@goschi
Zitat:Die koloniale Vergangenheit ist deshalb nicht bewältigt, weil noch kein Geld geflossen ist?
Es kommt noch besser: Die Kolonien waren für Deutschland bemerkenswert unrentabel.
Noch vor dem 1.Weltkrieg stellte der Reichstag fest, dass von den deutschen Kolonien nur eine - Togoland - einen Gewinn erwirtschaftete.
Das wird wohl an hohen Verwaltungskosten und daran, dass sich ihre Wirtschaft vor allem auf landwirtschaftliche Produkte wie z.B. im Kaffee oder Baumwolle, stützte.
Dafür baute man in den Kolonien auch Infrastruktur wie z.B. Eisenbahnlinien und Brücken auf.
Unvoreingenommen frage ich mal, ob nicht die Afrikaner die wirklichen Gewinner der Kolonien waren.
Ein übersehener Faktor bei der deutschen Kolonialgeschichte ist zudem, dass Deutschland wider willen in die Rolle einer Kolonialmacht rutschte.
Bismarck war gegen Kolonien, aber deutsche Geschäftsleute wurden in Afrika auch mit Landkäufen aktiv. Bei einer Gelegenheit übervorteilten deutsche Kaufleute einheimische Häuptlinge in Namibia bei einem Landkauf. In Berlin dürften da die Alarmglocken geklingelt haben - na gut, das war mit lokalen Fürsten im südlichen Afrika, aber was wenn andere Kaufleute sich das gleiche mit mächtigeren Herrschern in Ostasien oder gar Europa herausnehmen?
Auch das Unwesen, das Carl Peters - ein geltungsbedürftiger Psychopath, der afrikanische Häuptlinge betrunken machte um mit ihnen Schutzverträge zu unterzeichnen und seine afrikanische Geliebte samt ihrem angeblichen Liebhaber aus Überdruss hängen ließ - in Ostafrika trieb, dürfte alarmiert zur Kenntnis genommen worden sein. Letztlich hat Carl Peters die deutsche Regierung regelrecht erpresst, indem er mit einer Vereinbarung mit dem belgischen König Leopold II, bekannt durch die "Kongo-Gräuel", drohte.
Es ist vielleicht nicht so verkehrt zu behaupten, dass das Deutsche Reich Kolonialmacht werden musste, um eigene, übergriffige Geschäftsleute in die Schranken zu weisen und in deren Gebieten in Übersee für Ordnung zu sorgen.