(Allgemein) Atomare Bewaffnung Deutschlands?
(12.03.2026, 12:52)DopePopeUrban schrieb: Versteh mich nicht falsch, ich bin ebenfalls aus diversen Gründen gegen ein deutschen Atomwaffenprogramm, aber eben primär aus deutschen Interessen heraus. Das Großmächte wie die Vereinigten Staaten und Russland es natürlich anders sehen, was Staaten in ihrer jeweiligen Einflusssphäre tun oder lassen, war abzusehen.
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Ich glaube persönlich nicht, dass sich die Vereinigten Staaten aus der europäischen Sicherheitsarchitektur zurückziehen wollen, zumindest nicht im isolationistischen Sinne. Das wäre auch kontraproduktiv gegenüber Gesichtspunkten wie bspw den eignen Wirtschaftsinteressen oder auch politischem Einfluss. Die Devise wird "möglichst wenig Investment, möglichst große Kontrolle" sein, für vollständigen Isolationismus wird das republikanische Fundament der aktuellen Administration deutlich zu amerikanisch sein.
Was kann wichtiger sein, als nicht mit Nuklearschlag erpressbar zu sein. Da treten am Ende alle politischen/moralischen Erwägungen hinten an.

Ohne Rammstein und DEU als Drehscheibe hätte die USA ein Problem mit Nahosteinsätzen. So schnell sehe ich einen Rückzug aus DEU/Europa nicht. Trump redet viel ohne/trotz Nachdenken ...
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Ich habe nicht gesagt, dass ich gegen eine nukleare Beteiligung Deutschlands bin, ich habe lediglich gesagt, dass ich kein deutsches Nuklearprogramm möchte. Nicht nur würde man es sich damit mit dem Großteil der Welt empfindlich verscherzen, was in Anbetracht der ohnehin schon wackeligen Weltordnung - von der wir mit am meisten profitieren und die es nach Möglichkeit mit Händen und Füßen zu wahren gilt - kontraproduktiv wäre. Auch kostet der Mist ein Vermögen, dauert Jahrzehnte und ist in Anbetracht dessen, dass es bereits nukleare Fähigkeiten in Europa gibt, auf die man zurückgreifen kann, redundant.

Es ist mMn zweitrangig, wem die Bomben in Büchel gehören. Wichtig ist, dass sie dort sind und dort bleiben.
„Fox1“ schrieb:Trump redet viel ohne/trotz Nachdenken ...
Genau das ist auch die Gefahr die ich darin sehe. Der Mann ist impulsgetrieben, hat ein extremes Ego und sieht die Welt durch die Linsen eines 4Chan Users. Der trifft geopolitische Entscheidungen vermutlich anhand dessen, mit welchem Fuß er denn heute aufgestanden ist und Gnade dem der nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Und in Anbetracht dessen, dass es so einer durch die republikanischen Ränge geschafft hat deutet mEn daraufhin, dass das insgesamt auch keine Einzelfall-Persona ist. Sein Kabinett ist zwar vermutlich weniger dement, aber auch nicht sonderlich heller unterwegs als er. Und die Basis auf der dieses Kabinett entstanden ist, ebenso. Mit der Sorte Mensch werden wir uns im Zweifel noch Jahrzehnte herumschlagen müssen. Also alles kann, nichts muss.
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Zitat: Es ist mMn zweitrangig, wem die Bomben in Büchel gehören. Wichtig ist, dass sie dort sind und dort bleiben.

