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Zitat:Die Taliban in Afghanistan sind dann nahezu "natürliche Verbündete" der Iraner
Ähm.....nein. Weil beiden Seiten hier Ideologie und Religion vor Realpolitik gehen. Deshalb schießen die Taliban ja auch regelmäßig auf iranische Grenztruppen und umgekehrt. Selbst die Hazara sind heute nicht pro-iranisch.
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Ideologie ist im Kern ein Vehikel, um ganz pragmatische Herrschafts- und Machtansprüche zu untermauern und die Menschen damit zu blenden. Das gilt für politische Ideologen genauso wie für religiöse Fanatiker.
Mit den "ideologischen Bauch-Argumenten" werden unreflektierte "wir sind die wahren Gläubigen" und "wir sind die Elite" - Gefühle angesprochen. Und da reicht schon das viel zitierte "Stammtischniveau", um Massen hinter seinen Absichten zu versammeln.
Wenn man tiefer schaut und analysiert, dann wird die Ideologie von ganz rational agierenden Machtpolitikern für ihre Zwecke missbraucht. Gängiges Mittel sind Lügen (alternative Fakten) und emotionalisierte Verächtlichmachung oder "Entmenschlichung" des Gegners.
Und ich glaube dann durchaus, dass auch im Iran und Afghanistan rational analysierende und denkende Personen an den entscheidenden Schaltstellen sitzen, um zumindest (erinnere Dich an den Hitler-Stalin-Pakt) kurzfristige Zweckbündnisse mit ideologischen Gegnern einzugehen.
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Also sollte es wirklich zu einem Bündnis zwischen Iran und den Taliban kommen, zwischen 12er Schiiten und Deobandi-Hanafiten, wobei letztgenannte erst gerade eben (2026) wieder einmal alle Schiiten / Perser als Ketzer, Häretiker, und auszurottende Irrgläubige eingestuft haben, leben wir wirklich in einer Alles-ist-Möglich Clownswelt.
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(Vor 8 Stunden)Quintus Fabius schrieb: Also sollte es wirklich zu einem Bündnis zwischen Iran und den Taliban kommen, zwischen 12er Schiiten und Deobandi-Hanafiten, wobei letztgenannte erst gerade eben (2026) wieder einmal alle Schiiten / Perser als Ketzer, Häretiker, und auszurottende Irrgläubige eingestuft haben, leben wir wirklich in einer Alles-ist-Möglich Clownswelt.
Iran hat aktuell andere Probleme. Wenn sich die Belutschen im Iran gegen die iranische Führung wenden dann wird der Iran mit Pakistan zusammen arbeiten, denn Pakistan hat dieses Problem schon. Verhalten sich die Belutschen aber neutral dann wird der Iran jetzt nicht noch Öl ins Feuer gießen.
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Ich habe bei diesen möglichen Konstellationen auch immer das sprachlich verbindende im Hinterkopf.
Wir haben uns in Deutschland auch über die katholisch/protestantischen Gegensätze hinweg gesetzt, die nicht nur einen jahrzehntelangen Krieg zur Folge hatten.
Es hat gedauert, ja, und ist eigentlich erst beginnend mit der Neuordnung durch Napoleon und endend mit der Weimarer Republik und den dort auch noch religiös dominierten Parteien sukzessive aufgeweicht.
Aber heutzutage (also seit der Ära des Grundgesetzes) spielt religiöse Orientierung in Deutschland keinerlei gesellschaftlich relevante Rolle mehr.
Stattdessen ist die sprachliche Komponente immer noch prägend. Der Mensch "denkt in Sprache" - die gleiche Sprache erleichtert den Austausch von Gedanken und die Verständigung. Und wer "anders spricht" outet sich automatisch als "im Kern nicht zugehörend".
Warum sollte das "auf Dauer" zwischen Iranern und Afghanen anders sein?