsiliere, gib ihnen die Feldhaubitzen direkt mit...
Das wird wohl nicht passieren und ergibt für mich auch wenig Sinn. Feldhaubitzen zu beschaffen ist für eine Berufsarmee unserer Größe, Ausstattung und mit unserem potentiell zu erwartenden Einsatzraum -abseits der DSK- nicht sinnvoll. Zuviel Personal ungeschützt und taktisch zu langsam. Das funktioniert nur für Reserve-Verbände und könnte aufgrund der Einfachheit zudem für WDL infrage kommen, auch wenn ich die Frage FHbz+Mrs oder nur Mrs für nicht entscheidend halte. Ich hänge aber auch nicht am Begriff der Füsiliere, nur finde ich Jäger noch weniger zutreffend. Schützen wäre eine Alternative.
Zitat:organisiere die Reserve als Jäger in Zg mit Ortsbezug (Schützenvereine), dann sind die Feldgeschütze den Aktiven schon eine Hilfe bevor die ersten Reservisten nachgeführt werden (kurzer Namenswechsel Jäger -> Füsilier inklusive) und wen es doch zur LV kommt hast du bei den Reserve Jägern Leute die ihre Gegend in und auswendig kennen durch Jahrzehnte des Wohnens vor Ort.
Das ist ein Ansatz, den man für eine Territorialreserve wie die Heimatschutzregimenter verwenden kann und sollte, das hat aber mMn nichts mit den WDL oder einer darauf aufbauenden Verstärkungsreserve der aktiven Streitkräfte zu tun, denn für die spielt Landesverteidigung eigentlich keine Rolle, die muss in Osteuropa einsatzfähig sein.
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Schaddedanz:
Ich finde es immer wieder verblüffend, wie exakt und präzise für dich Begriffe sind bzw. sein müssen.
Allgemein zur Wehrpflicht:
Wehrpflichtige werden die Personallücken der Bundeswehr meiner Einschätzung nach nicht sinnvoll stopfen können, weil diese auch in Bereichen sind, in welchen das heranziehen von Wehrpflichtigen aus vielerlei Gründen völlig ineffizient wäre bzw. gar nicht geht (Fachkenntnisse, zu geringe Zeitdauer etc)
Die Personalnot lässt sich damit also meiner Meinung nach nicht beseitigen. Und meiner Ansicht nach wird es nichts bringen einfache Aufgaben überall verstreut mit Wehrpflichtigen zu besetzen. Das wird auch dem Opfer welches dies für die Gesellschaft durch ihren Dienst erbringen nicht ansatzweise gerecht. Sie würden damit zur temporären Handlangern degradiert und dann auch entsprechend eingesetzt und vergeudet werden. Ebenso ist es höchst fragwürdig, ob und wie man WDL so in die Truppe einbinden kann, dass sie dann mit den BS/ZS nach Osteuropa in den Kampf ziehen.
Verbleibt die Frage, wie man die dann zusätzlichen Kräfte überhaupt sinnvoll in die Bundeswehr integrieren könnte.
Ethisch wie auch in Bezug auf die Motivation kommt hier meiner Meinung nach nur eine Verwendung als Kampftruppe in Frage und in Bezug auf auf die Kosten und Ausrüstung etc damit nur eine als Infanterie. Entsprechend müsste man dann auch die Reserve (um)gestalten.
Nun kam hier das Argument, dass die Bundeswehr keine LV betreiben wird (nie mehr?) und damit solche WDL Infanterieverbände nicht so nutzbringend wären. Das greift von der Sichtweise her meiner Ansicht nach zu kurze. Die Fernwirkungen solcher Einheiten gehen ja weiter über den bloßen rein technischen Nutzen in einer spezifischen Verwendung (Briefe sortieren in der Poststelle eines Luftwaffenversorgungs-Regimentes vs leichte Infanterie in einer eigenen Heimatschutz-Brigade) hinaus.
Deshalb würde ich den Nutzen oder Nicht-Nutzen einer Wehrpflicht nicht so beschränkt auf das bloße Stopfen von Personallöchern hin betrachten. Eine Wehrpflicht wird nur dann Sinn machen, und nur dann akzeptiert werden, wenn sie mehr ist als das bloße Bereitstellen von Handlangern.
