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Möglichkeiten der USA zur Gestaltung ihrer Macht - Druckversion +- Forum-Sicherheitspolitik (https://www.forum-sicherheitspolitik.org) +-- Forum: Blickpunkt Europa und der Westen (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=89) +--- Forum: Sicherheitspolitik und Wirtschaft (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=93) +--- Thema: Möglichkeiten der USA zur Gestaltung ihrer Macht (/showthread.php?tid=10) Seiten:
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- Marc79 - 13.08.2004 <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.geopowers.com/Szenarien/mil_sz/mil_sz.html#StratKillChain">http://www.geopowers.com/Szenarien/mil_ ... tKillChain</a><!-- m --> Zitat:50 Interkontinental-Raketen des zur Ausmusterung vorgesehenen Typs “Peacekeeper” sollen mit konventionellen Sprengkörpern bestückt werden, um eine Option gegen Ziele vom Typ “bin Laden gerade hier” (“prompt global strike”) zu haben...Wie soll das im Moment abgewehrt werden :? Als Beispiel die Atomanlagen dder Iraner, wie wollen die sich gegen solche Waffen wehren? Das einzige was vielleicht helfen könnte wäre NMD, oder fällt da jemand sonst noch was ein??? Wie würde man sowas am besten machen, die Hülle von einer nuklearsprenkopf nehmen und das den Gefechtskopf der Tomahawk reinsetzen? - Shahab3 - 02.04.2005 <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.taz.de/pt/2005/04/02/a0368.nf/text.ges,1">http://www.taz.de/pt/2005/04/02/a0368.nf/text.ges,1</a><!-- m --> Zitat:Bush braucht Partner - Turin - 27.04.2006 Weil es hier vielleicht am besten passt und bezugnehmend auf die letzten Beiträge (23.-27.04.06) von Tiger, barcardi und hawkeye87 aus: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.forum-sicherheitspolitik.org/showtopic.php?threadid=3251&time=&pagenum=lastpage">http://www.forum-sicherheitspolitik.org/show ... m=lastpage</a><!-- m --> Zitat:Wann ein Staat eine Supermacht ist, ist eine Frage der Definition. Ich würde z.B. Russland ebenfalls als Supermacht betrachten. Andere Staaten haben ebenfalls Atomwaffen, und können ihre Streitkräfte überall auf dem Globus einsetzen.Russland ist, nimmt man die gängig verwendete Definition von "Supermacht", für die barcardi und hawkeye die Kriterien genannt haben, ganz sicher keine Supermacht mehr. Man findet nicht umsonst in vielen politikwissenschaftlichen Schriften der Neunziger Jahre die Frage, wie mit dieser neuen Situation der "einzigen Supermacht USA" bzw. der neuen Unipolarität umzugehen wäre. Gut, es gibt noch solche Exoten, die dann gleich das Wort von der Hypermacht prägen, siehe Hubert Vedrine, aber das sind m.E. mehr Wortklaubereien als alles andere. Der Begriff "Supermacht" ist auch hier für mich passender. Russland ist, was seine Handlungsoptionen angeht, heute ingesamt deutlich näher an anderen Groß- und Mittelmächten als an den USA. RE: Möglichkeiten der Usa zur Gestaltung ihrer Macht - Kongo Erich - 01.03.2026 weil es hier noch besser passt: (01.03.2026, 12:52)Schneemann schrieb: @Kongo ErichDu hast recht. Daher bringe ich den Beitrag an anderer Stelle: Dazu erklärt Trump im Wortlaut: Militäreinsatz gegen eine "sehr böse radikale Diktatur" Zitat:...mit dieser Begründung habe ich so meine Schwierigkeiten. Denn wer "sehr böse" oder "radikal" und auch wer "eine Diktatur" ist, liegt immer im Auge des Betrachters. Das Narrativ einer Seite - ganz egal von welcher - sollte nie als Begründung für militärische Auseinandersetzungen dienen. Ich wechsle mal den Standpunkt und schau auf die Kriege mit US-Beteiligung so rund die letzten 60 Jahre etwas zurück (die Kriege mit russischer