Vor 3 Stunden
DeltaR95 schrieb:Ich nehme mal an, du sprichst hier über Radarabdeckung und vermengst hier munter die Reichweiten von boden- und luftgestützten Radarsystemen. [...]Nein, tue ich tatsächlich nicht. Das sind die Gebiete in denen NATO-Einheiten Gefahr laufen, per Kill-Chain "bearbeitet" zu werden. Da geht es nicht so sehr um Radar sondern mehr um den gesamten Vorgang von Aufklärung über Identifizierung bis hin zur Bekämpfung.
Denn genauso wie die Ostsee für uns eine "Badewanne" ist, ist sie es auch für Russland.
Du glaubst doch bitte nicht ernsthaft, dass die russischen Streitkräfte sich darauf beschränken werden, ab und zu mal mit boden- und luftgestützten Radaren drüber zu gehen oder?
Die kommen frisch aus dem Ukrainekrieg indem sie ihre halbe Schwarzmeerflotte in genau solchen Situationen wie hier verloren haben. Was meinst du, was die ihre Hausaufgaben gemacht haben wenn es bzw falls es in der Ostsee losgeht?
Vor ihrer Haustür werden die mit allem arbeiten, was ihnen zur Verfügung steht. Angefangen bei Seafloor Based Sensors über Bojen, UUV/USV, UAV mit EO/IR und/oder MFR-Befähigung, MPAs (je nachdem) bis hin zu Satelliten, alles was das Herz begehrt. SIGINT und ELINT werden dabei auch eine Rolle spielen. Da zählen definitiv auch bodengebundene Radarstellungen zu aber die Sensorkomponente alleine darauf zu reduzieren, wäre halt Schwachsinn.
Dazu würde ich auch Spionage nicht unterschätzen. Wir sehen es ja heute bereits, dass Russland vermehrt auf Dritte für Einmaljobs zurückgreift. Ein Anruf sobald der Konvoi ausläuft mit ein paar grundlegenden Informationen über dessen Beschaffenheit und du kannst ziemlich genau berechnen, wann der Konvoi wo sein wird, ohne, dass man selber überhaupt den Kontakt auf dem Schirm hat. Wie gesagt, so groß ist die Ostsee nicht, Rest macht die Terminal Guidance der AShM. Oder noch eine Möglichkeit, ein handelsüblicher Airtag von Apple, kann Standorte weltweit bis auf Meter genau darstellen, gibts für 20 Euro bei Amazon. Ein Hafenarbeiter der so ein ähnliches Ding irgendwo versteckt und du hast den Salat, da hilft dir auch kein EMCON mehr. Du kannst ja schlecht jedes Transportschiff jedes mal von oben bis unten durchleuchten, da käme die Logistikkette schon ganz ohne feindliches Zutun zum erliegen.
Wie gesagt, ich fürchte, dass man sich an die Realität, konstant "gesehen" zu werden, gewöhnen muss. Dem kann man durchaus begegnen, es ist kein "automatisches" Todesurteil wie in vergangenen Zeiten und strategischen Realitäten, aber der wirksame Schutz durch eben bspw Emissionsminderung etc dürfte meist nicht mehr gegeben sein.