Garantiert nicht , so wird Europa nie für seine eigene Sicherheit sorgen. Die gehören abgezogen , genau wie es der Bundestag beschlossen hat.
Wer ist den mit Schuld an der wackeligen Weltordnung, das ist ja dann wohl schon mehr als Heuchelei.
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(16.03.2026, 23:51)alphall31 schrieb: Garantiert nicht , so wird Europa nie für seine eigene Sicherheit sorgen. Die gehören abgezogen , genau wie es der Bundestag beschlossen hat.
Wer ist den mit Schuld an der wackeligen Weltordnung, das ist ja dann wohl schon mehr als Heuchelei.
Ne, das ist Realismus. Man gewinnt keine Kriege durch nukleare Abschreckung, wenn der Feind ebenfalls nuklear abschrecken kann. Diese Befähigungen dienen einzig und alleine dazu, nuklearer Waffengewalt im Konfliktfall vorzubeugen und dafür ist lediglich ihre Präsenz erforderlich. Wenn man ernsthaft behauptet, dass man im Falle eines feindlichen nuklearen Erstschlages auch nur eine einzige dieser Bomben in die Luft bekommt bevor Büchel nuklear ausgeschaltet wird, lügt man sich mMn selber an.

Es gilt mMn die nukleare Komponente möglichst verlässlich und möglichst günstig zu halten und in diesem Belangen bin ich durchaus bei dir, da halte ich die Vereinigten Staaten auch für den falschen Partner. Hier wäre eine europäische Teilhabe mEn der Idealfall und auch der realistischste. Und da sage ich bewusst „Teilhabe“ und nicht „gemeinsame Nuklearwaffen“.

Ich muss aber auch ganz klar sagen, dass die Ungewissheiten in der konventionellen Abhängigkeit durch außereuropäische Staaten aktuell mit unser größtes Sicherheitsrisiko darstellt, deutlich größer als etwaige nukleare Abhängigkeiten. Denn die werden im Kriegsfall tatsächlich gebraucht. Entsprechend bin ich ausdrücklich dagegen, großartig Geld unnötig in eigene nukleare Fähigkeiten zu investieren, die dann der konventionellen Lückenfüllung nicht mehr zur Verfügung stehen.
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(16.03.2026, 23:17)DopePopeUrban schrieb: Auch kostet der Mist ein Vermögen, dauert Jahrzehnte und ist in Anbetracht dessen, dass es bereits nukleare Fähigkeiten in Europa gibt, auf die man zurückgreifen kann, redundant.
Absolut nicht.

Siehe das nte-Land-Experiment: drei Physik-Doktoranden ohne jegliches Vorwissen im Waffenbau, ohne nennenswerte finanzielle Unterstützung, gestützt nur auf öffentlich einsehbare Informationen, benötigten lediglich zweieinhalb Kalenderjahre, um ein funktionierendes Kernwaffendesign zu präsentieren.

Und das war 1964.

Deutschland wird von der FAS als Threshold Country eingestuft, soll heißen, Wissen und Mittel sind vorhanden, um binnen sechs Monaten eine nukleare Freifallbombe zu bauen. Natürlich würde eine glaubwürdige nukleare Abschreckung andere Trägermittel benötigen, aber die hat Deutschland auch (Marschflugkörper) bzw. plant deren Erwerb sowieso (Deep Precision Strike).

In der nuklearen Triade kosten vor allem die Unterseeboote und strategischen Bomber ein Heidengeld, land- oder luftgestützte Lösungen sind günstiger zu realisieren und wären für Deutschland vermutlich das Mittel der Wahl.

Das wichtigste finanzielle und organisatorische Problem bestünde darin, an genügend spaltbares Material zu kommen. Die Meinungen dazu, wie viel davon in Deutschland noch vorhanden ist, gehen auseinander, in den letzten Monaten habe ich Zahlen gelesen, die von einem Pendant von 6 bis 20 Sprengköpfen ausgehen.

Eigentlich macht eine nukleare Bewaffnung nur Sinn, wenn man eine sichere eigene Quelle für spaltbares Material verfügt, oder zumindest eigene Kernkraftwerke hat.
(16.03.2026, 23:17)DopePopeUrban schrieb: Es ist mMn zweitrangig, wem die Bomben in Büchel gehören. Wichtig ist, dass sie dort sind und dort bleiben.
Dass sie dort bleiben, stellst Du im Zweifelsfall aber nur durch eigenen Besitz sicher.
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(17.03.2026, 02:16)muck schrieb: Absolut nicht.