Beteiligung wie Afghanistan, Georgien, Syrien oder Afrika lass ich mal weg - das wäre ja kein "Standpunktwechsel"): 1. aktueller Angriff auf den Iran (durch Netanjahu und DT, Republikaner): - der hatte nur wenige Stunden vorher angeboten, auf die Lagerung angereicherten Urans zu verzichten und ist nun einmal auch Mitglied im Atomwaffensperrvertrag, was ihm eine friedliche nukleare Nutzung erlaubt Ergänzend Berliner Zeitung: Das Völkerrecht mit Füßen treten: Riskanter Beifall für Trumps und Netanjahus Angriff im Iran LTO: Wie Israel und Iran das Völkerrecht angreifen SPIEGEL: »Dies ist ein gewollter Krieg, der gegen das Völkerrecht verstößt und auch nach US-Recht illegal ist« Tagesschau: "Diese Luftangriffe sind völkerrechtswidrig" ZEIT: "Das Völkerrecht scheint keine Rolle mehr zu spielen" 2. Entführung des amtierenden venezolanischen Präsidenten (durch DT, Republikaner): - statt der vorgeschobenen "Drogenbekämpfung" wird der Zugriff auf das Öl immer deutlicher 3. Angriff auf Iran im Sommer 2025 (durch Netanjahu und Donald Trump, Republikaner): Wikipedia: Zitat:Der IAEA‑Generaldirektor Rafael Grossi stellte klar, dass die IAEA niemals Israel Deckung für seine Luftangriffe auf iranische Nuklearstandorte gegeben habe. Er wies Behauptungen zurück, wonach Inspektoren oder Berichte Hinweise geliefert hätten, die eine solche Vorgehensweise rechtfertigen könnten. 4. Angriff auf Libyen im Frühsommer 2011 (durch Barak Obama, Demokraten u.a.) Der UN-Sicherheitsrat verständigt sich auf eine Libyen-Resolution. Diese geht über eine Flugverbotszone hinaus. Auch Panzer und Artilleriestellungen können bombardiert werden. Zusätzlich zur Flugverbotszone, marschierten amerikanische und britische Soldaten in Libyen ein. Daraus wird eine komplexe Mission "Regime-Change" weit über die Ermächtigung des Sicherheitsrates hinaus. Im Ergebnis ist das wohlhabendste Land Afrikas ins Chaos gestürzt worden. Sirte ist beispielsweiße der wichtigste Stützpunkt des gefürchteten Islamischen Staates (IS) außerhalb von Syrien und dem Irak. 5. Angriff auf den Irak im Frühsommer 2003 (durch George W. Bush, Republikaner) Der Angriff erfolgte ohne UN-Mandat, basierend auf der (später als falsch erwiesenen) Annahme, Hussein besitze Massenvernichtungswaffen. Der Krieg (Blut für Öl?) hat langfrisitig zur Destabilisierung der ganzen Region geführt (Entstehungsgeschichte IS) 6. Krieg in Afghanistan im Herbst 2001 (durch George W. Bush, Republikaner) ... endete mit dem Sieg der 1994 gegründeten deobandisch-islamistischen Terrorgruppe Taliban. 7. Befreiung von Kuwait (Zweiter Golfkrieg) auf Grundlage der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates im Januar 1991: ob die dem US-Kongress und der UN vorgelegten "Gräuel-Beweise" wirklich stichhaltig waren, ist heute eine kaum mehr umstrittene Frage - ich erinnere an den dramatischen Auftritt (Brutkastenlüge, 1990) der Tochter des kuwaitischen Botschafters 8. Jugoslawienkriege auf dem Balkan in den 1990er Jahren mit Bill Clinton (Demokraten): "Befreiungskriege" sind die fast zwangsläufige Folge von zerfallenden Imperien. Die dominanten Ethnien wollen ihre Machstellung nicht aufgeben - wir sehen das heute anlässlich der Ukraine - und die "unterdrückten" Ethnien wollen selbstständig sein. Das war in den Jugoslawienkriegen nicht anders. Zitat:Durch schlagkräftige – allerdings bis heute völkerrechtlich umstrittene – Kampfeinsätze der NATO konnten die Kriege auf dem Balkan im Jahr 1999 schließlich beendet werden. Zur Kontrolle und Stabilisierung der Region blieben über Jahre hinweg NATO-Friedenstruppen und Schutztruppen in der Region. Im Kosovo sind die KFOR-Truppen der NATO bis heute vor Ort. Bis heute gibt es noch Spannungen, die überwunden werden müssen. 