VAE, Indien und Israel (Somaliland ...)
#1
Wenn man Saudi Arabien, Pakistan und die Türkei auf der einen Seite sieht, dann darf man das "Gegenbündnis" auf der anderen Seite nicht "über"sehen.
ich zitiere dazu aus der Analyse von TELEPOLIS:
Zitat:Was sich in Westasien gerade zusammenbraut
30. Januar 2026

In Westasien formieren sich zwei konkurrierende Militärbündnisse, deren Rivalität die südasiatischen Staaten Pakistan und Indien einbezieht. Die wirken ihrerseits zunehmend auf afrikanische Stellvertreterkonflikte ein.

... Auf der anderen Seite haben sich die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Indien und Israel enger zusammengeschlossen. Beide Konstellationen bergen erhebliche Eskalationsrisiken.

… die VAE, Indien und Israel
Nun aber haben auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien am 19. Januar ein umfassendes Verteidigungsabkommen ratifiziert. Das Außenministerium der VAE teilte mit, dass die Gespräche zwischen VAE-Präsident Mohammad bin Zayed und dem indischen Premierminister Narendra Modi "die stetige und starke bilaterale Verteidigungs- und Sicherheitskooperation als Kernpfeiler der umfassenden strategischen Partnerschaft" benannt hätten.

Das Abkommen umfasst nicht nur eine vertiefte militärische Zusammenarbeit, ein Erdgasgeschäft und eine Nuklearkooperation, die den "Einsatz großer Kernreaktoren und kleiner modularer Reaktoren (SMRs)" einschließt. Abu Dhabi und Neu-Delhi setzen sich zudem das Ziel, ihren bilateralen Handel innerhalb von sechs Jahren auf 200 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln.

Indien, Israel und das IMEC-Projekt
Die Annäherung zwischen den VAE, Indien und Israel wurde durch das faktische Scheitern des India-Middle East-Europe Economic Corridor (Imec) beschleunigt. Dieses im September 2023 beim G20-Gipfel in Delhi angekündigte Infrastrukturprojekt sollte eine logistische Verbindung zwischen emiratisch und israelisch kontrollierten Punkten entlang der Route über die Arabische Halbinsel bis nach Indien schaffen.

Das Projekt wurde aufgrund des Gazakriegs eingefroren. Eine Wiederbelebung scheiterte anschließend an der ausbleibenden Normalisierung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Israel. Saudi-Arabien verlangt von Israel Zugeständnisse zur palästinensischen Unabhängigkeit, die die Regierung unter Premierminister Benjamin Netanyahu strikt ablehnt.

Afrika
Israels Anerkennung der Unabhängigkeit von Somaliland im Dezember 2025 verschärfte die Spannungen mit Saudi-Arabien zusätzlich.

In Somalia unterstützt die saudisch geführte Allianz die Zentralregierung in Mogadischu gegen das von den VAE und Israel unterstützte Somaliland.
...