Siehe das nte-Land-Experiment: drei Physik-Doktoranden ohne jegliches Vorwissen im Waffenbau, ohne nennenswerte finanzielle Unterstützung, gestützt nur auf öffentlich einsehbare Informationen, benötigten lediglich zweieinhalb Kalenderjahre, um ein funktionierendes Kernwaffendesign zu präsentieren.

Und das war 1964.

Deutschland wird von der FAS als Threshold Country eingestuft, soll heißen, Wissen und Mittel sind vorhanden, um binnen sechs Monaten eine nukleare Freifallbombe zu bauen. Natürlich würde eine glaubwürdige nukleare Abschreckung andere Trägermittel benötigen, aber die hat Deutschland auch (Marschflugkörper) bzw. plant deren Erwerb sowieso (Deep Precision Strike).

In der nuklearen Triade kosten vor allem die Unterseeboote und strategischen Bomber ein Heidengeld, land- oder luftgestützte Lösungen sind günstiger zu realisieren und wären für Deutschland vermutlich das Mittel der Wahl.

Das wichtigste finanzielle und organisatorische Problem bestünde darin, an genügend spaltbares Material zu kommen. Die Meinungen dazu, wie viel davon in Deutschland noch vorhanden ist, gehen auseinander, in den letzten Monaten habe ich Zahlen gelesen, die von einem Pendant von 6 bis 20 Sprengköpfen ausgehen.

Eigentlich macht eine nukleare Bewaffnung nur Sinn, wenn man eine sichere eigene Quelle für spaltbares Material verfügt, oder zumindest eigene Kernkraftwerke hat.Dass sie dort bleiben, stellst Du im Zweifelsfall aber nur durch eigenen Besitz sicher.

Naja es gibt die Anreicherungsanlage von Urenco Deutschland in Granau und den FRM 2, der sehr leicht rekonfigurierbar ist meines Wissens nach.

Was die Triade Angeht:
Land uns fehlt die notwendige Fläche, um ein großflächig verstreutes Silofeld aufzubauen und dafür ist auch die Deutsche Siedlungsdichte zu hoch, weshalb eine Strategische Landgestützte Komponente unwahrscheinlich wäre, ähnlich wie bei den Briten und inzwischen auch Franzosen.
Deswegen wäre in der Landkomponente nur taktische Waffen auf Marschflugkörpern realistisch.

Bei der Luftkomponente bin ich voll bei dir, Jagdbomber wären das höchste der Gefühle, was aber bei modernen Waffen eine Einschränkung nur in der Reichweite ist, da die Sprengköpfe entsprechend klein und leicht sind.

In der Unterwasserkomponente ist es jedoch so, das nukleare U-Boote das teure sind, wenn wir auf konventionelle Boote setzen würden, wie die Israelis, auf vergrößerten 212 CD mit VLS(wie KSS III oder Dakar-Klasse), könnte man bei Stückkosten von ca. 2 mrd und dem Bau eines neuen Stützpunkts in der Nordsee eine Überlebensfähige Zweitschlagfähigkeit für unter 10 mrd plus SLBMs (4 Boote) realisieren, was als Nuklearnation sehr sinnvoll wäre.
Und der unterschied zwischen dem der normalen SSBN Patrolienlänge(nicht das was die Briten momentan machen) und dem was moderne AIP Boote schaffen schrumpft auch immer weiter.

Deshalb sehe ich es als realistisch, das wenn ein Nuklearprogramm kommt, ein Duo aus Luftkomponente und etwas später hinzustoßender Unterwasserkomponente, wie bei den Franzosen (und Briten im Kalten Krieg) minus dem Nuklearantrieb der U-Boote, als den wahrscheinlichsten Aufbau von Nuklearkräften.