9. US-Invasion in Panama 1989 - 1990 (durch George Bush, Republikaner): in Fortsetzung eines erfolglosen Militärputsch gegen Noriegas Regime wenige Monate zuvor führt zum Widerstand aller Mitglieder der Organisation Amerikanischer Staaten (Resolution vom 22.12.1989) 10. Einstieg in den Vietnamkrieg bzw. dessen Ausweitung (Präsident Lyndon B. Johnson, Demokraten 1965): Nach dem fingierten Tonkin-Zwischenfall von 1964 ließ Präsident Lyndon B. Johnson im Februar 1965 erstmals Nordvietnam direkt bombardieren. Im Ergebnis ist die (nordvietnamesische) Herrschaft über das "geeinte Vietnam" und eine bis heute andauernde Beeinträchtigung der US-Interessen in Südostasien fest zu stellen. 11. Invasion in der Schweinebucht (Kuba) im April 1961 (durch John F. Kennedy, Demokraten); hätte in der nachfolgenden Entwicklung fast zu einem nuklearen Schlagabtausch mit Russland geführt und belastet bis heute die US-Amerikanische Reputation in Lateinamerika Von diesen 11 kriegerischen Auseinandersetzungen sind die weit überwiegende Mehrheit also von der Begründung oder/und auch vom Ergebnis her ... zumindest zu hinterfragen. Wollen wir jetzt die USA als logische Konsequenz dieser Erkenntnis als "Bedrohung für andere Länder" bezeichnen? Und rechtfertigt dies dann "chirurgische Tötungsschläge" gegen die Regierung der USA? RE: - Kongo Erich - 06.03.2026 (27.04.2006, 12:44)Turin schrieb: ...und die USA sind . wenn ich Joschka richtig verstehe - auf dem besten Weg, sich Russland auf Augenhöhe zu nähern: Zitat:„Amerika hat seinen Zenit überschritten“ RE: Möglichkeiten der USA zur Gestaltung ihrer Macht - Kongo Erich - 07.03.2026 Zur Einschätzung Joschka's über die absteigenden USA gibt es weitere Meldungen: Joschka Fischer warnt vor "völlig verrückter Idee" Trumps (Aktualisiert am 06.03.2026, 18:59 Uhr) bzw. ebenso bei web.de: Zitat:Drastische Worte des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer: Das transatlantische Bündnis sei unwiderruflich zerstört, China werde als großer Sieger der geopolitischen Entwicklung hervorgehen. Zudem warnt er vor einem chaotischen Regimewechsel im Iran.zu Letzterem verweise ich dann speziell auf unsere Diskussion hier "klick" Hat sich Trump verkalkuliert - fragt der SPIEGEL (Video). Zitat:SPIEGEL Shortcut zum Angriff auf IranIch würde sagen: nein - unmöglich; denn verkalkuliert würde verlangen, dass Trump vorher seine Chancen und Risiken rational abgewogen hat. Das Genie Donald agiert aber aus dem Bauch heraus, gefühlsmässig. Und er wechselt seine Begründung "wie manche das Hemd“ Keine einzige davon hat bisher einer Prüfung wirklich standgehalten. Und das einzige stringente dabei ist die Frage, wie er sein Einkommen und seine Macht stärken kann. Alles andere interessiert ihn nur peripher. Zitat:Frühere US-Präsidenten RE: Möglichkeiten der USA zur Gestaltung ihrer Macht - Schneemann - 07.03.2026 @Kongo Erich Jetzt komme ich endlich mal zum antworten. Zitat:mit dieser Begründung habe ich so meine Schwierigkeiten. Denn wer "sehr böse" oder "radikal" und auch wer "eine Diktatur" ist, liegt immer im Auge des Betrachters.Diesen Satz halte ich für nicht nur nicht haltbar, sondern auch für hochproblematisch. Würde man ihn konsequent anwenden, dann wären z. B. Südkorea 1950 an den Norden gefallen und Polen 1939 wohl an Deutschland. Das heißt, man muss und sollte durchaus militärische Interventionen einzeln betrachten und beurteilen, aber kann keinesfalls ein Urteil in dieser Pauschalität treffen. Zu den Listungen: Zitat:2. Entführung des amtierenden venezolanischen Präsidenten (durch