Gestern, 09:50
Zitat:Idealerweise sollte eine Armee völlig "blind" sein, damit schon die gemeinsame Uniform zum Anknüpfpunkt für Kameradschaft werden kann. Deswegen ist es ja auch so katastrophal, wenn die Politik versucht, das Thema Identitätspolitik in die Streitkräfte zu zerren.
Ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Das ist einer der wesentlichsten Punkte für die Frage der Kampfkraft, der heute nicht mehr verstanden wird.Es sollte in einer wirklichen Streitkraft keine Männer und Frauen geben, keinen Queer BW Verein, keine Vielfaltstage, keine Gleichstellungsbeauftragten, keine Unterschiede in den Anforderungen, keine Unterschiede in der Haartracht, keine Diversity.
Es sollte nur Soldaten geben. Und ich sehe das persönlich genau so. Wenn ich einen Soldaten sehe der biologisch weiblichen Geschlechts ist, so ist er im Dienst dennoch nur ein Soldat und Kamerad und nichts anderes.
Alle sind einfach nur Grün. Und nur so kann es funktionieren, dass Soldaten heute von der Herkunft her unterschiedlicher sind als früher. Und nur so kann echte Kameradschaft entstehen. Und diese ist das psychologische Fundament für die Kampfkraft.
Zitat:Ein hartes Urteil. Ohne jetzt in der Sache darauf eingehen zu wollen, müssten dann nicht ähnliche Verfallserscheinungen überall zu finden sein?
Meiner Meinung nach ja, und in vielen Armeen des Wertewestens TM. Meiner Meinung nach degenerieren die Armeen zur Zeit und ist dies in den post-nationalistischen, post-heroischen und insbesondere auch post-liberalen Sozialkulturen welche sich zur Zeit ausbreiten nur allzu natürlich.
Alphall hat beispielsweise zu Recht darauf hingewiesen, dass selbst in den in diesem Kontext immer so hoch gelobten skandinavischen Streitkräften durchaus ebenso erhebliche Probleme zu finden sind.
Wir (West-Europa TM) sind aber auch sonst ganz allgemein militärisch degeneriert.
Zitat:Persönlich finde ich Sönke Neitzels Argument sehr überzeugend, dass der maßlose Militarismus des preußischen Staates dessen militärisches (und auch moralisches) Scheitern letztlich erst ermöglicht hat, weil er positive Impulse (z.B. Auftragstaktik) in ihrer Wirkung beschränkte und schließlich wirkungslos werden ließ.
DEN Erfindern und Apologeten der Auftragstaktik vorzuwerfen, dass sie diese in ihrer Wirkung beschränkten, ist eine wirklich einzigartige Sichtweise.
Zitat:Du verkürzt indes die historische Realität, wenn Du anzudeuten scheinst, die Werte Preußens zu Zeiten des Alten Fritz seien dieselben gewesen wie unter dem zwoten Wilhelm.
Das ist natürlich richtig, aber das späte Kaiserreich war viel mehr als nur Preußen. Es stellt sich sogar die Frage, in wie weit das tatsächlich Preußische im späten Kaiserreich überhaupt noch dominierend war, auch wenn man auf den ersten Blick diese Zeit als eine evolutionäre lineare Fortentwicklung Preußens sieht, so war sie dies eben nicht.
Zitat:Es muss doch einen Grund dafür geben, dass quasi alle Skandale der letzten zwanzig, dreißig Jahre—und ich meine hier wirkliche Skandale, nicht den ein oder anderen blöden Spruch—praktisch mit einer Handvoll Verbände in Verbindung stehen.
Und meiner Wahrnehmung nach heißt dieser Grund Tribalismus.
Tribalismus ist aber andererseits genau das, was eine Streitkraft im Krieg funktionieren lässt. Jede Idee von Werte-"Patriotismus", Grundgesetz-"Patriotismus" usw. funktioniert einfach nicht. Im übrigen gab es auch bei anderen Verbänden wirkliche Skandale, ich würde eher davon sprechen, dass bestimmte Einheiten eine größere Anzahl davon aufweisen.
Was aber ist der Grund hierfür? Meiner Meinung nach ein Verfall der militärischen Disziplin, ein Verfall der inneren militärischen und soldatischen Kultur und insbesondere ein Verfall der Kameradschaft - also wenn man es so will ein Verfall des Tribalismus !
Es ist mein rein persönlicher Eindruck, dass die Kameradschaft früher deutlich stärker war als heute (womit wir wieder beim unheilvollen Einfluss des Vielfalts-Gedankens sind) und auch diese früher war nicht vergleichbar mit der Kameradschaft welche im Krieg entsteht.
