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Iran - Druckversion +- Forum-Sicherheitspolitik (https://www.forum-sicherheitspolitik.org) +-- Forum: Blickpunkt Welt (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=90) +--- Forum: Sicherheitspolitik und Wirtschaft (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=96) +--- Thema: Iran (/showthread.php?tid=340) Seiten:
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RE: Iran - KheibarShekan - 11.07.2025 Zitat:500.000 Personen in fünf Wochen, darunter wohl mehr als 200.000 Pushbacks, ist natürlich schon eine Hausnummer. Da würden wohl Trump bzw. ICE und (wenn auch eine Nummer kleiner) Hr. Dobrindt beinahe neidisch werden. Das ist die zweite Stufe eines länger geplanten Triggers. Man hat erst eine Phase gehabt, wo sich die afghanischen Migranten legal registrieren konnten. Dadurch profitierten sie auch an Sozialprogrammen, Schulen, usw. Dem ist weniger als die Hälfte von geschätzten 5 Mio. Afghanen nachgekommen. Rein demographisch und gesellschaftlich betrachtet ist das auf Dauer eine überwältigende Anzahl. Es sind zu viele, zu lange, man selbst nicht auf Rosen gebettet und der Krieg in Afghanistan ist nunmal auch vorbei. Nun geht man gegen die nicht-registrierten Afghanen vor und schiebt sie in ihr Heimatland ab. Die werden in diesem Zuge dann halt bestenfalls erfasst, kommen aber ja eh übermorgen wieder, weil man in Afghanistan ja gar nicht weiß, wie man sie in Lohn, Brot und Behausung überhaupt selbst unterbringen soll. Es ist quasi ein naturwissenschaftliches Gesetz, dass die dort nicht bleiben werden. In Pakistan passiert ja zeitgleich das selbe. Das geht hin und her, setzt am Ende auch die Taliban-Regierung unter Druck wie gesagt, mit ihren Leuten klarzukommen. Die Zeche zahlen zu lange schon die anderen. Zitat:Das ist genau der Grund, weswegen man das Land als Tourist nicht aufsuchen kann. Ich hatte es schon einmal gesagt: Mich selbst würde das Land durchaus interessieren, alleine schon hinsichtlich der archäologischen Aspekte, aber so lange dieses Regime dort herrscht, ist es zu riskant auch nur einen Fuß dorthin zu setzen. Ansonsten kann es eben passieren, dass man eine jahrtausendealte Stele anschaut und dann mal schnell wegen Spionage verhaftet wird, weil das Regime wieder ein Faustpfand braucht... Fahrradreisen durch den Iran auf eigene Faust sind aus vielerlei Gründen ein sehr spannendes Erlebnis. Ich persönlich würde weder den Iran noch Israel bereisen derzeit. Inzwischen würde ich beides nicht einmal im Rahmen einer internationalen Reisegruppe für empfehlenswert halten, wenn Sicherheit in Verbindung mit Privatsphäre bei der Reiseplanung ein großes Gewicht hat. Auf eigene Faust und ohne Plan durch die Pampa fahren ist in solchen Ländern eigentlich sowieso nie gut. Nicht unbedingt deshalb weil die Gefahr so hoch ist, dass dich jemand ausraubt, sonndern es führen ganz normale Straßen in weiträumige militärische Sperrgebiete, die landschaftlich recht attraktiv erscheinen mägen. Diese sind allerdings auch mehr oder weniger gut beschildert, und sollten sich der Aufmerksamkeitssekunge eines Fahrradfahrers eigentlich nicht entziehen. Wer dort mit westlichem Ausweis und mit Kamera und Photos erwischt wird, hat ein Problem. Da wird die vermeintliche Urlaubsheldentag schnell zum vermeintlichen Spionageakt überinterpretiert. So ein junger Kerl mit 18, wenn das stimmt, traue ich einem Geheimdienst eigentlich nicht zu. RE: Iran - voyageur - 10.09.2025 UN-Atomaufsichtsbehörde sagt, neues Abkommen mit Iran decke „alle