Zusammen mit den VAE unterstützt Kahlifa Haftar in Libyen die sogenannten Rapid Support Forces (RSF), die Krieg gegen die Zentralregierung des Sudan führen und einen schwunghaften Goldhandel betreiben.
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eine spannende Entwicklung, die vor allem aus der Gegnerschaft von Saudi-Arabien und den VAE gespeist zu sein scheint.
Dazu holen sich beide Seiten (von Arabien aus gesehenen) Randmächte ins Boot, die selbst wieder um mehr Einfluss in der islamischen Welt bemüht sind.
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#2
es wird immer klarer, warum sich die VAE trauen, so deutlich Front gegen die Saudis zu machen - ohne bei BigDonald auf große Empörung zu stoßen
500 Millionen aus Abu Dhabi: Trumps geheimer Familien-Deal mit Scheichs enthüllt
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#3
(02.02.2026, 22:36)Kongo Erich schrieb: es wird immer klarer, warum sich die VAE trauen, so deutlich Front gegen die Saudis zu machen - ohne bei BigDonald auf große Empörung zu stoßen
500 Millionen aus Abu Dhabi: Trumps geheimer Familien-Deal mit Scheichs enthüllt
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Funfact, fast 40% der Einwohner der VAE sind inzwischen Inder.
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#4
Was hinter der Bromance zwischen Netanyahu und Modi steckt
Zitat:Indiens Freundschaft zu Israel fand lange Zeit wenig Beachtung. Unter Premier Narendra Modi hat sich das radikal geändert.
Von Serafin Reiber und Thore Schröder, Neu-Delhi und Tel Aviv
25.02.2026, 09.00 Uhr
...
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#5
Indien hat jetzt echte Probleme. Es "kann gut" mit den VAE und Israel - und braucht den Iran für seine Öl- und Gasversorgung. Und im Gegensatz zu den Chinesen kann sich Indien nicht über Land durch Pipelines auf Ersatzlieferanten zurück ziehen.
20 % des Welterdöl- und 25 % des Weltgas- Transportes läuft über Tanker durch die Straße von Hormuz.
Indien zwischen Iran und Israel: „Die Weltordnung, die wir kannten, ist zerfallen“
Zitat:Für Indien, das zwischen Teheran, Tel Aviv und Washington politisch balanciert, verschärft sich ein strategisches Dilemma. Smruti Pattanaik, Senior Fellow am Institute for Defence Studies and Analyses in Neu-Delhi, analysiert im Gespräch mit der Berliner Zeitung die Grenzen der indischen Neutralität, die Erosion multilateraler Institutionen und die Folgen eines amerikanischen Unilateralismus unter Präsident Donald Trump
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#6
(01.03.2026, 22:35)Kongo Erich schrieb: Indien hat jetzt echte Probleme. Es "kann gut" mit den VAE und Israel - und braucht den Iran für seine Öl- und Gasversorgung. Und im Gegensatz zu den Chinesen kann sich Indien nicht über Land durch Pipelines auf Ersatzlieferanten zurück ziehen.
20 % des Welterdöl- und 25 % des Weltgas- Transportes läuft über Tanker durch die Straße von Hormuz.
Indien zwischen Iran und Israel: „Die Weltordnung, die wir kannten, ist zerfallen“
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Rußland hat doch jede Menge Öl über ?
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#7
@lime
Ja - und in welchem Kontext möchtest Du was wissen?
a) die explosionsartig steigenden Ölpreise helfen Putin aus den Finanzierungsnöten des Ukraine-Krieges
b) aber das russische Öl kann nicht über Pipelines nach Indien kommen - Indien ist auf den Iran für den Transit nach Zentralasien und Russland angewiesen (geht nicht über Pakistan / China)
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#8
(02.03.2026, 13:48)Kongo Erich schrieb: @lime
Ja - und in welchem Kontext möchtest Du was wissen?
a) die explosionsartig steigenden Ölpreise helfen Putin aus den Finanzierungsnöten des Ukraine-Krieges
b) aber das russische Öl kann nicht über Pipelines nach Indien kommen - Indien ist auf den Iran für den Transit nach Zentralasien und Russland angewiesen (geht nicht über Pakistan / China)

Indien war 2025 der zweitgrößte Abnehmer Rußlands. Da besteht durchaus weiteres Potential besonders weil Rußland sein Öl sonst kaum noch loswerden kann. Über Pipelines gibt es gar keine Importe, nur Verteilung im eigenen Land. Insofern bin ich davon ausgegangen dass du auf die Tankerversorgung über die Straße von Hormuz angespielt hast.
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#9
(02.03.2026, 17:33)lime schrieb: Indien war 2025 der zweitgrößte Abnehmer Rußlands. Da besteht durchaus weiteres Potential ... . bin ich davon ausgegangen dass du auf die Tankerversorgung über die Straße von Hormuz angespielt hast.
Das stimmt. Gas und Öl aus dem Golf (sowohl vom Iran wie auch von der arabischen Seite - VAE) kann nur über Tanker nach Indien gelangen. Und die Straße von Hormuz ist momentan dicht.

Russland könnte natürlich auch über Tanker liefern, und damit diesen Engpass umgehen. Aber schau Dir bitte einmal die Seewege von Russland nach Indien an.
Das sind die seit über 12 Jahren bestehenden und zwischenzeitlich (gestrichelt) wohl zumindest teilweise errichteten Pipelines

Danach können Tanker nach Indien nur über das Nordmeer (Murmansk), den fernen Osten (Wladiwostok) oder allenfalls noch im Transit über die Türkei befüllt werden.
Das bedeutet nicht nur einen längeren Weg (und damit mehr Transportschiffe - zumal der Suezkanal für die größten Tanker nicht passierbar und die Engstelle vor dem Jemen auch gefährdet ist), sondern ist auch die Gefahr, dass Beladung und Transport witterungsbedingt in den Wintermonaten ausfallen.
(02.03.2026, 17:33)lime schrieb: ...Da besteht durchaus weiteres Potential besonders weil Rußland sein Öl sonst kaum noch loswerden kann. ....
jein - Ungarn und die Slowakei (sowie Serbien über die Türkei) und vor allem China sind nach wie vor an russischen Lieferungen interessiert.