DT, Republikaner):Das unterschlägt, dass US-Konzerne eh schon vorher in Venezuela tätig waren, dass wir nicht wissen, wie intensiv sie dort zukünftig tätig sein werden, und dass wir übersehen, dass die Venezolaner froh sind über den Abgang von Maduro. Ob der Zugriff auf ihn damit rechtskonform war, ist wieder eine andere Frage. Zitat:3. Angriff auf Iran im Sommer 2025 (durch Netanjahu und Donald Trump, Republikaner):Ohne die Horrorereignisse vom 7. Oktober 2023, den Terror der Hisbollah bzw. die willkürlichen Angriffe der Houthis sowie das umstrittene Atomprogramm und die über Jahrzehnte hinweg verbreitete Hass- und Vernichtungsrhetorik aus Teheran hätte es diesen Krieg nicht gegeben. D. h. man darf diesen sog. 12-Tage-Krieg nicht als abgekoppeltes, singuläres Ereignis sehen. Und man sollte sich daran erinnern, dass Israel und die USA mit dem Iran mal befreundet waren. Zitat:4. Angriff auf Libyen im Frühsommer 2011 (durch Barak Obama, Demokraten u.a.)Das Libyen-Thema hatten wir übrigens schon sehr ausführlich diskutiert im Strang über den libyschen Bürgerkrieg. Genau genommen gab es keine andere Option als einzugreifen, aber ob dann im Rahmen der Intervention alles richtig gemacht wurde, sei dahingestellt. (Will ich aber hier nun im Strang nicht weiter ausführen.) Zitat:Angriff auf den Irak im Frühsommer 2003 (durch George W. Bush, Republikaner)Da gebe ich dir insofern recht, als dass ich diesen Krieg als kontraproduktiv ansehe. Er hat die Kräfte zersplittert, unnötige Verluste gekostet und vom Engagement in Afghanistan abgelenkt, wo die Europäer mit unzulänglichen Mitteln mehr und mehr auf sich gestellt waren. Ich gehe zwar von aus, dass die USA tatsächlich mit dem Sturz von Saddam "etwas Gutes" bewirken wollten, aber man hatte kein wirkliches, tragfähiges Konzept, hat die Wirren nach dem Sturz des Baath-Regimes und die konfessionellen Spannungen im Land völlig unterschätzt. Gleichwohl jedoch hieß es damals, dass dieser Krieg "ums Öl" geführt werden würde (ähnlich wie 1991). Schaut man heute genauer hin, so ist dies keineswegs so. Der größte US-Player vor Ort ist Exxon, die Firma hat aber meistens nur zwischen 20 und 30 Prozent Anteile an einzelnen Ölfeldern, wenn überhaupt. Große Player sind Total (F), BP (GB), Lukoil (Russland) sowie PetroChina (China). D. h. die Irakis haben sich nach Ende der Wirren und des Bürgerkrieges genau und recht schlau herausgesucht, wem sie wo welche Rechte einräumen. Von einem US-gestützten Öl-Feldzug kann also nicht gesprochen werden. Leider spricht man darüber aber kaum. Zitat:6. Krieg in Afghanistan im Herbst 2001 (durch George W. Bush, Republikaner)Ich verstehe den Vorwurf nicht bzw. weiß nicht, wie ich ihn deuten soll? Es gab den 11. September 2001, man ging rein, stürzte das Taliban-Regime und zerschlug die dortigen al Qaida-Strukturen, dann verzettelte man sich jedoch (u. a. im Irak, siehe oben), ließ es dann irgendwann vor sich hin köcheln mit sinkendem Aufwand und Engagement, zumal an der "Heimatfront" sich kaum wer noch groß dafür interessierte, und 2021 flog man überraschend raus nach dem Motto Oh, da war ja noch was... Zitat:7. Befreiung von Kuwait (Zweiter Golfkrieg) auf Grundlage der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates im Januar 1991Korrekt. Und nun? Ich verstehe auch hier den Vorwurf nicht. Zitat:8. Jugoslawienkriege auf dem Balkan in den 1990er Jahren mit Bill Clinton (Demokraten):Man hätte viel früher eingreifen müssen, aber dass die USA sich hier so lange zurückhielten, lag auch an den Zwistigkeiten der Europäer. Nachdem das eben erst vereinigte Deutschland vorgeprescht war mit der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens (übrigens unilateral), mauerten London und Paris, da sie in der Haltung Bonns beinahe späthabsburgische Attitüden vermuteten. Die USA unter Clinton agierten in den frühen 1990ern übrigens sehr zurückhaltend und eher auf Konsens ausgerichtet, vielleicht sogar in den ersten Jahren etwas zu sehr isolationistisch. Man engagierte sich (u. a. NAFTA, GATT, APEC etc.), senkte das Haushaltsdefizit und handelte mit dem bröselnden Russland und samt der Ukraine 1994 jenes berühmt-berüchtigte ("berüchtigt" aus heutiger Sicht) Atomwaffenabrüstungsabkommen aus. Zudem ebnete man den Weg zum Friedensvertrag zwischen Israel und der PLO 1993. (Er hatte zwar dann kaum Bestand, aber das hatte andere Gründe.) Das Balkan-Problem überließ man den Europäern, erst als diese grandios scheiterten an der eigenen Nickeligkeit, und als man innenpolitisch den Haushalt geregelt hatte, und auf Bitten der UN (!), traten die USA auf dem Balkan bzw. über die NATO in Erscheinung. Die gesamten Balkan-Kriege wiederhole ich nun aber nicht. Zitat:9. US-Invasion in Panama 1989 - 1990 (durch George Bush, Republikaner):Eine lokal begrenzte Polizeiaktion, um einen irrlichternden Diktator an einem strategisch wichtigen Punkt zu beseitigen. Was soll das Problem sein? Zitat:10. Einstieg in den Vietnamkrieg bzw. dessen Ausweitung (Präsident Lyndon B. Johnson, Demokraten 1965):Das Problem dabei ist, dass du immer mit zeitlich begrenzten Thesen argumentierst. Alleine hier könnte man jedoch über die Zusammenhänge noch Seiten verfassen. Johnson hatte das Engagement von Kennedy geerbt, welches selbst noch bis zur Dominotheorie, ja sogar bis zum containment zurückreichte. Und Johnson war kein Imperialist, sondern eher ein sozial eingestellter und versierter Innenpolitiker; er wollte im Grunde lieber an seiner great society weiterbauen, musste dann aber gezwungenermaßen im südostasiatischen Dschungel und in der Außenpolitik herumwerkeln, wovon er nicht viel verstand und weswegen er auf Berater Kennedys (Halberstams the best and brightest) zurückgriff, die aber auch leider mit ihren Thesen bzgl. Vietnam oftmals danebengriffen. Und "den" Tonkin-Zwischenfall gab es auch nicht - genau genommen gab es zwei Tonkin-Zwischenfälle: Einen echten Zwischenfall, d. h. einen echten Angriff, und einen mutmaßlich fingierten, wobei gar nicht mal sicher ist, ob man es fingieren wollte oder man es nur später so verstanden hat. Würde aber nun den Rahmen sprengen, indessen jedoch ist die Verwicklung der USA in Vietnam nicht nur in ein, zwei Zeilen erfassbar. Zitat:11. Invasion in der Schweinebucht (Kuba) im April 1961 (durch John F. Kennedy, Demokraten);Die Gefahr eines Atomkrieges mit den Sowjets resultierte aus der Aufstellung sowjetischer Atomraketen auf Kuba bzw. der Kubakrise, nicht aus der (versuchten) Invasion in der Schweinebucht. Zitat:Von diesen 11 kriegerischen Auseinandersetzungen sind die weit überwiegende Mehrheit also von der Begründung oder/und auch vom Ergebnis her ... zumindest zu hinterfragen.Ich sehe eigentlich keine Probleme bei der Begründung, allenfalls kann man bei zweien oder dreien die völkerrechtliche Basis kritisieren. Zitat:Wollen wir jetzt die USA als logische Konsequenz dieser Erkenntnis als "Bedrohung für andere Länder" bezeichnen?Nein. Zitat:Und rechtfertigt dies dann "chirurgische Tötungsschläge" gegen die Regierung der USA?Nein. Schneemann RE: Möglichkeiten der USA zur Gestaltung ihrer Macht - Kongo Erich - 07.03.2026 @Schneemann: Wenn man - wie ich - das Primat des Völkerrechts, also einen regelbasierten Umgang der Staaten miteinander gegenüber der reinen Macht(missbrauchs)politik bevorzugt, dann erschließt sich doch mein Beitrag ohne große Fragen. [quote]Von diesen 11 kriegerischen Auseinandersetzungen (der letzten 60 Jahre) sind die weit überwiegende Mehrheit also von der Begründung oder/und auch vom Ergebnis her ... zumindest zu hinterfragen.