Gestern, 18:41
(Gestern, 17:55)Nightwatch schrieb: Schlicht nein. Es ist für den Schützen in den Sekundenbruchteilen nur erkennbar, dass sich das Fahrzeug von der Rückwärtsfahrt plötzlich in die Vorwärtsfahrt begibt und damit direkt auf ihn zukommt. Womöglich hört er noch das die Räder durchdrehen und weiß damit, dass hier gerade zwei Tonnen Fahrzeug mit hoher Energie im Bewegung gesetzt werden. Er steht dabei viel zu nah am Fahrzeug um noch die Ausrichtung der Räder zu erfassen und er hat keine Zeit mehr abzuwarten, ob die Dame ihn überfahren oder 'nur' entkommen möchte.Selbst wenn das so wäre, was ich explizit bestreite, so bliebe es ein Fehler, zu schießen, statt auszuweichen, um die persönliche Gefährdung zu beenden.
Zitat:Das ist inkorrekt, der Schütze wurde vom Fahrzeug erfasst und druch das Fahrzeug zur Seite gedrängt.Selbst wenn auch das so wäre, was ich ebenfalls bestreite, so bliebe es dabei, dass er sich durch die Schussabgabe selbst mehr in Gefahr gebracht hat als, als wenn er stattdessen ausgewichen wäre. Um zu schießen, ist er stehen geblieben und hat sich somit selbst der Möglichkeit beraubt, noch auf die Fahrzeugbewegung reagieren zu können, während er durch den Schuss dafür gesorgt hat, dass sich an dem anliegenden Fahrzeugkurs auch nichts mehr ändern wird, weil das Fahrzeug so führerlos wurde. Also falls er tatsächlich durch die Fahrzeugbewegung bedroht gewesen wäre, dann hätte der Schuss diese Gefahr verfestigt, statt sie abzuwehren. In keinem Fall lässt sich eine akute persönliche Gefährdung und ein darauf bezogen sinnvoller Schusswaffeneinsatz zusammenbringen. Das schließt sich gegenseitig aus. Es bleibt nur entweder situationsbedingte Fehleinschätzung/-reaktion oder Fluchtunterbindung und somit präventive Gefahrenabwehr als denkbare Rechtfertigung.
Das er da noch glimpflich davongekommen ist liegt übrigens nur daran, dass die Räder zunächst kein Traktion gehabt haben als die Dame aufs Gas getreten ist und durchgedreht sind. Auf weniger gefrorernen Grund wäre das Fahrzeug sofort direkt nach vorne geschossen und hätte den Schützen voll erwischt. Damit musste er im Moment der Schussentscheidung rechnen.
Zitat:Nein, er hat eben richtig gehandelt. Die Situation ist höchst einfach: Er steht direkt vor einem 2t Fahrzeug das im Begriff ist mit durchdrehenden Reifen loszufahren. Mehr Einschätzung ist nicht möglich, er kann nicht wissen ob die Frau nach links oder rechts oder geradeaus fahren, ihn überfahren oder stoppen wird, wenn er unter dem Fahrzeug liegt.Anscheinend traust du Polizisten -sofern man ICE-Agents überhaupt als solche ansehen kann- eine deutlich schlechtere Auffassungsgabe zu als ich. Insofern werde ich dich nicht überzeugen können, du mich aber ebenso wenig.
Beide Agents haben falsch gehandelt.
Selbst sofern eine Festnahme die Absicht des ersten Agents war, hätte der spätere Schütze niemals vor dem Fahrzeug her laufen dürfen, dort hätte allenfalls ein Fahrzeug positioniert werden müssen.
Der erste Agent hat mit seiner Handlung eine absehbare Reaktion ausgelöst, auf die sein Kollege nicht vorbereitet war und auf die er falsch reagiert hat. Also hat entweder der erste Agent den zweiten nicht ausreichend informiert, oder dieser hat fahrlässig gehandelt, as er vor dem Fahrzeug her lief. Die ganze Situation war taktisch vollkommen falsch angelegt, egal ob die Festnahme der Fahrerin oder das Entfernen des Fahrzeugs das Ziel waren. Und deswegen ist auch der Tod der Fahrerin durch dieses polizeiliche Fehlverhalten maßgeblich herbeigeführt worden, obwohl natürlich immer eine Mitschuld besteht, wenn jemand auf der Flucht erschossen wird. Aber wenn man dem Schützen zugesteht, dass er aufgrund subjektiv empfundener Gefahr schießt, dann muss man genauso der Fahrerin zugestehen, dass sie aufgrund einer Panikreaktion Gas gibt. Und vor allem muss man das als Polizist bei eigenen Handlungen vorhersehen und berücksichtigen. Das ist natürlich schwer, wenn Angst und Schrecken auf der "Gegenseite", als wichtiges Ziel der eigenen Arbeit aufgefasst wird, wie es bei ICE derzeit weit verbreitet ist.