P.S:
Die einzigen Orte, bei den ich in Europa sehe, das sie potenziell für Siloanlagen geeignet wären sind,
das Interieur Spaniens und der Norden Schwedens, sowie vielleicht noch das Massive Central in Frankreich
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DEU baut die Fähigkeiten auf:

https://www.hartpunkt.de/deep-precision-...allwaffen/

Der Mitteilung zufolge wollen beide Länder eine Familie zukünftiger Stealth-Marschflugkörper und Hyperschallwaffen mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern entwickeln, die voraussichtlich in den 2030er Jahren in Dienst gestellt werden soll. Das Programm konzentriere sich zunächst auf bodengestützte Fähigkeiten, werde aber auch Luft- und Seestreitkräfte einbeziehen, um eine Abschreckung auf große Entfernung und operative Flexibilität zu gewährleisten, heißt es.

Damit ist wohl alles gesagt. Die Voraussetzungen werden geschaffen.
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muck schrieb:Siehe das nte-Land-Experiment: drei Physik-Doktoranden ohne jegliches Vorwissen im Waffenbau, ohne nennenswerte finanzielle Unterstützung, gestützt nur auf öffentlich einsehbare Informationen, benötigten lediglich zweieinhalb Kalenderjahre, um ein funktionierendes Kernwaffendesign zu präsentieren.

Und das war 1964.
Frankreich hat über 10 Jahre gebraucht bis es einen funktionstüchtigen thermonuklearen Gefechtskopf im Arsenal hatte. Und das ist gemessen an dem offiziellen Start des Kernwaffenprogramms 1956 bis zum ersten Canopus Test 1966, wobei sich die Vorbereitung dieses Projekts bis auf 1949 zurückverfolgen lässt. Und das wohlgemerkt mit etablierten eigener nuklearer Infrastruktur, direktem Zugang zu großen Uranreserven und ausgedehnter Zusammenarbeit mit Israel, die ebenfalls an Kernwaffen arbeiteten.

Dazu ist Kernwaffe nicht gleich Kernwaffe.

Mit ein wenig Holz, einem Motor und einem Handbuch wie mans macht bin ich ebenfalls in der Lage, ein funktionierendes Ultraleichtflugzeug zu bauen. Es wäre hässlich und gefährlich aber es würde fliegen, so kompliziert ist das nicht. Aber ich könnte keinen konkurrenzfähigen Kampfjet bauen.

Eine reine nukleare Explosion zu verursachen ist ebenfalls kein Hexenwerk. Das Prinzip davon ist umfangreich erforscht und damit keine Hürde. Aber daraus eine funktionstüchtige Kernwaffe zu bauen, auch noch eine die tatsächliches Abschreckungspotenzial bietet und nicht bloß ein Fußballfeld einäschert, ist eine gigantische Hürde. Besonders in unserem Kontext.

Mal rein aus der Entwicklungsperspektive betrachtet brauchen wir für eigene Kernwaffen:
-> Geld (was wir haben)
-> Know-How und willige Wissenschaftler (das/die wir teilweise haben)
-> Entsprechende Forschungsinfrastruktur (die wir nicht haben)
-> Ausreichende Uranreserven (die wir nicht haben)
-> Mind. eine Anreicherungsanlage (die wir nicht haben)
-> Eine praktische Testmöglichkeit (die wir nicht haben und niemals haben werden)

Mal eben hunderte Milliarden Euro und 15.000x neu zu besetzende Stellen, viele davon mit nötigen Qualifikationen, die es hier nicht (teilweise auch nicht mehr) gibt.

Und das betrifft wie gesagt nur die Entwicklung, der Unterhalt kommt noch dazu. Dafür braucht es:
-> ein entsprechendes Führungs- und Befähigungswesen (was wir nicht haben)
-> dafür geeignete militärische Infrastruktur (die wir abseits Büchel ebenfalls nicht haben)
-> dafür geeignete Verbringungsplattformen (die wir ebenfalls nicht haben)