[/qute] Von den genannten 11 großen Auseinandersetzungen, in denen die USA verwickelt waren, sind nur zwei nicht unterstrichen. Das war der zweite Golfkrieg - der durch eine UN-Resolution begründet war (die mit Lügen erzielt wurde). Und das waren die Jugoslawienkriege - ebenfalls mit Einschränkungen. Einschränkungen insoweit, als man durchaus hinterfragen kann, ob die Herauslösung aus dem ehemaligen Jugoslawischen Staatenverbund und die Anerkennung der "abtrünnigen Staaten" so "ganz sauber" abgelaufen ist. Alle anderen Kriege lassen sich völkerrechtlich nur schwer rechtfertigen. Du versuchst eine Rechtfertigung, und kritisierst im Wesentlichen nur "nicht erreichte Ziele". Das wird an der - Entschuldigung, völlig sinnentleerten Frage nach dem Problem beim Panama-Einsatz (1989) deutlich. Aufgrund welcher Rechtsgrundlage soll diese "lokale Polizeiaktion" denn erlaubt sein? Gab oder gibt es irgendeinen Vertrag, mit dem Panama der US-Regierung die Polizeigewalt (außerhalb der Kanalzone) übertragen hat. Zeig mir bitte diesen Vertrag, oder verlinke ihn. Ohne eine solche Vereinbarung war die "lokale Polizeiaktion" schlicht rechtswidrig. Und meine etwas polemische Frage auf der Grundlage des "gleichen Rechts für alle" hast Du (bewusst? missverstanden. Wenn es ein solches nicht verbrieftes Recht der USA gibt, dann steht dieses Recht auch allen anderen Staaten zu. Das nennt sich "Gleichheit vor dem Gesetz". Und das würde aktuell jedem Staat der Welt erlauben, eine "lokale Polizeiaktion" in Israel durchzuführen, um Netanjahu für die Verhandlung vor dem internationalen Strafgerichtshof fest zu nehmen - oder auch einen entsprechenden Raid nach Florida, um den irrlichternden DT für seinen aktuellen Angriffskrieg gegen Iran zur Rechenschaft zu ziehen und als Führer eines strategisch wichtigen Staates zu beseitigen. Du verneinst das - zurecht. Aber dann gilt das genauso auch für die USA. Insofern - weder Putin noch Trump sind legitimiert, irgendwelche Staaten zu überfallen um einen Regierungswechsel zu erzwingen. Und es ist Aufgabe der Staatengemeinschaft, geschlossen solche Übergriffe abzuwehren. Und da widerspreche ich Dir dann auch entschieden: Jeder nur aufgrund seiner militärischen Macht und ohne Berücksichtigung des Völkerrechts agierender Staat ist eine Bedrohung für andere Länder. Es kommt gar nicht darauf an, mit welcher moralisierenden Begründung ein Angriff auf ein fremdes Staatsgebiet erfolgt. Solche Begründungen lassen sich zu leicht fälschen. Das Gewaltmonopol für bewaffnete Konflikte mit anderen Staaten liegt bei der UNO - und nicht im Kreml, im Weißen Haus oder in der Knesset. Ich bin schon etwas traurig darüber, dass Du immer wieder dem "Recht des Stärkeren" das Wort redest, und nicht der "Stärke des Rechts". Das ist auch perspektivisch gesehen eine Sackgasse. Die USA verlieren ihre Stellung als alleinige Supermacht. DT spricht inzwischen von "G2" - also den USA und China. In seinem Denken kommt vielleicht noch Russland als Großmacht vor. Die EU ist für ihn lediglich eine Gruppe von aufmüpfigen und störenden Satelliten. Und der globale Süden besteht dann ohnehin nur - so seine Ausdrucksweise - aus "Shitholes". Aber DT und viele andere im Westen verstehen nicht, dass die Aufteilung der Welt auf wenige Großmächte nicht mehr funktioniert. Wir haben den Weg zu einer mulitpolaren Weltordnung längst unumkehrbar eingeschlagen. Und eine solche multipolare