Anlagen“ ab Arabnews Der Iran hat am Dienstag ein Abkommen mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) geschlossen, nachdem er die Zusammenarbeit nach dem Krieg mit Israel im Juni ausgesetzt hatte. (DATEI/AFP) AFP 10. September 2025, 10:30 [Bild: https://www.arabnews.com/sites/default/files/styles/n_670_395/public/2025/09/10/4638186-732386033.jpg?itok=OxGhGz4V] Das neue Kooperationsabkommen des Iran mit der UN-Atomaufsichtsbehörde umfasst „alle Anlagen und Einrichtungen im Iran“, erklärte der Leiter der Behörde, Rafael Grossi, am Mittwoch. WIEN: Das neue Kooperationsabkommen des Iran mit der UN-Atomaufsichtsbehörde umfasst „alle Anlagen und Einrichtungen im Iran“, erklärte der Leiter der Behörde, Rafael Grossi, am Mittwoch. Der Iran hat am Dienstag eine Vereinbarung mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) getroffen, nachdem er die Zusammenarbeit nach dem Krieg mit Israel im Juni ausgesetzt hatte. Während des 12-tägigen Krieges griffen Israel und die USA iranische Nuklearanlagen an, zu denen die IAEA seitdem keinen Zugang mehr hat. Grossi sagte, das vereinbarte Dokument „bietet ein klares Verständnis der Inspektionsverfahren“. Es „umfasst alle Anlagen und Einrichtungen im Iran und sieht auch die erforderliche Berichterstattung über alle angegriffenen Anlagen vor, einschließlich des dort vorhandenen Kernmaterials“, erklärte Grossi auf der Sitzung des Gouverneursrats der in Wien ansässigen Behörde. Die Aussetzung der Zusammenarbeit durch Teheran führte dazu, dass die Inspektoren der Behörde den Iran verließen, bevor ein Team letzten Monat kurzzeitig zurückkehrte, um den Austausch des Brennstoffs im Kernkraftwerk Bushehr zu überwachen. Der Zugang zu Nuklearstandorten erfordert nun die Genehmigung des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, und bei der letzten Inspektion wurde kein Zugang zu anderen wichtigen Standorten gewährt, darunter Fordo und Natanz, die bei den Angriffen im Juni getroffen wurden. „Der Iran und die Behörde werden nun ihre Zusammenarbeit auf respektvolle und umfassende Weise wieder aufnehmen“, sagte Grossi und fügte hinzu, dass „die praktischen Schritte ... jetzt umgesetzt werden müssen“. „Sicherlich gibt es Schwierigkeiten und Probleme, die gelöst werden müssen, aber wir wissen jetzt, was wir zu tun haben“, fügte er hinzu. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi sagte am Dienstag, dass der Iran die Zusammenarbeit mit der Behörde „im Falle einer feindseligen Aktion gegen den Iran“ beenden werde. „Ich betone, dass im Falle feindseliger Handlungen gegen den Iran, einschließlich der Wiedereinsetzung aufgehobener Resolutionen des UN-Sicherheitsrates, der Iran diese praktischen Schritte als beendet betrachten wird“, sagte er. Im August leiteten Großbritannien, Frankreich und Deutschland nach wochenlangen Warnungen Schritte zur Wiedereinsetzung der UN-Sanktionen ein und verwiesen dabei auf die anhaltende Nichteinhaltung der Verpflichtungen des Iran aus dem Atomabkommen von 2015. Der Iran hat diesen Schritt als „illegal“ verurteilt und gewarnt, dass dies zum Ausschluss der europäischen Mächte von künftigen Verhandlungen führen könnte. Während der Iran darauf besteht, dass sein Atomprogramm friedlichen Zwecken dient, werfen westliche Länder der Regierung vor, nach Atomwaffen zu streben – eine Behauptung, die Teheran systematisch zurückweist. RE: Iran - Kongo Erich - 24.09.2025 Allianz zwischen Moskau und Teheran Zitat:Russland und Iran bereiten Bau von Kernkraftwerken vor RE: Iran - lime - 24.09.2025 (24.09.2025, 21:05)Kongo