Was auch nochmal Massen an Geld und Personal verschlingen wird. Großbritannien gibt alleine 18% seines Verteidigungshaushalts für den Unterhalt seiner Nuklearwaffen aus, Modernisierung und Entwicklung ist da nicht eingerechnet. In Frankreich sind es rund 15%. Nur mal zum Vergleich, die gesamte Deutsche Marine kriegt für den Unterhalt ihrer Ausrüstung zwischen 5-8% des Verteidigungshaushalts.
Zitat:Dass sie dort bleiben, stellst Du im Zweifelsfall aber nur durch eigenen Besitz sicher.
Oder durch ein gegenseitiges Abhängigkeits-Gleichgewicht, dass etwaigen politischen Experimenten vorbeugt.
Was ich bei europäischen Partnern (besonders inner-EUlichen) für gegeben halte, gegenüber den Vereinigten Staaten aber bspw nicht.
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roomsim schrieb:In der Unterwasserkomponente ist es jedoch so, das nukleare U-Boote das teure sind, wenn wir auf konventionelle Boote setzen würden, wie die Israelis, auf vergrößerten 212 CD mit VLS(wie KSS III oder Dakar-Klasse), könnte man bei Stückkosten von ca. 2 mrd und dem Bau eines neuen Stützpunkts in der Nordsee eine Überlebensfähige Zweitschlagfähigkeit für unter 10 mrd plus SLBMs (4 Boote) realisieren, was als Nuklearnation sehr sinnvoll wäre.
Und der unterschied zwischen dem der normalen SSBN Patrolienlänge(nicht das was die Briten momentan machen) und dem was moderne AIP Boote schaffen schrumpft auch immer weiter.
Der Wert eines U-Boots als nuklearer Pillar wird nicht wirklich durch die maximale Patrioullenlänge sondern vor allem dadurch bestimmt, ob es auf dieser Patrouille regelmäßig auftauchen/schnorcheln muss oder nicht. SSBN können im Konfliktfall mit hoher Geschwindigkeit in den offenen Ozean verlegen und dort Monate im getauchten Zustand verbringen. Damit kann sich ein Boot effektiv vor feindlicher Satellitenaufklärung verstecken ohne im Zweifel selber ziel eines Nuklearschlags zu werden. Denn die Sprengkraft moderner thermonuklearer Waffen reicht heute oft aus, um Boote bis in mehrere hundert Meter Tiefe effektiv zu bekämpfen, entsprechend ist das oberste Gebot, nicht aufgeklärt zu werden.

Das ist bei SSKs aber so nicht möglich, da diese regelmäßig auftauchen/schnorcheln müssen und in dieser Zeit per Satellit und teilwiese sogar MPA aufgeklärt werden können. Auch sind die nautischen Fähigkeiten von SSKs deutlich geringer, somit können sie im Zweifel nicht schnell genug verlegen. Der Typ 212A schafft nur gut 20kn max im getauchten Zustand und das auch nur für wenige Stunden bevor Batterie- und/oder Brennstoffzell-Speicher leer sind.

Die israelischen Boote sind dahingehend ein Sonderfall, als dass israelische Nuklearwaffen den Fortbestand Israels gegenüber den regionalen Feinden sichern sollen. Palästina, dem Libanon, Irak, Iran etc. Von denen keiner über a) eigene Nuklearwaffen und b) Satellitenaufklärung verfügt, entsprechend sind auch die Anforderungen an die Dakar Klasse anders. Sie dienen nicht wirklich dazu, gegenüber anderen nuklear bewaffneten Mächten abzuschrecken. Wir hingegen haben diesen Luxus nicht.
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(17.03.2026, 12:48)DopePopeUrban schrieb: Der Wert eines U-Boots als nuklearer Pillar wird nicht wirklich durch die maximale Patrioullenlänge sondern vor allem dadurch bestimmt, ob es auf dieser Patrouille regelmäßig auftauchen/schnorcheln muss oder nicht. SSBN können im Konfliktfall mit hoher Geschwindigkeit in den offenen Ozean verlegen und dort Monate im getauchten Zustand verbringen. Damit kann sich ein Boot effektiv vor feindlicher Satellitenaufklärung verstecken ohne im Zweifel selber ziel eines Nuklearschlags zu werden. Denn die Sprengkraft moderner thermonuklearer Waffen reicht heute oft aus, um Boote bis in mehrere hundert Meter Tiefe effektiv zu bekämpfen, entsprechend ist das oberste Gebot, nicht aufgeklärt zu werden.

