Gestern, 16:27
Streit zwischen Russland und Aserbaidschan: Schaltet Baku jetzt internationale Gerichte ein?
Hier wird aber deutlich, dass das Geschehen um den Flugzeugabschuss eher Symptom einer tiefer greifenden Krise ist, die zum völligen Zerwürfnis führen kann.
Aljew passt in seiner Persönlichkeit und seinem Führungsstil nicht nur zu Putin, sondern auch zu Erdogan - da könnte sich dann viel mehr entwickeln als die derzeitige "aserbaidschanische Ausgleichspolitik" zwischen russischen und türkischen Interessen.
Zitat:In dieser Woche verbreiteten aserbaidschanische Medien ein Schreiben von Alexander Bastrykin, dem Vorsitzenden des russischen Ermittlungskomitees, an die Generalstaatsanwaltschaft Aserbaidschans. Darin kündigt er die Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen zum Absturz eines aserbaidschanischen Passagierflugzeugs im Dezember 2024 an, das von russischen Luftabwehrsystemen beschossen worden war. Bei dem Unglück kamen 38 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben.mir gehts jetzt nicht um den Abschuss eines Flugzeuges - das ist im "politischen Zeitgeschehen" mehr ein Tagesereignis, das die langfristigen Beziehungen eher kaum bis nicht tangiert.
Die damals ausgelöste politische Krise in den Beziehungen zwischen Moskau und Baku ist damit weiterhin ungelöst und könnte nun erneut aufflammen. Über viele Jahre gelang es Aserbaidschan, ein sorgfältiges Gleichgewicht zwischen westlichen Staaten, Russland und der Türkei zu wahren. So unterzeichneten Wladimir Putin und Ilham Alijew am 22. Februar 2022, zwei Tage vor Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine, im Kreml eine Erklärung zur Zusammenarbeit der Verbündeten – ein Dokument, das der sechs Monate zuvor zwischen Aserbaidschan und der Türkei geschlossenen Erklärung ähnelte.
Der Krieg in der Ukraine veränderte das Kräfteverhältnis zwischen Moskau und Baku kaum, obwohl Aserbaidschan seine Unterstützung für Kiew offen bekundete. Russische Behörden kritisierten die aserbaidschanische Regierung zwar regelmäßig für die Lieferung von Transformatoren und Generatoren als humanitäre Hilfe an die Ukraine, beließen es jedoch bei verbalen Einwänden.
Unter dem Eindruck westlicher Sanktionen und internationaler Isolation wurde Aserbaidschan zu einem der wichtigsten Partner Russlands. 2022 wuchs der bilaterale Handel zwischen Moskau und Baku um fast 25 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar.
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Unter anderem vereinbarten der aserbaidschanische Staatskonzern SOCAR und der russische Öl- und Gasriese Gazprom eine Vertiefung ihrer strategischen Partnerschaft. Doch nach dem tragischen Absturz des aserbaidschanischen Passagierflugzeugs im Dezember 2024 begannen sich die Beziehungen zwischen Moskau und Baku grundlegend zu verändern.
Aserbaidschan reagierte scharf und stellte drei Forderungen an Moskau: erstens ein Schuldeingeständnis und eine offizielle Entschuldigung, zweitens Entschädigungszahlungen an die Opfer und ihre Angehörigen, drittens die Bestrafung der Verantwortlichen.
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Ein weiterer Beleg für das gegenseitige Interesse ist das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern, das 2025 um fast drei Prozent gestiegen ist. Eine weitere Eskalation ist deshalb weder für Russland noch für Aserbaidschan notwendig. Doch bislang ist keine der beiden Seiten bereit, im diplomatischen Konflikt um den Flugzeugabschuss nachzugeben.
Hier wird aber deutlich, dass das Geschehen um den Flugzeugabschuss eher Symptom einer tiefer greifenden Krise ist, die zum völligen Zerwürfnis führen kann.
Aljew passt in seiner Persönlichkeit und seinem Führungsstil nicht nur zu Putin, sondern auch zu Erdogan - da könnte sich dann viel mehr entwickeln als die derzeitige "aserbaidschanische Ausgleichspolitik" zwischen russischen und türkischen Interessen.