Erich schrieb: Allianz zwischen Moskau und Teheran Geplant war das schon über 10 Jahre. Eigentlich erstaunlich dass die Planung in diesem Zeitraum nicht weiterverfolgt wurde. RE: Iran - Schneemann - 14.11.2025 Die jahrelange Trockenheit, eine Folge des Klimawandels, sowie auch Missmanagement haben in Iran zu einer sich drastisch verschärfenden Wasserkrise beigetragen: Zitat:Iran faces its worst drought in six decades, considers 'evacuating Tehran'https://www.lemonde.fr/en/environment/article/2025/11/14/iran-faces-its-worst-drought-in-six-decades-considers-evacuating-tehran_6747437_114.html# Schneemann RE: Iran - Schneemann - 19.11.2025 Die katastrophale Trockenheit in Iran bringt noch ein anderes Ereignis mit sich: Der Urmia-See im Nordwesten des Landes - mit 5.500 Quadratkilometern Fläche ca. zehnmal so groß wie der Bodensee (allerdings weit weniger tief) - ist ausgetrocknet bzw. liegt zumindest weitgehend als Salzpfanne brach. Beinahe ähnlich wie der Aralsee, so ist auch dieser See weitgehend verschwunden. Zitat:Iran begins cloud seeding to induce rain amid historic droughthttps://www.bbc.com/news/articles/cj4172yl0l1o Und wenn man sich durchliest, dass es Gedankenspiele gibt, Teile Teherans (mit 8+ Mio. Einwohner) zu evakuieren, dann kann man sich - selbst wenn es jetzt (noch) nicht gemacht werden sollte - ausmalen, was das zukünftig bedeutet. Und solche Ereignisse werden zunehmen. Faktisch werden diese Metropolen auf Dauer nicht mehr lebensfähig sein, zumindest nicht in dieser Größe, gerade auch im staubtrockenen Zentralasien. Ich blicke da aber indessen mit gewissen Sorgen nach Ostafrika, auch Madagaskar (das unter einer schweren Trockenheit leidet), Südafrika (ebenso Wasserrationierungen), dann vor allem nach den städtischen Molochen in Pakistan, Indien oder Indonesien. Die größeren Städte bzw. urbanen Konglomerate werden faktisch nicht mehr lebensfähig sein. Die Frage ist nur, wie sich dieses "nicht mehr lebensfähig sein" dann gestaltet? Schneemann RE: Iran - Nightwatch - 19.11.2025 Die Gesamtkosten des Raketen-und Atomprogramms samt Sanktionen dürften sich auf über eine Billion Dollar belaufen. Da könnte man fast auf die Idee kommen, dass es dringendere Investitionen gegeben hätte. Aber nur fast, schließlich ist die Ursache der Klimawandel und keinesfalls die übliche Misswirtschaft autoritärer Systeme, die hier in die Katastrophe führt. Kann man also nichts machen. Was derweil der Erzfeind so treibt: In world first, Israel begins pumping desalinated water into depleted Sea of Galilee https://www.timesofisrael.com/in-world-first-israel-begins-pumping-desalinated-water-into-depleted-sea-of-galilee/ Eine detaillierte Beschreibung der Situation in Videoform: Why Iran is Rapidly Dying https://www.youtube.com/watch?v=n8kSGH4I8Ps Zitat:Und solche Ereignisse werden zunehmen. Faktisch werden diese Metropolen auf Dauer nicht mehr lebensfähig sein, zumindest nicht in dieser Größe, gerade auch im staubtrockenen Zentralasien.Ja. Weil Klimawandel. Oder alternativ: Wenn dank den technologischen Errungenschaften der Neuzeit in Wüstengebieten Städte mit Schwerindustrie und boomenden Bevölkerungen entstehen, ist das halt eine Party die einige Jahrzehnte bis bestenfalls zwei Jahrhunderte laufen kann. Dann sind die über enorm lange Zeitspannen aufgebauten Wasserreserven ausgeplündert und es folgt ohne neue Möglichkeiten der Ausplünderung unweigerlich der Kollaps. RE: Iran - Kongo Erich - 20.11.2025 (10.09.2025, 16:24)voyageur schrieb: UN-Atomaufsichtsbehörde sagt, neues Abkommen mit Iran decke „alle Anlagen“ abIAEA drängt auf Inspektionen in Iran – Teheran kündigt Vereinbarung Zitat:Die Internationale Atomenergiebehörde hat eine international initiierte Resolution angenommen: Teheran soll umfassende Inspektionen zulassen. Iran kündigte daraufhin die Vereinbarung mit der IAEA.langsam werden auch um Verständnis bemühte "Gutgläubige" sauer (24.09.2025, 21:05)Kongo Erich schrieb: Allianz zwischen Moskau und TeheranIran: Atomexperten sollen russische Militärs 2025 mindestens zweimal getroffen haben (Kopie hier) RE: Iran - Schneemann - 07.12.2025 In Iran bleibt nicht nur der Wassermangel ein Problem, sondern auch anderweitig nimmt die Umweltverschmutzung bedrohliche Züge an: Zitat:Atemnot, geschlossene Schulen – dem Iran bleibt die Luft weghttps://www.welt.de/vermischtes/article6933b4be11f914c89b8548d1/umweltsuenden-atemnot-geschlossene-schulen-dem-iran-bleibt-die-luft-weg.html Aber vielleicht helfen ja die Milliardenausgaben für ein Atomprogramm, diese Probleme in den Griff zu bekommen... ![]() Schneemann RE: Iran - Kongo Erich - 03.01.2026 Zitat:Bericht der »Financial Times« RE: Iran - voyageur - 03.01.2026 „Wir erleben keine Hungerrevolte im Iran“ OLJ (französisch) Ein Überblick über die aktuellen Protestbewegungen in der Islamischen Republik mit dem Anthropologen Chowra Makaremi. L'OLJ / Von Léone LAALI, 2. Januar 2026 um 23:00 Uhr [Bild: https://s.lorientlejour.com/storage/attachments/1491/Capturedecran2026-01-02a203234_322649.png/r/1200/Capturedecran2026-01-02a203234_322649.png] Händler und Kaufleute demonstrieren am Montag in Teheran auf den Straßen gegen die wirtschaftliche Lage und die schwierige Situation der iranischen Währung. AFP/Getty Images Seit nunmehr sechs Tagen wird der Iran von Volksaufständen erschüttert, deren Ausgang von zahlreichen Unbekannten geprägt ist. Vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftskrise, die durch die Wiedereinführung der UN-Sanktionen gegen das Regime in Teheran im September noch verschärft wurde, richteten sich die Proteste zunächst gegen die Hyperinflation und deren Bewältigung durch die Regierung zum Nachteil der Bevölkerung. Die Kundgebungen, die sich anschließend auf etwa zehn Städte ausweiteten, waren von Polizeigewalt geprägt, die bereits sechs Todesopfer, darunter fünf Zivilisten, gefordert hat, während etwa dreißig Personen festgenommen wurden. US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitag auf seinem X-Account, dass die Vereinigten Staaten „bereit seien, einzugreifen, wenn die Streitkräfte des iranischen Regimes auf Demonstranten schießen würden”. Als Reaktion darauf erklärte Ali Shamkhani, leitender Berater des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei und ehemaliger Chef der wichtigsten Sicherheitsbehörde des Landes, auf X, dass „jede Intervention unter dem Vorwand der Sicherheit in der Nähe des Iran mit einer Reaktion beantwortet wird, die Bedauern hervorrufen wird”. Zwei Tage zuvor hatte der Mossad seinerseits die iranischen Demonstranten aufgefordert, ihre sozialen Mobilisierungsbemühungen zu verstärken, und erklärt, er sei „vor Ort“ an ihrer Seite, zu einem Zeitpunkt, da die Gefahr eines neuen Krieges Israels gegen den Iran groß ist. Ein Überblick über diese seit der großen Bewegung „Frauen, Leben, Freiheit“ im Jahr 2022 beispiellosen Proteste mit dem Anthropologen Chowra Makaremi. Wie lässt sich erklären, dass diese Revolten gerade jetzt stattfinden, und wofür stehen sie? Auch wenn die aktuelle Inflation als unmittelbarer Auslöser für die Wut zu dienen scheint, kann man nicht