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(18.12.2023, 23:03)Quintus Fabius schrieb: Nun kam hier das Argument, dass die Bundeswehr keine LV betreiben wird (nie mehr?) und damit solche WDL Infanterieverbände nicht so nutzbringend wären. Das greift von der Sichtweise her meiner Ansicht nach zu kurze. ... Deshalb würde ich den Nutzen oder Nicht-Nutzen einer Wehrpflicht nicht so beschränkt auf das bloße Stopfen von Personallöchern hin betrachten. Eine Wehrpflicht wird nur dann Sinn machen, und nur dann akzeptiert werden, wenn sie mehr ist als das bloße Bereitstellen von Handlangern. Aber eine solche, breit angelegte Wehrpflicht werden wir nicht bekommen, sondern maximal eine, die einige Zehntausend je Jahrgang betreffen würde. Eine auf Territorialverteidigung ausgerichtete Wehrpflicht wäre politisch nicht umsetzbar aufgrund der tatsächlich geringen Gefährdung für das deutsche Staatsgebiet. Dafür müsste es eine allgemeine Dienstpflicht sein. Eine jetzt einzuführende reine Wehrpflicht müsste zwangsweise einen Beitrag zur Bündnisverteidigung in Osteuropa leisten können.
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Es weiß schon dass du darauf hinaus willst, dass die Wehrpflichtigen ja nur eine Auswahl sind, damit freiwillig, und damit außerhalb der Bundesrepublik eingesetzt werden können. Und damit ist das dann aber keine wirkliche Wehrpflicht mehr. Sondern ein ähnliches abstruses Konstrukt wie die freiwillige Wehrpflicht.
Und nur dafür, um Personallücken zu stopfen und Handlanger zu stellen eine solche "Wehrpflicht" zu konstruieren ist höchst fragwürdig und wäre noch weniger politisch umsetzbar. Hier zudem noch von einer reinen Wehrpflicht zu schreiben, trifft es dann meiner Meinung nach gar nicht mehr. Und diese mehr als fragwürdige, und ungerechte Wehrpflicht dann für die Bündnisverteidigung in Osteuropa verwenden zu wollen, zeigt jedem der davon betroffen ist nur eindeutig auf, wie wenig dieser Staat und diese Bundeswehr es wert sind für sie einzutreten und wie sehr er und sein Beitrag missachtet werden.
Ob eine echte reine Wehrpflicht politisch umsetzbar ist, insbesondere aber ob sie gesellschaftlich akzeptiert würde, hängt sehr stark von der Frage der genauen Ausgestaltung und Durchführung ab. Junge Menschen wollen sich durchaus engagieren, sie wollen aber nicht in diesen überkommenen Formen schlecht behandelt werden, und sehr vieles was man als "militärische" Tradition hier andenkt ist einfach sowohl ineffiziente Zeitverschwendung als auch genau das, was viele junge Deutsche davon abhält sich militärisch zu engagieren.
Sie wollen keine Handlanger sein und sie wollen nicht dieses sinnlose "militärische" / soldatische Getue. Und insbesondere wollen sie nicht als eine numerisch winzige Auslese nach Osteuropa.
Und wenn es ums bloße Stopfen von Personallücken geht: wenn man entsprechende Sicherungsverbände hierzulande durch Wehrpflichtigen-Einheiten ersetzen würde, könnte man durchaus intern Personal verschieben. Man könnte aber auch so intern jede Menge Personal verschieben. Es gibt in der Bundeswehr extreme ungleichgewichte was das Personal angeht.
Aber das ist ja ein ganz alter Streitpunkt zwischen uns. Ich gehe davon aus, dass man durchaus intern erheblich Kräfte verschieben könnte (Stichwort Sanitäter-Debatte), du hingegen gehst davon aus, dass dies nicht möglich ist bzw. sich negativ auf die Personalsituation auswirkt. Aber was soll da die Logik sein ?!
Weil also Berufssoldaten und Zeitsoldaten welche Treue geschworen haben nicht auf andere Verwendungen wollen, weil ihnen diese nicht gefallen (!) (wo bleibt da das Soldatische?!) - muss man also einen geringen Anteil eines Jahrganges in einer echten Wehrpflicht einziehen und zwangsweise an deren Stelle verwenden?
Mit welchem Recht? Überspitzt: Weil diejenigen welche Treue geschworen haben es nicht mögen, müssen also junge Deutsche gegen ihren Willen nach Osteuropa......
Das ist ein Widerspruch in sich und es ist meiner Überzeugung nach höchst fragwürdig.
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Sofern es nicht zu sehr vom Thema abschweift, was sind für dich schlechte Behandlung und ineffiziente Traditionen?