Der zweite Aspekt ist, dass Staaten wie Armeen tribalistische Verbundenheit auf die Gesamtstruktur übertragen müssen. Das heißt, die Soldaten müssen denken, die gesamte Armee sei ein Stamm und genau so funktioniert auch der Nationalismus. Man überträgt unterbewusst Ideen von Familie, Großfamilie und Clan auf größere Strukturen (das diese natürlich in Wahrheit gar nicht so sind spielt dafür keine Rolle, es geht nur darum, dass der Mythos den dies darstellt so funktoniert). Der Kompaniechef als Vater, der oberste Feldwebel als Mutter der Kompanie, die Soldaten als ihre Kinder. Das Staatsoberhaupt als Vater, die Nation als Stamm, als Clan. Das ist die Grundlage für Kohäsion, Disziplin und Kampfkraft.
Hier kommen wir dann zu dem Problem des Niedergangs des Nationalismus an sich und was das dann konkret militärisch nach sich zieht. Söldnerheere waren geschichtlich vor allem dann dominierend, wenn es eben keinen Übertrag des Stammesdenkens auf höhere Strukturen gab. Es ist also die aktuelle sozialkulturelle Grundströmung, welche insbesondere in dieser Bundesrepublik mit ihrer Geschichtslosigkeit und ihrem Mangel an Nationalismus dazu beiträgt, dass ich-bezogene Söldnerstrukturen um sich greifen.
Zitat:Der beispielshalber angeführte, von Patriotismus beseelte UOA aus Dortmund ist aber nicht per se besser gewesen als sein Dresdner Kamerad, der nur der Arbeitslosigkeit entkommen wollte. Und umso weniger, wenn er glaubte, den Dresdner als Fußabstreifer benutzen zu können.
Ich habe in meiner Zeit durchaus ähnliches beobachtet. Wir hatten damals einen der ersten Ostdeutschen, er wurde wie Dreck behandelt. Er störte die bei uns extrem ausgeprägte Homogenität und den tribalistischen Zusammenhalt. Dabei war er rein handwerklich genau so gut.
Söldner sind nämlich keineswegs per se schlechte Kämpfer. Viele Söldner und Söldnerheere waren militärisch durchaus sehr gut. Aber man muss halt um ihre grundsätzlich negativen Begleiterscheinungen wissen. Genau deshalb erfand man ja dann mit dem Aufkommen des Nationalgedankens den neuen Typus des Soldaten (oder erfand ihn neu auf gewissen antiken Vorbildern aufbauend) weil zu den neuen Ideen von Sozialkultur weder der Söldner noch der Krieger mehr der passende Typ waren, letztgenannter vor allem aus Mangel an Quantität, was ja der primäre Grund für die vorübergehende Vorherrschaft von Söldnern war, und letztgenannter wegen der Kosten, weil große Söldnerheere zu teuer sind.
Auch wenn ich schrieb, dass es gute Söldner gab, so sind viele Söldnerarmeen militärisch auffallend schlecht gewesen, weil sie systeminhärent eher zu einer geringeren militärischen Leistung neigen. Und heute stehen wir vor dem gleichen Quantitätsproblem, Krieger scheiden ohnehin aus und für die Stellung wirklich ausreichender Zahlen von Soldaten fehlen die sozialkulturellen Grundlagen - also neigt es sich wieder in Richtung Söldner, mit all dem was das nach sich zieht.
Söldnerheere, und die Bundeswehr ist auf dem Weg dazu ein solches zu werden bzw. ist dies schon in weiten Teilen, benötigen aber eine besonders straffe, besonders enge Disziplin, weit über das hinaus was die Bundeswehr diesbezüglch leistet.
Die zwingende Schlußfolgerung, die "Lösung" der aktuellen Problematik wäre es also, eine massiv verschärfte militärische Disziplin durchzusetzen. Das Problem damit ist wiederum, dass dann die Bezahlung für ein Leben unter solchen Bedingungen zu schlecht ist und sich damit erneut nicht genug Quantität erzeugen lässt. Wie ich es oben schon schrieb, sind Söldnerheere deutlch teurer. Genau deshalb ging man, in dem Moment als es aufgrund des entstehenden Nationalismus möglich war eben zu Soldaten über.
Diese Quadratur des Kreises vor welcher die Bundeswehr also hier und jetzt steht, lässt sich nur mit zwei Punkten lösen: 1. eine deutlich bessere Bezahlung verbunden mit 2. einer deutlich verschärften Disziplin. Zu beidem ist diese Bundeswehr nicht in der Lage.
Entsprechend werden sich diese Missstände welche wir zunehmend beobachten weiter ausbreiten, öfter vorkommen und/oder sich nicht abstellen lassen.