sagen, dass wir im Iran einen Hungerrevolte erleben. Es handelt sich um einen politischen Protest, der sich gegen die strukturellen wirtschaftlichen Entscheidungen eines Regimes richtet, das sich für die Exportindustrie einsetzt, zum Nachteil der Akteure, die von Importen leben – wie beispielsweise die Händler, die seit Sonntag zum Streik aufgerufen haben. Diese Exportindustrien befinden sich in den Händen von Eliten, die dem Obersten Führer oder dem Korps der Revolutionsgarden nahestehen, und profitieren von staatlichen Subventionen, die sie vor der aktuellen Wirtschaftskrise schützen. Das Gefühl sozialer Ungerechtigkeit schürt daher direkt die derzeitige Wut. Aus diesem Grund waren bereits in den ersten Tagen bei den Kundgebungen regimekritische Parolen zu hören. Und wir sehen dort ähnliche Formen der Mobilisierung wie bei den verschiedenen Bewegungen, die sich seit 2017 im Iran gebildet haben: dezentrale und sporadische Kundgebungen, die sich auf mehrere Regionen, insbesondere auf Kleinstädte, ausbreiten und eindeutig den Sturz des Regimes fordern. Vor 2017 galt diese Position als sehr radikal, aber inzwischen hat sich ein allgemeiner Konsens darüber gebildet. Ohne vor Ort zu sein, habe ich den Eindruck, dass die Mobilisierung nicht das gleiche Ausmaß hat wie beim Aufstand „Frauen, Leben, Freiheit” im Jahr 2022, aber wir sind erst am fünften Tag. Lassen sich bereits die wichtigsten sozialen und wirtschaftlichen Merkmale der Demonstranten erkennen? Die ursprünglich an den Protesten beteiligten Händler sind pragmatische Akteure, die vom Regime materiell unterstützt werden und bei den letzten Aufständen nicht unbedingt mobilisiert waren, sich heute aber offensichtlich ebenfalls mit „Tod dem Diktator”-Rufen zu Wort melden. Die Bewegung hat sich schnell ausgebreitet und Menschen aus einer extrem breiten Mittelschicht zusammengebracht, die alle die Erfahrung des sozialen Abstiegs teilen. Lesen Sie auch Vom Großen Basar in Teheran bis zu den Studenten: Die Protestbewegung in Iran breitet sich aus Man darf nicht vergessen, dass die iranische Gesellschaft demografisch gesehen sehr vernetzt und gebildet ist und dass die klaren politischen und kulturellen Trennlinien zwischen den konservativen Volksschichten und den progressiven Mittelschichten nicht mehr bestehen. So sieht man, dass die progressiven Werte der Mittelschicht zunehmend von den unteren Schichten geteilt werden, die in den ersten Jahrzehnten der Islamischen Republik eher mit den konservativen Werten der Basij, den Milizen der paramilitärischen Kräfte der Regierung, übereinstimmten. Und trotz der Versuche der Machthaber kann man nicht sagen, dass es zu einer Remobilisierung der unteren Schichten um eine muslimische Identität kommt, die durch den westlichen Imperialismus im Kontext des Völkermordkrieges in Gaza mit Füßen getreten würde. Wenn sich die aktuelle Protestbewegung ausweitet, steht für die Region absolut enorm viel auf dem Spiel: Wir würden es mit einer politischen Protestbewegung in einem muslimischen Land zu tun haben, ohne dass der Islam als politische Perspektive im Vordergrund steht. Welche Strategie scheint das Regime in Teheran zu verfolgen, um diesen Protesten zu begegnen? Im Gegensatz zu früheren politischen Protesten wie denen von 2022 und 2019 waren die politischen Reaktionen sofort und haben nur die Ohnmacht der Regierung gezeigt. Der Gouverneur der Zentralbank wurde entlassen und ersetzt, und der Präsident gibt immer mehr Erklärungen ab, um die Kontrolle zurückzugewinnen, ohne jedoch die Lage beruhigen zu können. Die