Das ist bei SSKs aber so nicht möglich, da diese regelmäßig auftauchen/schnorcheln müssen und in dieser Zeit per Satellit und teilwiese sogar MPA aufgeklärt werden können. Auch sind die nautischen Fähigkeiten von SSKs deutlich geringer, somit können sie im Zweifel nicht schnell genug verlegen. Der Typ 212A schafft nur gut 20kn max im getauchten Zustand und das auch nur für wenige Stunden bevor Batterie- und/oder Brennstoffzell-Speicher leer sind.

Die israelischen Boote sind dahingehend ein Sonderfall, als dass israelische Nuklearwaffen den Fortbestand Israels gegenüber den regionalen Feinden sichern sollen. Palästina, dem Libanon, Irak, Iran etc. Von denen keiner über a) eigene Nuklearwaffen und b) Satellitenaufklärung verfügt, entsprechend sind auch die Anforderungen an die Dakar Klasse anders. Sie dienen nicht wirklich dazu, gegenüber anderen nuklear bewaffneten Mächten abzuschrecken. Wir hingegen haben diesen Luxus nicht.

Diese Schlussfolgerung ist schlicht und ergreifend falsch, da wir wissen, das moderne AIP Boote sehr lange unter Wasser bleiben können, ohne zu schnocheln, und da auch sehr große distanzen zurücklegen können.
Das Längste, was offiziell bei den 212A zum Beispiel bekannt ist war die Strecke Azoren New York ohne Schnorcheln in meine ich 18 Tagen.
Wenn das bei 20 Jahre alten Booten, die nicht extra auf extreme Unterwasserausdauer getrimmt sind, sondern möglichst klein und flexibel sein sollten, offiziell bekannt ist kann man sich ausrechnen/abschätzen was heute bei modernen auf Ausdauer getrimmten Booten möglich ist.

(17.03.2026, 12:48)DopePopeUrban schrieb: SSBN können im Konfliktfall mit hoher Geschwindigkeit in den offenen Ozean verlegen und dort Monate im getauchten Zustand verbringen.
(17.03.2026, 12:48)DopePopeUrban schrieb: Auch sind die nautischen Fähigkeiten von SSKs deutlich geringer, somit können sie im Zweifel nicht schnell genug verlegen. Der Typ 212A schafft nur gut 20kn max im getauchten Zustand und das auch nur für wenige Stunden bevor Batterie- und/oder Brennstoffzell-Speicher leer sind.

Du hast dich anscheinend noch nie mit den Taktiken der Continouis at sea deterance befasst.
Im Kurzabriss, du hast immer ein Boot im getauchten Zustand irgendwo auf den Weltmeeren, das sich maximal in Schleichfahrt fortbewegt und möglichst leise ist um nicht von Feindlichen SSN/SSK und Überwassereinheiten gefunden zu werden.

Das heißt schnell in den offenen Ozean im Konfliktfall verlegen ist so oder so nicht, da man immer seine Patrolie draußen hat, um nicht Spannungen weiter eskalieren zu lassen, was das Rausschicken von SSB(N)s machen würde. Und das ist das letzte was man in einer solchen Situation möchte.
Da ist alles darauf aus, das man möglichst leise ist, weshalb auch z.B. ohne laufende Reaktorpumpen gefahren wird und nur mit natürlicher Zirkulation, was die mögliche Geschwindigkeit stark limitiert. Plus umso langsamer ein U-Bootantrieb sich dreht desto leiser ist er.
Also nix mit schnell schnell. Die Ohios zum Beispiel sind mit der gleichen offiziellen Höchstgeschwindigkeit von 20kn angegeben wie die 212A.