Sind es Bekleidungsvorschriften? (Ich musste z. B. für den Besuch eines zivilen Arztes die graue Uniform nebst Krawatte anziehen. Zum Glück konnte ein Kamerad einen schönen Knoten.) Oder Vorschriften für Haar-/Barttracht und für Tätowierungen?
Ist es Formaldienst wie korrektes militärisches Grüßen? Das Marschieren in Reih und Glied?
Oder fehlender Komfort in den Stuben, z. B. was Internet/TV angeht? Also der von-der-Leyen-Ansatz.
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Das geht teilweise schon durchaus in diese Richtung. Überkommenes militärisches Getue. Vor allem anderen aber ist das für mich das Verschwenden von wertvoller Lebenszeit junger Männer mit Herumgammeln, Dummf..k, Zeit verschwenden, sinnlosen Tätigkeiten die nichts lehren, Unterforderung und mangelnder Ernsthaftigkeit und insbesondere indem man sie für bloße Handlangerdienste verschwendet (Stichwort Poststelle des LW Versorgungs-Regimentes et al).
WENN junge deutsche Männer schon ihre Lebenszeit und ihre Gesundheit für Deutschland einsetzen, dann sollte man ihnen Hochachtung dafür entgegen bringen, und nicht Verachtung wie es leider allzu oft der Fall war - man sollte sie so effizient und effektiv wie möglich für den Krieg ausbilden und befähigen, und nicht mit überkommenen Soldatengetue behelligen, man sollte sie zu Kriegern machen, welche von selbst kämpfen wollen und dies auch können, statt sie Moos an der Kante des Gehsteiges rauspoppeln zu lassen.
Dieses ganze "militärische" Grüßen, Formaldienst, alberne feldgraue Versichrungsvertreteranzüge, immer französischer werdende Notausknöpfe statt sinnvoller Kopfbedeckungen, dieses ganze alberne Theater ist einfach nur eine Behinderung und Zeitverschwendung und es demotiviert junge Männer eher als dass es sie motiviert.
Mangelnder Komfort hingegen ist gut. Je spartanischer, desto besser. Relevant sollte aber immer weit vor allem anderen die bloße reine Zweckmässigkeit sein. Mangelnder Komfort ist also auch kein Selbstzweck, er dient der Zweckmässigkeit weil er den Anforderungen des Krieges entspricht. Die Kriegsfähigkeit sollte daher der einzige Maßstab sein und alles absolut und ohne jeden Kompromiss und ohne jede Abweichung ihr allein untergeordnet werden.
Die Idee mit diesem pseudomilitärischen Affentheater Disziplin herstellen zu wollen ist veraltet. Die kann und sollte man heute anders herstellen. Und zwar insbesondere bei Wehrpflichtigen, die ja gegen ihren Willen im Rahmen einer Pflicht ihr Leben und ihre Gesundheit für ihr Volk einsetzen.
Gerade Wehrpflichtigen Einheiten könnten (und sollten) hier etwaig zu einem neuen Modell für eine völlig neue Art von Soldatentum werden.
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Nur eine Stimme von vielen, aber eine doch nicht unwichtige...
Zitat:DEBATTE ÜBER DIENSTPFLICHT
Wehrbeauftragte unterstützt schwedisches Modell der Musterung für alle
Für den Vorstoß von Boris Pistorius, neue Modelle für einen Wehrdienst zu prüfen, gab es Kritik von FDP und SPD. Die Wehrbeauftragte des Bundestages stellt sich nun auf seine Seite [...].
Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, hat sich grundsätzlich offen für die Einführung einer Wehrpflicht nach dem schwedischem Modell gezeigt. Sie begrüße, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sich dieses Modell genauer anschaue. „Ich würde mich freuen, wenn wir 2024 nutzen würden, über diese verschiedenen Ideen und Modelle sachlich und konstruktiv zu diskutieren anstatt jegliche Debatte reflexhaft und kategorisch abzulehnen“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Ich werbe für eine Entkrampfung der Debatte. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn jetzt eine Diskussion über konkrete Konzepte Fahrt aufnimmt“.
Pistorius lässt wegen der veränderten Sicherheitslage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Modelle einer Dienstpflicht prüfen und dabei auch das schwedische Wehrpflichtmodell in den Blick nehmen. Kritik kam vor allem aus der FDP, aber auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken ging auf Distanz zu dem Vorstoß. [...] Derzeit gebe es 181.000 Soldatinnen und Soldaten. Das Ziel von 203.000 Soldaten bis zum Jahr 2030 sei nicht zu erreichen, wenn bei der Personalgewinnung alles so bleibe.
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausl...11406.html
Schneemann
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