17.03.2026, 12:48
muck schrieb:Siehe das nte-Land-Experiment: drei Physik-Doktoranden ohne jegliches Vorwissen im Waffenbau, ohne nennenswerte finanzielle Unterstützung, gestützt nur auf öffentlich einsehbare Informationen, benötigten lediglich zweieinhalb Kalenderjahre, um ein funktionierendes Kernwaffendesign zu präsentieren.Frankreich hat über 10 Jahre gebraucht bis es einen funktionstüchtigen thermonuklearen Gefechtskopf im Arsenal hatte. Und das ist gemessen an dem offiziellen Start des Kernwaffenprogramms 1956 bis zum ersten Canopus Test 1966, wobei sich die Vorbereitung dieses Projekts bis auf 1949 zurückverfolgen lässt. Und das wohlgemerkt mit etablierten eigener nuklearer Infrastruktur, direktem Zugang zu großen Uranreserven und ausgedehnter Zusammenarbeit mit Israel, die ebenfalls an Kernwaffen arbeiteten.
Und das war 1964.
Dazu ist Kernwaffe nicht gleich Kernwaffe.
Mit ein wenig Holz, einem Motor und einem Handbuch wie mans macht bin ich ebenfalls in der Lage, ein funktionierendes Ultraleichtflugzeug zu bauen. Es wäre hässlich und gefährlich aber es würde fliegen, so kompliziert ist das nicht. Aber ich könnte keinen konkurrenzfähigen Kampfjet bauen.
Eine reine nukleare Explosion zu verursachen ist ebenfalls kein Hexenwerk. Das Prinzip davon ist umfangreich erforscht und damit keine Hürde. Aber daraus eine funktionstüchtige Kernwaffe zu bauen, auch noch eine die tatsächliches Abschreckungspotenzial bietet und nicht bloß ein Fußballfeld einäschert, ist eine gigantische Hürde. Besonders in unserem Kontext.
Mal rein aus der Entwicklungsperspektive betrachtet brauchen wir für eigene Kernwaffen:
-> Geld (was wir haben)
-> Know-How und willige Wissenschaftler (das/die wir teilweise haben)
-> Entsprechende Forschungsinfrastruktur (die wir nicht haben)
-> Ausreichende Uranreserven (die wir nicht haben)
-> Mind. eine Anreicherungsanlage (die wir nicht haben)
-> Eine praktische Testmöglichkeit (die wir nicht haben und niemals haben werden)
Mal eben hunderte Milliarden Euro und 15.000x neu zu besetzende Stellen, viele davon mit nötigen Qualifikationen, die es hier nicht (teilweise auch nicht mehr) gibt.
Und das betrifft wie gesagt nur die Entwicklung, der Unterhalt kommt noch dazu. Dafür braucht es:
-> ein entsprechendes Führungs- und Befähigungswesen (was wir nicht haben)
-> dafür geeignete militärische Infrastruktur (die wir abseits Büchel ebenfalls nicht haben)
-> dafür geeignete Verbringungsplattformen (die wir ebenfalls nicht haben)
Was auch nochmal Massen an Geld und Personal verschlingen wird. Großbritannien gibt alleine 18% seines Verteidigungshaushalts für den Unterhalt seiner Nuklearwaffen aus, Modernisierung und Entwicklung ist da nicht eingerechnet. In Frankreich sind es rund 15%. Nur mal zum Vergleich, die gesamte Deutsche Marine kriegt für den Unterhalt ihrer Ausrüstung zwischen 5-8% des Verteidigungshaushalts.
Zitat:Dass sie dort bleiben, stellst Du im Zweifelsfall aber nur durch eigenen Besitz sicher.Oder durch ein gegenseitiges Abhängigkeits-Gleichgewicht, dass etwaigen politischen Experimenten vorbeugt.
Was ich bei europäischen Partnern (besonders inner-EUlichen) für gegeben halte, gegenüber den Vereinigten Staaten aber bspw nicht.
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roomsim schrieb:In der Unterwasserkomponente ist es jedoch so, das nukleare U-Boote das teure sind, wenn wir auf konventionelle Boote setzen würden, wie die Israelis, auf vergrößerten 212 CD mit VLS(wie KSS III oder Dakar-Klasse), könnte man bei Stückkosten von ca. 2 mrd und dem Bau eines neuen Stützpunkts in der Nordsee eine Überlebensfähige Zweitschlagfähigkeit für unter 10 mrd plus SLBMs (4 Boote) realisieren, was als Nuklearnation sehr sinnvoll wäre.Der Wert eines U-Boots als nuklearer Pillar wird nicht wirklich durch die maximale Patrioullenlänge sondern vor allem dadurch bestimmt, ob es auf dieser Patrouille regelmäßig auftauchen/schnorcheln muss oder nicht. SSBN können im Konfliktfall mit hoher Geschwindigkeit in den offenen Ozean verlegen und dort Monate im getauchten Zustand verbringen. Damit kann sich ein Boot effektiv vor feindlicher Satellitenaufklärung verstecken ohne im Zweifel selber ziel eines Nuklearschlags zu werden. Denn die Sprengkraft moderner thermonuklearer Waffen reicht heute oft aus, um Boote bis in mehrere hundert Meter Tiefe effektiv zu bekämpfen, entsprechend ist das oberste Gebot, nicht aufgeklärt zu werden.
Und der unterschied zwischen dem der normalen SSBN Patrolienlänge(nicht das was die Briten momentan machen) und dem was moderne AIP Boote schaffen schrumpft auch immer weiter.
Das ist bei SSKs aber so nicht möglich, da diese regelmäßig auftauchen/schnorcheln müssen und in dieser Zeit per Satellit und teilwiese sogar MPA aufgeklärt werden können. Auch sind die nautischen Fähigkeiten von SSKs deutlich geringer, somit können sie im Zweifel nicht schnell genug verlegen. Der Typ 212A schafft nur gut 20kn max im getauchten Zustand und das auch nur für wenige Stunden bevor Batterie- und/oder Brennstoffzell-Speicher leer sind.
Die israelischen Boote sind dahingehend ein Sonderfall, als dass israelische Nuklearwaffen den Fortbestand Israels gegenüber den regionalen Feinden sichern sollen. Palästina, dem Libanon, Irak, Iran etc. Von denen keiner über a) eigene Nuklearwaffen und b) Satellitenaufklärung verfügt, entsprechend sind auch die Anforderungen an die Dakar Klasse anders. Sie dienen nicht wirklich dazu, gegenüber anderen nuklear bewaffneten Mächten abzuschrecken. Wir hingegen haben diesen Luxus nicht.