Der einzige Grund für ein SSB(N) schnell unterwegs zu sein ist, das es sich in einem Unterwasserkampf mit einem anderen U-Boot befindet, wofür aber schon einiges schief gelaufen sein muss, oder wenn es schon seine SLBMs gefeuert hat und dann auf die Jagd nach anderen SSB(N)s geht.
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roomsim schrieb:Diese Schlussfolgerung ist schlicht und ergreifend falsch, da wir wissen, das moderne AIP Boote sehr lange unter Wasser bleiben können, ohne zu schnocheln, und da auch sehr große distanzen zurücklegen können.
Das Längste, was offiziell bei den 212A zum Beispiel bekannt ist war die Strecke Azoren New York ohne Schnorcheln in meine ich 18 Tagen.
Korrekt. Und das kann der Typ 212A genau ein einziges mal ohne Boxenstop im Hafen oder am Tender.
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Die 212A verfügen über zwei Möglichkeiten um elektrische Energie luftunabhängig zu verwenden:
-> Die "herkömmlichen" Batterien (Entweder Blei-Säure oder Lithium-Ionen, geladen via Dieselgeneratoren), die Tauchzeiten von einigen Tagen ermöglichen und
-> Die Brennstoffzellen, die Tauchzeiten von mehreren Wochen ermöglichen

Die hier verwendeten Brennstoffzellen setzen flüssigen Sauerstoff zusammen mit Wasserstoff in Wasser um, erzeugen dabei elektrische Energie.
Dieses System ist nicht wiederaufladbar.

Die dafür erforderlichen Reaktanten (fl. Sauerstoff und Wasserstoff) werden in Tanks an Bord mitgeführt und müssen nach der Verwendung per Tender oder Hafen Support nachbetankt werden. Die Boote haben selber keine Möglichkeit, Sauerstoff oder Wasserstoff zu generieren, womit die weithin angepriesenen langen Tauchzeiten endlich sind. Die Boote können nicht 3 Wochen tauchen, kurz auftauchen, laden und dann wieder 3 Wochen tauchen. Sie können ein einziges mal 3 Wochen Tauchen und dann nur jeweils kurze Perioden unter Batterieverwendung. Wenn die Brennstoffzellen leer sind, sind sie leer und ohne externen support stehen sie nicht mehr zur Verfügung. In diesem Fall müssen die Boote auf ihre herkömmlichen Batteriespeicher zurückgreifen, die lediglich Tauchzeiten von einigen Tagen ermöglichen und auf regelmäßiges Auftauchen oder Schnorcheln angewiesen sind, um geladen zu werden.

Der Typ 212CD wird vermutlich über leistungsfähigere Batterien und leistungsfähigere Brennstoffzellen verfügen und somit über mehr Tauchzeit in beiden Kategorien. Aber auch dessen Batterien werden nicht länger als Tage halte und auch dessen Brennstoffzellen sind endlich und nicht wiederaufladbar.

Auf nukleare Fähigkeiten bezogen bedeutet das, dass diese langen Tauchzeiten genau einmal zur Verfügung stehen um etwaiger Satellitenaufklärung zu entkommen. Danach fährt man auf Batterieleistung weiter und ist entsprechend anfällig für Aufklärung.
Zitat:Du hast dich anscheinend noch nie mit den Taktiken der Continouis at sea deterance befasst.
Im Kurzabriss, du hast immer ein Boot im getauchten Zustand irgendwo auf den Weltmeeren, das sich maximal in Schleichfahrt fortbewegt und möglichst leise ist um nicht von Feindlichen SSN/SSK und Überwassereinheiten gefunden zu werden.
Im offenen Atlantik ist es praktisch unmöglich, ein U-Boot in großen Tiefen aufzuklären ohne, dass sich die Wege dabei zufällig oder absichtlich kreuzen. Unabhängig davon, ob das Boot 30kn oder 3kn fährt, dafür ist der Atlantik viel zu groß und viel zu laut. Obgleich die Hintergrundakustik durchaus von Ort zu Ort unterschiedlich ist, liegt die Background Noise im Durchschnitt zwischen 80 und 120 dB. Das liegt lautstärkentechnisch zwischen Staubsauger und Kettensäge.