Ergänzend aber:
im "globalen Süden" sehen viele Länder nicht ein, warum sie sich an einem westlichen Boykott infolge des Ukraine-Krieges beteiligen sollen. Die Reibereien zwischen Ruanda und Kongo interessiert "im Westen" ja auch kaum jemand.
Und Indien ist auch eines der Länder (BRICS), die deutlich machen, dass sie in diesem Konflikt keine einseitige Partei ergreifen wollen.
D.h., Russlands Gas- und Ölexporten über Tanker steht, wenn die Seewege gesichert sind, durchaus ein Potential an Abnehmern zur Verfügung. Vor allem nachdem jetzt die Ölpreise massiv steigen.
Mit etwas zurückhaltenden Angebotspreisen kann der Kreml durchaus konkurrieren und so seine Förderung verkaufen.
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#10
(02.03.2026, 20:39)Kongo Erich schrieb: Russland könnte natürlich auch über Tanker liefern, und damit diesen Engpass umgehen. Aber schau Dir bitte einmal die Seewege von Russland nach Indien an.

Seit 2024 liefert Rußland von Wladiwostok nach Chennai mit ansteigendem Volumen. Und dieses ist auch noch nicht ausgereizt. Rußland hat 2025 die Ölproduktion runtergefahren, aber dies betrifft nur die Ölhäfen im Westen Rußlands.

Zitat:Danach können Tanker nach Indien nur über das Nordmeer (Murmansk), den fernen Osten (Wladiwostok) oder allenfalls noch im Transit über die Türkei befüllt werden.
Das bedeutet nicht nur einen längeren Weg (und damit mehr Transportschiffe - zumal der Suezkanal für die größten Tanker nicht passierbar und die Engstelle vor dem Jemen auch gefährdet ist), sondern ist auch die Gefahr, dass Beladung und Transport witterungsbedingt in den Wintermonaten ausfallen.

Rußland schifft Ostseeseitig Öl normalerweise aus den Häfen Primorsk / Ust Luga aus. Beim aktuellen Preisniveau, selbst mit den üblichen Abschlägen, würde sich eine weite Fahrt ums Südkap durchaus noch rechnen, falls das Volumen der Ostroute nicht ausreichend wäre den indischen Öldurst zu befriedigen.

Zitat: jein - Ungarn und die Slowakei (sowie Serbien über die Türkei) und vor allem China sind nach wie vor an russischen Lieferungen interessiert.

Die genannten Länder nehmen ja nur einen Bruchteil der möglichen Produktion in Westrußland ab.
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#11
@lime
danke für die Informationen, die waren mir so noch nicht bekannt

Eigentlich ist es hier OT, aber weil wir gerade noch darüber diskutiert haben:

OT on:
Zitat:Die Auswirkungen der massiv steigenden Ölpreise auf Russland halten sich nach Meldung der FR noch in Grenzen:
Zitat:...
Die Ölpreise könnten bis 120 Dollar pro Barrel steigen. Und ein Wegfall des Iran als Rohöllieferant steigere Chinas Bedarf. Der Preis für ein Barrel der Marke Brent kletterte am Montag um mehr als zehn Prozent auf gut 82 Dollar, sank am Nachmittag aber wieder auf gut 79. Russisches Öl legte nicht einmal um zwei Prozent auf knapp 58 Dollar zu – kein warmer Geldregen für den dörrenden russischen Staatshaushalt.
...
OT out
Indien könnte also voraussichtlich weiterhin günstig Öl aus Russland beziehen.

BRICS halt ...
und vielleicht kommen ja doch noch einmal Gas- und Ölpipelines von Turkmenistan aus durch den Iran bis an den indischen Ozean (und mit Verbindung zum russischen Pipeline-Netz)
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