Weltordnung klappt nur, wenn es Respekt vor anderen Kulturen und einen regelbasierten Umgang miteinander gibt. Alles andere, vor allem die Kraftmeierei einer absteigenden Supermacht, die durch einen irrlichternden Präsidenten von einem Abenteuer in das andere torkelt, führt zu massiven Auseinandersetzungen und aufgrund der heute zur Verfügung stehenden Waffen zur Gefahr der kompletten Vernichtung der Menschheit. RE: Möglichkeiten der USA zur Gestaltung ihrer Macht - Schneemann - 08.03.2026 @Kongo Erich Zitat:Von den genannten 11 großen Auseinandersetzungen, in denen die USA verwickelt waren, sind nur zwei nicht unterstrichen. [...]Was mir nicht so ganz einleuchtet. Ich hatte ja geschrieben, dass ich selbst auch zwei, drei Fälle als durchaus bedenklich ansehe bzgl. des Völkerrechtes - damit meine ich den Irak 2003, Panama 1989 und vielleicht noch die Schweinebucht - wobei man hier unter Kennedy diesem exilkubanischen Abenteuer jedoch die Luftunterstützung verweigerte, was dann zum Scheitern der Operation mit beitrug. Aber die anderen Fälle sehe ich als weitgehend unproblematisch an. Zitat:[...] Frage nach dem Problem beim Panama-Einsatz (1989) deutlich. [...]Wie ich bereits schrieb: Panama sehe ich skeptisch - allerdings nur rein rechtlich betrachtet. Ansonsten habe ich mit dem Sturz Noriegas kein Problem. Zitat:Wenn es ein solches nicht verbrieftes Recht der USA gibt, dann steht dieses Recht auch allen anderen Staaten zu. Das nennt sich "Gleichheit vor dem Gesetz".Wenn wir uns darauf stützen wollen, dass das Gesetz universell anwendbar sein muss, dann müssen wir sicherstellen können, dass alle Staaten sich daran halten. Es ist aber irrig anzunehmen, dass dies der Fall sein wird, zumal gerade diktatorisch regierte Staaten gerne diese Gesetze ignorieren. Fast alle Interventionen der USA hatten ja als Ursache, dass autokratische oder gar totalitäre Systeme eine Art von Aggression begonnen haben, auf die dann die USA als westliche Vormacht reagiert haben. Ohne die Aggression kommunistischer Regime, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung was deren Unterstützung durch Moskau und Peking angeht, hätte es kein US-Eingreifen in Korea oder Vietnam gegeben, ohne Milosevic (und seine blutrünstigen Schleppenträger Karadžić und Mladic) hätte es kein Eingreifen auf dem Balkan gegeben, ohne Saddam hätte es keinen desert storm gegeben und ohne den 7. Oktober 2023 hätten wir keinen Krieg in Nahost, zumindest wohl nicht in diesem Umfang. Insofern: In den meisten Fällen haben die USA eher nur reagiert als gezielt proaktiv im hegemonialen Rahmen zu agieren. Und dass dies so ist, liegt daran, dass es für eine Demokratie ungleich schwerer ist in einen Krieg zu ziehen als für eine Diktatur, denn es gibt eben in einer Demokratie die offene Gesellschaft, eine kritische Presse und freie Wahlen - und das fliegt einem um die Ohren, wenn man nicht aufpasst. Die USA selbst haben es erlebt im Vietnamkrieg: Militärisch hätte man die Kommunisten besiegt, aber die "Heimatfront" hat sich aufgelöst, überall gärte es im Land, weil eben allabendlich die Bilder von den blutigen Kämpfen in Asien über die Fernsehgeräte der US-Bürger flimmerten und eine zunehmende ablehnende Haltung gegenüber den Schönfärbereien der Politik (und auch teils ihrer Lügen) aufkam. Zitat:Und da widerspreche ich Dir dann auch entschieden:Das hängt sehr stark davon ab, ob der betreffende Staat eine Demokratie ist oder nicht. Wie bereits geschrieben ist es für Demokratien extrem schwierig, "einfach" einen Krieg anzufangen oder ihn auf längere Zeit zu führen. Nur als Bsp.: Selbst der nur wenige Stunden andauernde Raid wegen Maduro, der