Der ist so laut, dass migrierende Wal-Pods regelmäßig mit allerlei Objekten im Meer kollidieren, da diese Tiere über Akustik navigieren. Die können Schiffe oder Betonfundamente von Windkraftanlagen nicht mehr heraushören weil es so viele laute Hintergrundgeräusche gibt und stoßen dann mit 15-20 km/h mit diesen zusammen, was für sie oft tödlich endet.
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Aber um auf die Kernfrage zurückzukommen.

Ein nuklear bestücktes U-Boot muss vor allem Distanz zwischen sich und seine Heimat legen, denn mit zunehmender Entfernung zur Heimat (und des potenziellen Kriegspartners) wird eine Aufklärung abseits von Satelliten unwahrscheinlicher. Dafür muss das Boot direkt nach dem verlassen des Hafens tauchen und möglichst schnell im offenen Meer "verschwinden", damit etwaige in der Heimat nachverfolgte Tracks nicht zu seiner Nachverfolgung führen.

Vor Ort kann man durchaus träge loitern, aber das bedingt eben, dass man seine Fährte vorher abgeschüttelt hat, damit ein Gegner nicht weiß, wo er suchen muss. Und darin lohnt es sich eben, die heimischen Gewässer möglichst schnell zu verlassen, weil dies das potenzielle Suchgebiet massiv vergrößert. Wohingegen geringe Geschwindigkeiten trotz getauchtem Zustand kein allzu großes Suchgebiet lässt.

Das kombiniert mit den generell geringeren nautischen Fähigkeiten und der massiv geringeren Tauchzeit führt dazu, dass es SSBKs eben kaum gibt. Israel und Nordkorea sind die einzigen Betreiber dieser Typen und beide existieren in strategischen Umständen, die unseren nicht entsprechen.
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Und da ich es persönlich zwar als sinnvoll, aber nicht unbedingt realistisch ansehen würde, dass die DM jemals SSBN unterhält (und das ganze auch noch entsprechend teuer und besatzungsintensiv wäre) tendiere ich viel eher dazu, eine nukleare Befähigung im Rahmen einer nuklearen Teilhabe land- oder luftgestützt anzulegen. Entweder eben über landgestützt BM/CM, oder eben luftgestützt CM. Für Letzteres müssten wir nicht einmal groß Umbauen.
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Wenn man als einzige Option land- oder luftgestützte Atomwaffen hat, ist das relativ destabilisierend, da man keine gesicherte Zweitschlagfähigkeit hat, sondern vor dem „Use it or lose it“-Dilemma steht. Hat man SSBNs und ein gesichertes C4I-System mit einer Mischung land-, luft- und weltraumgestützter Kommunikation, hat man mehr Zeit zu reagieren.
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Kokovi79 schrieb:Wenn man als einzige Option land- oder luftgestützte Atomwaffen hat, ist das relativ destabilisierend, da man keine gesicherte Zweitschlagfähigkeit hat, sondern vor dem „Use it or lose it“-Dilemma steht. Hat man SSBNs und ein gesichertes C4I-System mit einer Mischung land-, luft- und weltraumgestützter Kommunikation, hat man mehr Zeit zu reagieren.
Das wäre vermutlich die logische Konsequenz. Bis zu welchen Grad das einschränkend ist, kann ich schlecht abschätzen aber eine Zweitschlagfähigkeit wäre so ziemlich sicher nicht machbar. Da ist dann die Frage, ob wir eine Zweitschlagfähigkeit selber benötigen oder ob die Zweitschlagfähigkeiten Frankreichs und Großbritanniens im Verbund ausreichen. Ich kann mir ehrlich gesagt kein Szenario vorstellen, indem Deutschland Opfer eines nuklearen Erstschlags wird, Großbritannien & Frankreich aber gleichzeitig nicht.

Ansonsten müsste man gucken, wie man an SSBNs herankommt. Die Stationierung von fremden Nuklearwaffen auf deutschem Boden ist eine Sache, aber der semi-souveräne Unterhalt dieser natürlich ein anderer. Schwer zu sagen, ob sich Großbritannien oder Frankreich dazu bereiterklären würden.
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