11.01.2026, 01:49
Mit deutschen U-Booten nähert sich Indien der EU - meint die FAZ und widmet sich dem politischen Hintergrund der Verhandlungen:
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Der Kanzler-Besuch in Indien nächste Woche bringt den Werft-Konzern TKMS einem Milliardenauftrag näher – ein wichtiger Schritt in der geopolitischen Neuordnung.
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Friedrich Merz (CDU) bringt zu seinem ersten Indien-Besuch im Amt die Aussicht auf schweres Kriegsgerät mit, womit Indien den wachsenden Einfluss des chinesischen Nachbarn im Indo-Pazifik zurückzudrängen könnte. Genau gesagt handelt es sich um sechs U-Boote der Klasse U214, die der deutsche TKMS -Konzern für die Inder bauen soll. Angebliches Auftragsvolumen: Acht Milliarden Dollar. Zwar dürfte der seit vielen Jahren verhandelte Deal beim Kanzlerbesuch noch nicht unterschrieben werden. Doch auf der Zielgerade sei er sehr wohl, heißt es von allen Beteiligten. Der größte Auftrag in der indischen Rüstungsgeschichte habe Symbolwert, sagen Fachleute: Dass Indien eine Allianz mit China und Russland bilden werde, sei wenig wahrscheinlich. Vielmehr nähere sich der Subkontinent an Europa an.
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„Wir haben den Wettbewerb gewonnen, weil wir als einziger Anbieter einen Außenluft-unabhängigen Antrieb mit Brennstoffzelle liefern, der es ermöglicht, sehr lange zu tauchen. Damit bleibt man sehr lange unsichtbar, insbesondere im Zusammenspiel mit einem sehr leisen Betrieb und einer speziellen Außenform“, erklärte TKMS-Chef Burkhard jüngst im Interview mit der F.A.Z. zu dem Angebot für Indien.
Der technische Vorsprung mag ausschlaggebend gewesen sein für die Auswahl von TKMS. Doch: Es habe für den Zuschlag an die Deutschen sicher nicht geschadet, dass „die EU und Indien in Bezug auf strategische Autonomie immer stärker dieselbe Sprache sprechen“, sagt Harsh V. Pant, Professor für Internationale Beziehungen vom King’s College in London, der F.A.Z. Im Gegensatz zu den USA, deren Präsident Donald Trump Indien mit weiteren Sanktionszöllen von 500 Prozent droht, die das indische Exportgeschäft in die USA praktisch beenden könnten, seien Europa und Indien „natürliche Partner“. Die militärische Zusammenarbeit mit Deutschland bilde eine „neue Dimension“. Der U-Boot-Deal zeige, dass sich Neu Delhi „aus der Konfrontation der USA mit Russland und China wegbewegen“ wolle.
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Den U-Boot-Auftrag hat der Kanzler so gut wie in der Tasche, wenn er weiter vom Bundesstaat Gujarat im Luftwaffen-Airbus weiter nach Bengaluru reist. Im früheren Bangalore, dem indischen Silicon Valley, trifft Friedrich Merz auf weitere deutsche Unternehmen mit großen Hoffnungen für gute Geschäfte im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Die makroökonomischen Daten sehen gut aus. Im laufenden Fiskaljahr soll Indiens Wirtschaft um deutlich mehr als sechs Prozent wachsen. Und dann wird auch noch erwartet, dass bis Ende des Monats ein anderes Vertragswerk abgeschlossen wird, dessen Verhandlung noch länger gedauert hat als der U-Boot-Deal: Das europäisch-indische Freihandelsabkommen.