nach meinem Empfinden ein Erfolg war, hat ein erhebliches Rauschen im Blätterwald in den USA verursacht. Hätte Donalds Aktion länger gedauert, wäre die Kritik in den USA zu massiv geworden, so dass es kaum durchhaltbar gewesen wäre. Und auch jetzt in Iran zeichnet sich ab, dass je länger der Konflikt anhält, die Kritik an diesem innenpolitisch zunimmt. D. h. das Weiße Haus versucht aus der Sache relativ zügig wieder herauszukommen - am besten mit einem Nachgeben des Iran (deswegen auch Trumps Gerede von einer iranischen Kapitulation), denn selbst die MAGA-Fraktion, die übrigens stark isolationistisch ist, geht Donald schon teils von der Stange. Man könnte überspitzt sagen: Wenn die Perser Trump eine Niederlage zufügen wollen, dann stellen sie jetzt auf stur und ertragen das Bombardement eben noch einige Zeit. Jeder Tag, der so ins Land geht, beschädigt Trumps Reputation und seine Präsidentschaft innenpolitisch etwas mehr bzw. reduziert seine Chancen bei den Midterms step by step. Eine Diktatur jedoch hätte diese Probleme nicht oder zumindest kaum. Sie könnte auch Jahre lang Krieg führen, wenn sie die Propaganda und die Presse fest im Griff hat. Wäre Putin etwa ein "lupenreiner" Demokrat und Russland eine funktionierende Demokratie mit freier Presse, dann hätte das Land keine vier Jahre dieses Gemetzel mit hunderttausenden Toten in der Ukraine durchhalten können. Zitat:Das Gewaltmonopol für bewaffnete Konflikte mit anderen Staaten liegt bei der UNO [...]Verstehe mich da bitte nicht falsch: Mir wäre es am liebsten, wenn die Stärke des Rechts allumfassend gelten würde. Aber wir sehen aktuell leider einer Zeit entgegen, die - auch als Spätfolge der Entkolonialisierung - eine zunehmende Zweckentfremdung, ja sogar einen Missbrauch des Systems UN und eine Art von völkerrechtlicher Lawfare gegen vorzugsweise westlich geprägte Demokratien seitens von autokratischen Staaten mit sich bringt. D. h. das System, das einstmals durch westliche Staaten federführend (mit-)implementiert wurde, durchaus mit wohlwollenden Völkerrechtsgedanken, mit der Idee eines universellen, globalen Rechtssystems und mit dem Ideal der Demokratie im Hinterkopf, wird nun von Staaten, die keinen Cent auf freiheitlich-demokratische Gedanken, den Rechtsstaat oder das Völkerrecht geben, zweckentfremdet und gegen uns eingesetzt. Und das dürfen wir, wenn am Ende nicht ein Scheitern wie beim Völkerbund und ein Absturz in einen Weltkrieg stehen soll, keinesfalls zulassen. Und solange dies so ist, haben die westlichen Demokratien, angeführt von den USA, sogar eine moralische Verpflichtung das Recht des Stärkeren über die Stärke des Rechts zu stellen. Schneemann RE: Möglichkeiten der USA zur Gestaltung ihrer Macht - Kongo Erich - 08.03.2026 (Gestern, 09:03)Schneemann schrieb: ...Das Völkerrecht gibt dem Frieden und seiner Erhaltung den absoluten Vorrang gegenüber (auch noch so verständlichen) Wünschen, Demokratie zu fördern oder einen Diktator und Hegemon zu eliminieren. Und ich denke, das ist aus gutem Grund so - die Nachkriegsordnung war geprägt von den grauenhaften Erfahrungen zweier Weltkriege. Ich vermute, dass heutigen Generationen diese grauenhafte Erfahrung fehlt. Und ich befürchte, dass eine Generation ohne diese Erfahrung und ohne entsprechendes Geschichtsbewusstsein dazu verurteilt ist, die Erfahrung neu zu machen. Dann aber dürfte das die letzte lebende Generation auf dieser Erde gewesen sein. RE: Möglichkeiten der USA zur Gestaltung ihrer Macht - Kongo Erich - 08.03.2026 das passt thematisch zu unserer Diskussion: Zitat:Irankrieg: Kölner Völkerrechtler beklagt „fürchterliches Dilemma“ im VölkerrechtKopie hier |