17.03.2026, 14:53
roomsim schrieb:Diese Schlussfolgerung ist schlicht und ergreifend falsch, da wir wissen, das moderne AIP Boote sehr lange unter Wasser bleiben können, ohne zu schnocheln, und da auch sehr große distanzen zurücklegen können.Korrekt. Und das kann der Typ 212A genau ein einziges mal ohne Boxenstop im Hafen oder am Tender.
Das Längste, was offiziell bei den 212A zum Beispiel bekannt ist war die Strecke Azoren New York ohne Schnorcheln in meine ich 18 Tagen.
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Die 212A verfügen über zwei Möglichkeiten um elektrische Energie luftunabhängig zu verwenden:
-> Die "herkömmlichen" Batterien (Entweder Blei-Säure oder Lithium-Ionen, geladen via Dieselgeneratoren), die Tauchzeiten von einigen Tagen ermöglichen und
-> Die Brennstoffzellen, die Tauchzeiten von mehreren Wochen ermöglichen
Die hier verwendeten Brennstoffzellen setzen flüssigen Sauerstoff zusammen mit Wasserstoff in Wasser um, erzeugen dabei elektrische Energie.
Dieses System ist nicht wiederaufladbar.
Die dafür erforderlichen Reaktanten (fl. Sauerstoff und Wasserstoff) werden in Tanks an Bord mitgeführt und müssen nach der Verwendung per Tender oder Hafen Support nachbetankt werden. Die Boote haben selber keine Möglichkeit, Sauerstoff oder Wasserstoff zu generieren, womit die weithin angepriesenen langen Tauchzeiten endlich sind. Die Boote können nicht 3 Wochen tauchen, kurz auftauchen, laden und dann wieder 3 Wochen tauchen. Sie können ein einziges mal 3 Wochen Tauchen und dann nur jeweils kurze Perioden unter Batterieverwendung. Wenn die Brennstoffzellen leer sind, sind sie leer und ohne externen support stehen sie nicht mehr zur Verfügung. In diesem Fall müssen die Boote auf ihre herkömmlichen Batteriespeicher zurückgreifen, die lediglich Tauchzeiten von einigen Tagen ermöglichen und auf regelmäßiges Auftauchen oder Schnorcheln angewiesen sind, um geladen zu werden.
Der Typ 212CD wird vermutlich über leistungsfähigere Batterien und leistungsfähigere Brennstoffzellen verfügen und somit über mehr Tauchzeit in beiden Kategorien. Aber auch dessen Batterien werden nicht länger als Tage halte und auch dessen Brennstoffzellen sind endlich und nicht wiederaufladbar.
Auf nukleare Fähigkeiten bezogen bedeutet das, dass diese langen Tauchzeiten genau einmal zur Verfügung stehen um etwaiger Satellitenaufklärung zu entkommen. Danach fährt man auf Batterieleistung weiter und ist entsprechend anfällig für Aufklärung.
Zitat:Du hast dich anscheinend noch nie mit den Taktiken der Continouis at sea deterance befasst.Im offenen Atlantik ist es praktisch unmöglich, ein U-Boot in großen Tiefen aufzuklären ohne, dass sich die Wege dabei zufällig oder absichtlich kreuzen. Unabhängig davon, ob das Boot 30kn oder 3kn fährt, dafür ist der Atlantik viel zu groß und viel zu laut. Obgleich die Hintergrundakustik durchaus von Ort zu Ort unterschiedlich ist, liegt die Background Noise im Durchschnitt zwischen 80 und 120 dB. Das liegt lautstärkentechnisch zwischen Staubsauger und Kettensäge.
Im Kurzabriss, du hast immer ein Boot im getauchten Zustand irgendwo auf den Weltmeeren, das sich maximal in Schleichfahrt fortbewegt und möglichst leise ist um nicht von Feindlichen SSN/SSK und Überwassereinheiten gefunden zu werden.
Der ist so laut, dass migrierende Wal-Pods regelmäßig mit allerlei Objekten im Meer kollidieren, da diese Tiere über Akustik navigieren. Die können Schiffe oder Betonfundamente von Windkraftanlagen nicht mehr heraushören weil es so viele laute Hintergrundgeräusche gibt und stoßen dann mit 15-20 km/h mit diesen zusammen, was für sie oft tödlich endet.
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Aber um auf die Kernfrage zurückzukommen.
Ein nuklear bestücktes U-Boot muss vor allem Distanz zwischen sich und seine Heimat legen, denn mit zunehmender Entfernung zur Heimat (und des potenziellen Kriegspartners) wird eine Aufklärung abseits von Satelliten unwahrscheinlicher. Dafür muss das Boot direkt nach dem verlassen des Hafens tauchen und möglichst schnell im offenen Meer "verschwinden", damit etwaige in der Heimat nachverfolgte Tracks nicht zu seiner Nachverfolgung führen.
Vor Ort kann man durchaus träge loitern, aber das bedingt eben, dass man seine Fährte vorher abgeschüttelt hat, damit ein Gegner nicht weiß, wo er suchen muss. Und darin lohnt es sich eben, die heimischen Gewässer möglichst schnell zu verlassen, weil dies das potenzielle Suchgebiet massiv vergrößert. Wohingegen geringe Geschwindigkeiten trotz getauchtem Zustand kein allzu großes Suchgebiet lässt.
Das kombiniert mit den generell geringeren nautischen Fähigkeiten und der massiv geringeren Tauchzeit führt dazu, dass es SSBKs eben kaum gibt. Israel und Nordkorea sind die einzigen Betreiber dieser Typen und beide existieren in strategischen Umständen, die unseren nicht entsprechen.
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Und da ich es persönlich zwar als sinnvoll, aber nicht unbedingt realistisch ansehen würde, dass die DM jemals SSBN unterhält (und das ganze auch noch entsprechend teuer und besatzungsintensiv wäre) tendiere ich viel eher dazu, eine nukleare Befähigung im Rahmen einer nuklearen Teilhabe land- oder luftgestützt anzulegen. Entweder eben über landgestützt BM/CM, oder eben luftgestützt CM. Für Letzteres müssten wir nicht einmal groß Umbauen.