Proteste breiten sich rasch im ganzen Land aus und betreffen nun auch viele mittelgroße und kleine Städte, wo die Unterdrückung besonders gewaltsam ist, da die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition schießen. Lesen Sie auch Fall des Rial: Inflation im Iran „auf dem höchsten Stand seit 1979” In den Großstädten hingegen verhält sich das Regime derzeit eher zurückhaltend. Diese relative Zurückhaltung ist auch auf strategische Überlegungen in einem sehr angespannten regionalen und internationalen Kontext zurückzuführen. Seit November wird offen über mögliche US-amerikanische und israelische Luftangriffe gesprochen, was die Entscheidungen der Machthaber stark beeinflusst. Denn die Bevölkerung ist während der israelischen Bombardierungen im Juni dieses Jahres nicht gegen das Regime auf die Straße gegangen, aber wenn sie bereits in einer Logik der Konfrontation mit der Macht steht, könnte dies im Falle neuer Luftangriffe der Fall sein. Darüber hinaus ist die interne Schwächung des Regimes spürbar: Ein Drittel der aktiven Pasdaran-Führung, die während des Aufstands „Frauen, Leben, Freiheit” im Einsatz war, wurde während des Krieges im Juni getötet. Ihre Reihen sind dünn gesät und vom Mossad stark unterwandert. Wie versucht das von Israel und den Vereinigten Staaten unterstützte monarchistische Lager in diesem Kontext, sich in der Innenpolitik durchzusetzen? Die Pro-Monarchisten, verkörpert durch Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 gestürzten Schahs, der in die Vereinigten Staaten ins Exil gegangen ist, verfolgen derzeit eine brutale Strategie gegen die Linke. Während sie während des Aufstands von 2022 die Vereinigung der iranischen Opposition in der Diaspora befürworteten, haben sie seitdem eine offen populistische Strategie entwickelt, bei der sie jeden, der nicht mit ihnen übereinstimmt, als Anhänger des Regimes bezeichnen – angefangen bei der Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi. Spaltende politische Reden, wie sie der argentinische Präsident Javier Milei, der pro-Trump-Milliardär Elon Musk oder der US-Präsident Donald Trump halten, sowie eine neofaschistische politische Vision werden offen vertreten. So ist eine starke Polarisierung innerhalb der Diaspora zu beobachten, aber auch eine wachsende Kluft zwischen ihr und der Bevölkerung im Iran. Einige meiner Gesprächspartner, die im Iran leben, sind der Meinung, dass die Zivilgesellschaft nach 46 Jahren dieses Regimes zwar durch jahrzehntelangen Widerstand, Mobilisierung und Organisation unter sehr schwierigen Bedingungen gestärkt wurde, aber dennoch kein Akteur im politischen Spiel ist. Für sie könnte eine Rückkehr der Monarchisten die Möglichkeit eröffnen, sich politisch zu engagieren und die Macht zu übernehmen. Diese Hoffnung besteht, auch wenn das Spiel der internationalen Mächte und die aggressive politische Kultur, die die Anhänger von Reza Pahlavi in der Diaspora an den Tag legen, diese Perspektive fragil machen. RE: Iran - Schneemann - 05.01.2026 Zitat:Für den Fall größerer Unruhenhttps://www.spiegel.de/ausland/iran-ajatollah-khamenei-soll-laut-medienbericht-flucht-nach-moskau-vorbereitet-haben-a-a94ff9ce-eec1-490e-a9b9-9cc9adea235a Das kann gefährlich werden, vor allem wenn im Nordiran bzw. an der Grenze zu Aserbaidschan im Gebirge wieder mal Nebel herrscht. ![]() Schneemann RE: Iran - Broensen - 05.01.2026 Zitat:»einschließlich seines Sohnes und designierten Thronfolgers Mojtaba«Beste Einstiegsvoraussetzungen für einen Staatenlenker: Erst mal abhauen, wenn's brenzlich wird. |