15.03.2026, 17:11
(15.03.2026, 16:47)Broensen schrieb: Das ist natürlich auf die Einzelsituationen bezogen richtig, aber es nützt ja nichts, ein einzelnes Szenario zu betrachten, wenn es um die Ausgestaltung der Flotte auf lange Sicht geht. Dafür braucht es eine Einschätzung der zu erwartenden Gefahrenlage, der Begleitumstände, der eigenen Ambitionen und Möglichkeiten etc. pp.
Und zumindest DPU und ich haben in den diversen Diskussionen hier ja aufgezeigt, welches Gesamtbild wir dahingehend für relevant erachten:
Wir erwarten für LV/BV eine Gefahr durch Russland, während sich die USA an einem entsprechenden Konflikt evtl. nicht beteiligen werden. Somit wird auf Deutschland eine erheblich gesteigerte Verantwortung an der Nordflanke zukommen. Ziele dort sind die Verhinderung einer russischen Kontrolle/Sperrung dieser Seegebiete sowie der Schutz der norwegischen Küste und der Infrastruktur bis GIUK und in die Nordsee hinein. Für die Hochseeflotte bedeutet das primär ASW im gesamten europäischen Nordmeer. Dort bestehen Bedrohungen durch U-Boote und weitreichende Waffen der Russen, so dass AAW ebenfalls relevant wird, um ASW und auch allgemein Schifffahrt dort betreiben zu können. Auf die Ostsee gehe ich jetzt mal nicht weiter ein.
Das ist kein operatives Szenar, sondern ihr beschreibt die strategische Ebene bzw. die Rahmenbedingungen.
Wenn du ein Schiff konzipierst, geht es darum, was auf der operativ-taktischen Ebene stattfindet. Dazu gehört dann z.B. das Wissen, wie ein Gegner gegen dich operieren wird und welche Taktiken und Waffen er zum Einsatz bringen kann und wird.
Wir führen mal das Beispiel ASBM weiter, weil das sehr gut in dieses Beispiel passt.
Wenn du einen MAD baust, der gleichermaßen gut gegen alle Bedrohungen geeignet ist, wer das ein sehr großes Schiff und entsprechend träge.
Wenn du spezialisierte kleine Einheiten baust, haben diese eine deutlich geringere Signatur und sind agiler.
Eine ASBM hat den Hauptvorteil der hohen Anflugsgeschwindigkeit - dies ist aber gleichzeitig der Schwachpunkt.
Du feuerst die ASBM ab mit initialen Zieldaten und kannst diese im Flug bis zu einem gewissen Zeitpunkt aufdatieren. Spätestens wenn die ASBM wieder in die (dichte) Atmosphäre eintritt, wirst du bedingt durch die Reibungshitze und das entstehende Plasma den Kontakt verlieren und die ASBM fliegt erstmal blind weiter, weil auch die Bordsensoren gestört werden.
Das Problem dieser hohen Geschwindigkeit setzt sich bis zum Endanflug auf das Ziel fort. Wenn die Geschwindigkeit hoch bleibt, muss das Ziel eine hohe Signatur (z.B. Fläche, Hitzequelle) aufweisen, damit die ASBM es auffassen kann. Ansonsten geht das Ding halt daneben.
Eine Lösung hierfür sind hyperschallschnelle MARV, welche im Endanflug verlangsamen, um kleinere Ziele auffassen und treffen zu können. Dann fallen die aber evtl. in einen Geschwindigkeitsbereich, dass man keine SM-6 oder ähnliches mehr braucht, um sie vom Himmel zu holen.
Auch die chinesischen ASBM sind erstmal "Carrier Killer", weil so ein riesiger Pott eine enorme Radarrückstrahlfäche bzw. IR-Signatur hat.
Dass es derzeit oder absehbar überhaupt irgendeine ASBM gibt, die eine kleine 5.000 t Fregatte treffen kann, ist weder belegt noch gesichert.
Hauptzweck der ASBM ist es, die amerikanischen CSG von der eigenen Küste (China, Russland) fernzuhalten, nicht die begleitenden Zerstörer auszuschalten.
Diese technische Debatte und Bewertung entscheidet jetzt aber über deine Flottenplanung - hier kommt das Nachrichtenwesen ins Spiel bzw. der Prozess, den man Wirksamkeitsanalyse nennt.
Ich bin der Meinung, eine ASBM wird keine kleine Fregatte treffen können, deshalb sehe ich auch keine Notwendigkeitkeit, eine ASW-Fregatte mit einer ASBM-Waffe auszurüsten.
Wenn man die Deutsche Marine richtig aufstellt, bekommt man auch selber einen Verband mit entsprechendem Mix aufgestellt ohne nur noch MAD zu bauen, die keiner bezahlen, unterhalten und bemannen kann.
Seh' es mal so: Wenn du nur 10 MAD mit 96 VLS Zellen hast und jeder 32 ASBM-Waffen tragen soll, sind das schon 320. Kostentechnisch jeder so um die 10 Mio. EUR, sprich 3,2 Mrd. EUR. Dazu noch die Reserve für den V-Fall, die deutlich mehr als 30 Tage umfassen muss, weil so ein Lenkflugkörper nicht in 30 Tagen nachgefertigt wird. Dann kommen verbunkerte Depots, Wartung, Rezertifizierung und Weiterentwicklung dazu. Über einen Zeitraum von 15 Jahren ungefähr 2 x der Beschaffungspreis.
Wir reden hier also über mindestens 10 Mrd. EUR, die man für "nichts" vorhält, weil die Bedrohungsanalyse ggf. falsch war. Keine andere Marine um uns herum und in der NATO scheint dieses "ASBM"-Problem so zu sehen, wie du und DPU. Alle setzen weiterhin auf den bewährten Flottenmix. Haben die also alle keine Ahnung?

Der Kalte Krieg wurde durch wirtschaftlichen Niederung der Sowjetunion maßgeblich beendet. Wir sollten aufpassen, dass wir jetzt nicht den Fehler machen und am Ende wirtschaftlich bankrott gehen.
Egal, wie ihr den MAD ausplant, wenn der als Einzelfahrer an der Nordflanke unterwegs ist, wird er einfach ausgeschaltet - und ihr würdet euch bei Einblick in die entsprechenden Berechnungen wundern, wieviel noch in seinen Magazinen steckt, wenn er untergeht.
